Wohnen, Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs werden zunehmend teurer. Gleiches gilt auch für Urlaub, Elektrogeräte und andere Konsumgüter. Grundsätzlich sind stetig steigende Preise normal, da sich auch die Gehälter nach oben entwickeln. Das entscheidende Wort in diesem Zusammenhang lautet Kaufkraft.
Die Kaufkraft zeigt nämlich, wie viel das Geld tatsächlich wert ist und setzt dabei in Relation, wie viel man sich davon wirklich in seinem Alltag kaufen kann, was teilweise auch stark vom Wohnort abhängt. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat nun neue Zahlen vorgelegt, die die Regionen und die Kaufkraft der dort lebenden Menschen miteinander vergleichen. Dabei zeigen sich teilweise deutliche Unterschiede zwischen dem ersten und dem letzten Platz der Liste.
Kaufkraft-Daten zeigen teilweise massive Unterschiede zwischen den Regionen
Die Zahlen des IW beziehen sich auf das Jahr 2023. Die aktuellen, teils enormen Preisentwicklungen sind entsprechend nicht enthalten. Den Zahlen zufolge haben die Menschen in Heilbronn (Baden-Württemberg) die höchste Kaufkraft, während Einwohnerinnen und Einwohner in Offenbach am Main (Hessen) die geringste Kaufkraft aufweisen – und das, obwohl die Städte nur etwa 120 Kilometer voneinander entfernt sind.
Denn während in Heilbronn das preisbereinigte Pro-Kopf-Einkommen bei 39.424 Euro pro Jahr liegt, stehen Menschen in Offenbach nur 21.430 Euro pro Jahr zur Verfügung. Dabei zeigt sich, dass das Preisniveau in Offenbach höher ist (106,5 im Vergleich zu 103,1 in Heilbronn), was wiederum das preisbereinigte Einkommen deutlich nach unten drückt. In Heilbronn greift zudem ein wichtiger Effekt, da vor allem aufgrund der dort ansässigen Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland und Lidl gehören, das statistische Durchschnittseinkommen deutlich nach oben gedrückt wird.
Im größer angelegten Vergleich der Bundesländer hat allerdings Bayern die Nase vorn. Dazu tragen vor allem Landkreise wie Starnberg (39.224 Euro pro Jahr), Rhön-Grabfeld (38.479 Euro pro Jahr) oder Miesbach (37.078 Euro pro Jahr) bei. Am anderen Ende der Bundesländer-Skala befindet sich wiederum Berlin.

Berlin und München im Kaufkraft-Vergleich
Zum Verständnis lohnt sich ein direkter Städtevergleich zwischen dem schlecht platzierten Berlin und der ebenfalls als teuer geltenden bayerischen Hauptstadt München, die allerdings einen deutlich besseren Listenplatz bekleidet.
Berlin (Platz 383)
- Preisniveau: 106,3
- Nominales Einkommen: 26.208 Euro
- Kaufkraft: 24.656 Euro
München (Platz 69)
- Preisniveau: 123,9
- Nominales Einkommen: 38.189 Euro
- Kaufkraft: 30.823 Euro
Der Vergleich zeigt, dass das Preisniveau in München tatsächlich sichtbar höher ist als in Berlin. Aufgrund des deutlich höheren nominellen Einkommens haben die Münchnerinnen und Münchner trotzdem eine deutlich höhere Kaufkraft, was die Stadt unter diesen Gesichtspunkten zu einer der am besten platzierten Großstädte Deutschlands in dieser Statistik macht. Dort leben im Übrigen auch die meisten Milliardäre.
Institut warnt vor generellen Entwicklungen und rät zum Wohnungsbau
Dem IW zufolge zeige die Auswertung der Daten deutlich, dass vor allem die Großstädte an Kaufkraft verlieren. Zwar sind die Gehälter dort meist besser, allerdings können diese die steigenden Lebenshaltungskosten nicht kompensieren. In Großstädten wie Hamburg (Platz 331), Köln (Platz 343), Frankfurt am Main (Platz 358) und Berlin (Platz 383) seien vor allem die hohen Wohnkosten schuld. In Städten wie Gelsenkirchen (Platz 399) und Duisburg (Platz 398) seien hingegen die Einkommen eher schwach.
Das Institut bemerkt zudem, dass „sich an der Spitze viele auch touristisch attraktive Regionen befinden“, die zudem eine große Nähe zu wirtschaftlich starken Metropolen aufwiesen. Das treffe vor allem auf das Münchner Umland, aber auch auf den Hochtaunuskreis bei Frankfurt am Main zu. Abgelegene Regionen, die gut platziert seien, verdankten das vor allem ihren moderaten Lebenshaltungskosten bei stabilem Mittelstand.

