Neue Pfandregel 2024: Experten warnen vor Hygiene-Problemen

Im kommenden Jahr wird für Verbraucher eine entscheidende Regel eingeführt. Experten warnen nun vor der Umsetzung.

12.12.2023, 21:41 Uhr
Neue Pfandregel 2024: Experten warnen vor Hygiene-Problemen
IMAGO / HRSchulz
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Deutschland gehört mit seinen unterschiedlichsten Pfandsystemen zu den umfangreichsten und leider auch kompliziertesten weltweit. In Zukunft wird es vermutlich noch mehr Pfandbehälter zum einsammeln geben. Ab dem Januar 2024 soll nämlich ein weiterer Artikel in diese Pfandregelung aufgenommen werden - und zwar Plastikflaschen von Milchprodukten. Genauer gesagt geht es um Inhalte, die von der „Deutschen Pfandsystem GmbH“ so definiert werden: „Milch und Milchmischprodukte mit einem Milchanteil von mind. 50 Prozent.“

Auch auf einige Milchprodukte gibt es im kommenden Jahr Pfand

Außerdem „sonstige trinkbare Milcherzeugnisse (Milch- und MargarineG), insbesondere Joghurt und Kefir (jeweils ohne Koffein, Taurin, Inosit, Glucuronolacton)“. Die Größe dieser Einweg-Kunststoffflaschen ist mit einer Füllmenge von nicht weniger als 0,1 Liter und kleiner als 3 Liter festgelegt – und damit sind so gut wie alle gängigen Dimensionen erfasst. Bereits jetzt säumen große Mengen von Rücknahmeautomaten die Eingangsbereiche der Supermärkte, - und nicht immer zum Wohl derer, die von dem eigentümlichen Geruch begrüßt werden, bevor sie ihren Einkauf beginnen.

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Dieses „Naserümpfen“ könnte in der geplanten nahen Zukunft noch deutlich zunehmen. In den Behältern werden sich nämlich Milch-basierende Rückstände befinden, die, speziell bei unverschlossenen Flaschen, zu einer erheblichen Mehrbelastung an Gerüchen sorgen werden. Die meisten kennen den „Duft“ vergorener Milch und der wird sich dann zu den Bier- und Limo-Resten dazugesellen.

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IMAGO / MiS

So könnten erhebliche Hygiene-Probleme entstehen

Mehr aber als den anstehenden Gestank, befürchten Experten eine starke Kontamination mit den sich bildenden Mikroorganismen. Milchbasierende Lebensmittel bieten hier geradezu paradiesische Zustände für die massive Bildung von Schimmelpilzen und unerwünschten Bakterien. Hierzu hat sich auch das "Bundesinstitut für Risikobewertung" (BfR) bereits geäußert. Hier heißt es: „Nach dem Öffnen und Ausleeren der Verpackungen können wegen der relativ hohen Viskosität dieser fettreichen Produkte erhebliche Mengen an Lebensmittelresten in den Verpackungen verbleiben, die einen sehr guten Nährboden für Mikroorganismen darstellen.“

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Solche Brutstätten für Bakterien können laut der Risikobewertung des BfR umliegende Lagerflächen mit-kontaminieren und „sehr schnell auch zu einer nachteiligen Beeinflussung aller anderen in einem Verkaufsbetrieb lagernden Lebensmittel führen“, so das Institut. Daher bestünde „die Gefahr einer unhygienischen Beeinträchtigung“ von Supermärkten oder Discountern. Zusätzlich locken solche Produkte tierische Besucher wie Mäuse und Ratten und ganze Insektenpopulationen magisch an, die dann auch im restlichen Supermarkt kaum zu vermeiden sind. Daher sei sicherzustellen, „dass die genannten mikrobiologisch-hygienischen Probleme nicht auftreten“, so das Bundesinstitut abschließend.

Neue Pfandregel gilt ab dem 1. Januar 2024

Das scheint allerdings ohne erhebliche Ausbaumaßnahmen und Investitionen kaum möglich zu sein.  Neu ist das Thema nicht. Bereits vor einigen Jahren warnte der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, Eckhard Heuser vor den kommenden Zuständen mit den Worten: „Plastikflaschen für Milch gehören in den Gelben Sack und nicht in den Rücknahmeautomaten. Leere Milchflaschen sind ein hygienisches Problem, gerade im Sommer.“ Jetzt bleibt abzuwarten, ob sich die düsteren Prognosen für die mangelnde Hygiene beim Einkaufen bewahrheiten.