Selbstkritik: So viel davon ist gut für dich

Das eigene Tun und Handeln zu hinterfragen ist zunächst einmal ganz positiv und kann sogar förderlich für die Karriere sein. Denn nur wer bereit ist, seine Fehler anzuerkennen, wird sich auch verbessern können. Ohne Einsicht bleibt eben alles so wie es ist. Zu viel Selbstkritik jedoch kann dich ausbremsen. Wie du eine gesunde Balance findest, erfährst du hier.

, 17:43 Uhr
Selbstkritik: So viel davon ist gut für dich
marvent/Shutterstock

Definition: Was versteht man unter Selbstkritik?

Kritik – das klingt nach Fehlern, schlechtem Verhalten und häufig auch danach, dass man sich schämen muss. Dabei kann Kritik durchaus auch positive Seiten haben. Wer mit seinem Vorgesetzten schon einmal ein gutes und wertschätzendes Kritikgespräch geführt hat, bei dem es konstruktiv zuging, der wusste nach dem Gespräch, an welchen Stellschrauben er ansetzen muss, um sich zu verbessern.

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Wer die hohe der Kunst der Selbstkritik beherrscht, dem gelingt genau das auch ganz ohne Rückmeldung von außen. Personen, die sich und ihr einiges Verhalten selbstkritisch reflektieren können, finden Verbesserungspotenzial ganz ohne die Hinweise einer weiteren Person.

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Das Problem: Es liegt in der Natur des Menschen, dass man sich selbst nur sehr schlecht objektiv beurteilen kann. Das wiederum führt dazu, dass einige ihre Performance im Job und ihr Verhalten anderen Personen gegenüber zu rosig sehen, während andere dazu neigen, alles ein wenig zu negativ zu beurteilen.

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Jedoch ist Selbstkritik nur dann wirklich zielführend, wenn sie konstruktiv ist, also sich in gesunder Balance zwischen positiver und negativer Kritik befindet. Wer diesen goldenen Mittelweg findet, der kann von Selbstkritik unheimlich profitieren.

Selbstkritik: Synonyme und ähnliche Wörter

Statt „Selbstkritik“ hört man hin und wieder auch folgende Wörter:

  • kritische Reflexion
  • sich seiner Schuld bewusst sein
  • sich reuevoll zeigen
  • reumütig sein
  • sich hinterfragen
  • bilanzieren
  • sich auseinandersetzen
  • aufarbeiten
  • sich eingestehen

 

Selbstkritik: Gesunde Balance ist wichtig

Ein gesundes Gleichgewicht zwischen konstruktiver und destruktiver Selbstkritik zu finden ist also sehr wichtig, wenn du vorankommen willst. Um zu verstehen warum das so ist, schauen wir uns die beiden Arten der Selbstkritik einmal genauer an:

  1. Konstruktive Selbstkritik: Wer konstruktiv mit seinen Fehlern umgehen kann, dem gelingt ist, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nicht genug für die Klausur gelernt oder die Präsentation nur halbherzig vorbereitet? Wer diese Gründe anerkennt und darin die Ursache für das Übel, nämlich die schlechte Note oder den langweiligen und lückenhaften Vortrag, sieht, der kann diese Erkenntnis für sich nutzen. Am besten so, dass er beim nächsten Mal nicht noch einmal den gleichen Fehler macht, und sich eben besser vorbereitet. Sollte das gelingen, ist die konstruktive Selbstkritik durchaus förderlich.
  2. Destruktive Selbstkritik: Wer jedoch einen Hang dazu hat, das eigene Verhalten viel zu negativ zu bewerten, der profitiert nicht umso von von seiner Selbstkritik. Die Gleichung mehr Selbstkritik = mehr Verbesserungspotenzial geht also nicht auf. Im Gegenteil. Personen, die kein gutes Haar an der eigenen Leistung lassen können, beschränken sich häufig auf die übertriebene Kritik. Sie sind nicht zufrieden mit sich und ihrem Verhalten, schaffen es aber nicht, daraus Konsequenzen zu ziehen. Destruktiv ist diese Art der Selbstkritik also deshalb, weil nur das Schlechte gesehen wird, man sich aber nicht darauf konzentriert, es besser zu machen.

 

Psychologie: Die Gründe für destruktive Selbstkritik

Wie so häufig gibt es verschiedene Auslöser und Gründe für bestimmtes Verhalten. Das ist auch bei destruktiver Selbstkritik nicht anders. In vielen Fällen liegen die Wurzeln für den negativen Umgang mit Selbstkritik in der Kindheit der betreffenden Person.

Einige Menschen sind von ihren Eltern häufig und viel kritisiert worden. Gleichzeitig haben sie nicht gelernt, wie sie Schlüsse aus der Kritik ziehen könnten, um ihr Verhalten zu verbessern und irgendwann nicht mehr oder nicht mehr in dem gleichen Ausmaß kritisiert zu werden.

