Das Auto bietet als Transportmittel nach wie vor eine hohe Flexibilität und Unabhängigkeit und erfreut sich dementsprechend einiger Beliebtheit. Wer sich kein eigenes Fahrzeug leisten kann oder es zu selten benötigt, hat inzwischen flächendeckend die Möglichkeit, zeitlich begrenzt ein Auto zu mieten. Die Kombination aus Mieten und Kaufen machen sich allerdings auch Kriminelle zunutze, wie unter anderem eine investigative Recherche des SWR zeigt.
In einem kürzlich veröffentlichten Beitrag wird beispielhaft an einem Audi Q7 gezeigt, wie die Betrügerinnen und Betrüger vorgehen. Dafür hat ein Team von Journalistinnen und Journalisten Interesse an einem beinahe neuen Q7 gezeigt, der für einen unschlagbaren Preis privat im Internet inseriert wurde. Statt der eigentlichen 80.000 Euro wurde der Wagen für 62.500 Euro angeboten. Als Grund für den geringeren Preis wurde ein leichter Schaden am Heck genannt. Auf Nachfrage stimmte der Verkäufer auch dem geringeren Gebot von 56.000 Euro zu. Möglich ist das aufgrund eines betrügerischen Vorgehens.
Denn der Audi gehört der verkaufenden Partei gar nicht. Stattdessen handelt es sich um ein eigentlich gemietetes Fahrzeug, das von einer kriminellen Bande mit gefälschten Ausweisen gemietet und nicht zurückgegeben wurde. Dabei versuchen die Täterinnen und Täter offenbar, die gestohlenen Autos innerhalb weniger Tage weiterzuverkaufen; dann hat auch noch niemand Verdacht geschöpft. Der finanzielle Schaden für die Opfer ist entsprechend groß.

Kriminelle machen sich für Betrugsmasche Behördenchaos und die Zeit zunutze
Wichtig für die Betrugsmasche sind die Fahrzeugdokumente, die auch einem fachkundigen Blick standhalten können. Das liegt daran, dass die Kriminellen über echte Blanko-Dokumente verfügen, die bei Einbrüchen in deutsche Zulassungsstellen erbeutet wurden. Dazu hat das Bundesinnenministerium bereits bestätigt, dass etwa 180.000 solcher Papiere zur Fahndung ausgeschrieben wurden.
Daran anschließend fordert der Mietwagenverband bereits seit Monaten eine öffentlich einsehbare Liste mit den gestohlenen Dokumentennummern. Das würde es Käuferinnen und Käufern ermöglichen, diese vor einem Kauf zu prüfen. Tatsächlich kann aber auch ein genauer Blick auf das Dokument bereits einige Fehler offenbaren. So fand das SWR-Team beispielsweise einen Fehler beim Wort „Stadt“ des Zulassungsbezirks; dort fehlte offenbar ein Buchstabe.
Autovermietungen werden durch die Betrugsmasche zunehmend vor Probleme gestellt. So verschwinden offenbar bereits seit einiger Zeit vor allem hochpreisige Autos aus der Flotte, die dann innerhalb kürzester Zeit weiterverkauft werden. Einige Betriebe seien dadurch massiv in ihrer Existenz bedroht oder hätten bereits aufgeben müssen. Ein Grund dafür ist offenbar, dass Versicherungen in erster Linie von Unterschlagung und nicht von Diebstahl ausgehen – das ist ist jedoch nicht abgedeckt.

Geschäft mit gestohlenen Autos ist nicht neu
Das Vorgehen ist der Polizei scheinbar bekannt. Im Lagebericht des Bundeskriminalamts wird ein sprunghafter Anstieg erwähnt, wie auch die „Tagesschau“ berichtet. Dabei gehen die Täterinnen und Täter offenbar sehr gezielt vor und gehören zu einem größeren kriminellen Netzwerk. Am besten kauft man sein Auto also nur über einen seriösen Autohändler und nicht über private Anbieter. Dabei gilt vor allem bei jüngeren Fahrzeugen besondere Vorsicht. Und wie in anderen Bereichen gilt auch hier: Angebote, die zu gut sind, um wahr zu sein, sind es eben manchmal auch. Zudem kann ein Zweitschlüssel-Check helfen, da die Täterinnen und Täter oft nur einen Schlüssel besitzen. Darüber hinaus sollte man niemals allein zu solchen Treffen gehen und immer eine weitere Person als Zeugen mitnehmen.
Wer doch privat kauft, sollte die Fahrzeugdokumente ganz genau prüfen. Ein Fall eines Geschäftsmannes aus Litauen zeigt zudem, dass man unbedingt auf sein Bauchgefühl hören sollte. Beim fast durchgeführten Kauf eines beinahe neuwertigen BMW X5 habe er bemerkt, dass die Verkäuferin, die zudem eine andere Person war als die, mit der ursprünglich verhandelt wurde, die ganze Zeit mit einer Person am Telefon in Kontakt war. Das und die Tatsache, dass die Geldübergabe nur in bar stattfinden sollte, habe ihn stutzig werden lassen.