Wenn zu der – meist überzogenen – Kritik hinzukommt, dass die Eltern ihr Kind für gute Leistung nicht loben, könnte sich die destruktive Selbstkritik verfestigen und zu einem bleiben Bestandteil des eigenen Verhaltens werden.

Doch auch zu großer Ehrgeiz und Ansprüche an sich selbst, die kaum zu erfüllen sind, können ein Grund dafür sein, dass man einen negativen Umgang mit Selbstkritik verinnerlicht.

 

Test: Bin ich zu selbstkritisch?

Fragt du dich nun, ob du ebenfalls zu denjenigen Personen gehörst, die es mit der Selbstkritik übertreiben? Dann solltest du zu einer Einschätzung kommen, ob deine Selbstkritik noch im gesunden, also konstruktiven, Rahmen ist oder ob du die Grenze zur destruktiven Selbstkritik schon überschritten hast.

Denn für dein eigenes Selbstwertgefühl sowie beruflichen und privaten Erfolg ist es unheimlich wichtig, dass du einen positiven Umgang mit deinen Fehlern lernst. Nur so wirst du in der Lage sein, dich zu verbessern und Unzulänglichkeiten zukünftig zu vermeiden. Und das hat natürlich auch einen positiven Einfluss darauf, wie du dich fühlst und wie du anderen Personen begegnest.

 

Du bist zu selbstkritisch, wenn

  • du an deinem Verhalten nur selten positive Merkmale erkennen kannst.
  • dir ein Fehler den gesamten Tag versauen kann.
  • du bei jedem Lob denkst, dass sich die lobende Person geirrt hat.
  • dir auch bei längerem Nachdenken nicht einfällt, wo deine Stärken liegen.
  • du sofort eine Verschwörung witterst, wenn sich andere Personen leise in deiner Gegenwart unterhalten.
  • Kritik, die von einer anderen Person geäußert wird, deine Selbstzweifel exponentiell verstärkt.

 

Selbstkritik überwinden: Das kannst du tun

Alles deutet darauf hin, dass du es mit der Selbstkritik ein wenig übertreibst? Dann haben wir hier ein paar Tipps für dich, was du tun kannst, um zu konstruktiver Selbstkritik zu finden und künftig aus Fehlern besser zu lernen:

  1. Selbstkritik konkret formulieren: Personen, die zu destruktiver Selbstkritik neigen, machen gerne den Fehler, dass sie sich pauschal kritisieren. Frei nach dem Motto: „Kein Wunder, dass mir das schon wieder nicht gelungen ist, ich habe einfach kein Talent für Vorträge.“ Dass der Vortrag in die Hose gegangen ist, liegt aber eher daran, dass sie nicht richtig vorbereitet waren und nicht daran, dass sie pauschal untalentiert sind. Besser, weil konkreter ist daher folgende Art der Selbstkritik: Der Vortrag ist mir nicht gelungen, weil ich mich zu wenig um die Details gekümmert und geschludert habe. Wer zu dieser Art der Selbstreflexion fähig ist, erkennt nämlich auch sofort, was er ändern muss. Nämlich: Sich beim nächsten Mal richtig vorzubereiten. Das greift nicht nur das Selbstbewusstsein weniger an, es zeigt auch direkt eine Lösung für das Problem auf. Gut so!
  2. Verhalten, nicht Persönlichkeit kritisieren: Wer pauschal kritisiert, läuft außerdem Gefahr, dass er sich als Person insgesamt abwertet. Denn der Vorwurf an sich selbst, man habe eben einfach kein Talent für Vorträge ist ja ein Vorwurf an die eigene Persönlichkeit. Konzentriert man sich stattdessen darauf, was man falsch gemacht hat, verlagert man die Kritik hin zu den eigenen Taten. Das ist vielleicht immer noch nicht schmeichelhaft, hilft aber dabei, eine konstruktive Form der Selbstkritik zu finden.
  3. Vergleiche mit anderen sein lassen: Dem früheren Schulfreund, der zu dem bekannten mittelständischen Unternehmen gewechselt ist, gelingt scheinbar alles: Beruflich erfolgreich, glücklich in seiner Beziehung und sportlich ist er auch noch. Da kann man schon mal neidisch werden. Ob der frühere Schulfreund tatsächlich so erfolgreich und glücklich ist, weißt du aber gar nicht. Denn all deine Informationen hast du aus den sozialen Medien – und wie wir wissen, sollte man bei den meisten Postings zumindest misstrauisch sein. Was nämlich wirklich dahinter steckt und was wahr, was zum Großteil erfunden ist, lässt sich nur schwierig nachvollziehen. Lass dich daher nicht zu sehr von den Posts beeindrucken und konzentrier dich darauf, was du kannst, was du bisher erreicht hast und was du noch erreichen kannst, wenn du mehr konstruktive Selbstkritik an dir übst.