Die verschwundene Millionärsgattin von Lørenskog: Ein Land sucht den Täter

Vor wenigen Jahren verschwand eine Millionärsgattin völlig spurlos, sodass seither das ganze Land nach dem Täter sucht. Dieser True Crime Fall ist bewegend und schockierend zugleich. Denn es gibt kaum Antworten.

31.12.2023, 14:10 Uhr
Die verschwundene Millionärsgattin von Lørenskog: Ein Land sucht den Täter
Symbolbild © istockphoto/Anneli Hoseggen
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Alles, was von ihr blieb: Eine Forderung nach Lösegeld

Lørenskog in Norwegen am 31. Oktober 2018. Die Millionärsgattin Anne-Elisabeth Hagen verschwindet völlig spurlos, und ein ganzes Land sucht seither den Täter. Dieser Kriminalfall beschäftigt seitdem nicht nur die Ermittler, sondern auch ganz Norwegen. Von Frau Hagen blieb nur eines übrig: Eine Lösegeldforderung.

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Fast schon magisch zieht dieser True-Crime-Fall Hobby-Detektive, Ermittler, Medien, aber auch Filmschaffende sowie Leser, Zuhörer und Zuschauer in den Bann. Anne-Elisabeth Hagen. Der Name findet sich in Serien, Filmen und in Büchern. Ihr Fall wird in Podcasts besprochen, in den Medien wird nach ihr gesucht. Vergeblich. Seit über 5 Jahren.

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Was geschah in der Oktober-Nacht

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Tom Hagen, der Ehemann von Anne-Elisabeth Hagen, lebt mit ihr in einem bescheidenen Anwesen in einer ruhigen, aber idyllischen Wohngegend in Lørenskog in der Nähe von Oslo. Vor dem Haus gibt es keinen Zaun und auch auf Kameras verzichtet das Millionärs-Ehepaar offenbar. Gegen neun Uhr verlässt ihr Ehemann am 31. Oktober 2018 das Haus.

Um 13.30 Uhr kehrt er von der Arbeit zurück. In ein leeres Haus. Denn von seiner Ehefrau, der 68-Jährigen, fehlt plötzlich jede Spur. Nur ein Brief ist im Flur auf einem Stuhl zu finden. Dort steht, dass er einer Lösegeldforderung von etwa 9 Millionen Euro nachkommen solle, zahlbar in Kryptowährung. Andernfalls sterbe Anne-Elisabeth Hagen.

Reichtum für sich behalten

Tom Hagen ist ein Selfmade-Millionär, der heute zu den reichsten Norwegern zählt. Er arbeitete sich aus bescheidenen Verhältnissen hoch und erarbeitete sich sein Vermögen in der Immobilien- und Energiewirtschaft. Als er den Brief findet, ruft er sofort die Polizei. Denn auch wenn er und seine Frau so reich waren, sie trugen ihr Vermögen nicht vor sich her.

Sie lebten in einem eher unscheinbaren Einfamilienhaus, welches lediglich von einer Hecke umgeben war. Es war also für niemanden ein Problem, an die Haustüre zu gelangen und unbemerkt dort zu klingeln oder anzuklopfen.

Spuren im Bad deuten auf Gewalt hin

Die sofort eingeleiteten Ermittlungen ergaben, dass im Badezimmer des Wohnhauses Schleifspuren zu finden waren. Der oder die Täter haben, laut den Vermutungen der Ermittler, Frau Hagen überwältigt und von hier weggezogen. Zudem fand die Polizei einen Schuhabdruck mit der Größe 45. Doch dieser gibt den Beamten bis heute Rätsel auf. Bislang weiß niemand, zu wem dieser Schuhabdruck gehört.

An den mutmaßlichen Täter transferiert Tom Hagen über eine Kryptoplattform umgerechnet 1,3 Millionen Euro. Er fordert dafür ein Lebenszeichen seiner Frau. Doch dieses kommt nie. Und dann nimmt der Fall neue Fahrt auf und erfährt eine unerwartete Wendung. Denn ein Detail hatte Tom Hagen bisher den Ermittlern verschwiegen.

Jetzt ist es Mord

Im Januar 2019 wendet sich die norwegische Polizei an die Öffentlichkeit. Jedoch bringt auch dies keine neuen Erkenntnisse. Derweil durchsuchen Beamte das Haus der Hagens weiter und stoßen dabei auf Papiere, die plötzlich eine neue Wendung in den Fall bringen. Denn die Ermittler halten Scheidungspapiere in der Hand. Unterzeichnet von Anne-Elisabeth Hagen.

Jetzt ist auch nicht mehr die Rede von einer Entführung, sondern von Mord. Als Hauptverdächtiger gilt nun der besorgte Ehemann Tom Hagen. Denn wäre es zur Scheidung gekommen, hätte er einen großen Teil seines Vermögens an seine Frau abtreten müssen. Zudem fanden die Ermittler heraus, dass Tom Hagen sich wenige Monate vor der vermeintlichen Entführung von Anne-Elisabeth Hagen, mit einem Experten für Kryptowährungen traf.

Seit diesen neuen Spuren gehen die Ermittler nicht mehr davon aus, dass es sich um einen Zufall handelt, dass das Lösegeld als Kryptowährung bezahlt werden sollte. Um Tom Hagen zu überwachen, platzierten die Ermittler Wanzen in seinem Haus, hörten die Telefone ab und trackten auch seine Fahrten mit dem Auto.

Festnahme trotz weniger Beweise

Als am 28. April 2020 Tom Hagen festgenommen wird, gibt es nur wenige Beweise. Er hat zudem ein Alibi für die Tatzeit und die Leiche von Anne-Elisabeth Hagen ist bis heute nicht gefunden. Das ist auch der Grund, warum Tom Hagen nur wenige Tage in U-Haft verbringt, und schließlich wieder frei kommt. Bis heute gilt er für die Ermittler als der Hauptverdächtige.

Die Zweifel der Polizei, dass es wirklich Entführer gibt, verhärten sich immer mehr. Tom Hagen hat nur sehr selten mit ihnen über eine Kryptobörse Kontakt. Schlagartig jedoch rückt ein anderer Mann in den Fokus. Ole Henrik Golf, ein junger Start-Up-Gründer aus Norwegen, gerät plötzlich ins Fadenkreuz der Ermittler.

Der mutmaßliche Entführer nutzte auf der Kryptoplattform die Mailadresse [email protected]. Dahinter verbirgt sich der Kontobesitzer Ole Henrik Golf. Am Flughafen Oslo stellt ihn die Polizei und verhört ihn daraufhin. In seiner Aussage erklärt er, dass er sich für Kryptowährungen interessiere und privat in Bitcoin investiert habe. Den Grund für seine Vernehmung könne er sich nicht erklären.

Weitere Details führen die Ermittler ins Darknet

Die weiteren Ermittlungen ergeben, dass der Reisepass von Golf kopiert und im Darknet verkauft wurde. Die verwendete Mailadresse [email protected] wurde extra erstellt. Damit war klar, dass Unbekannte die Identität von Golf nutzen. Doch war da wirklich so? Wie die Ermittler herausfanden, gibt es zum besagten Kryptokonto eine Postadresse. Und diese gehörte zur Firma von Golf.

Die Adresse wurde von Golf am 2. Juli 2018 im Internet veröffentlicht. Fünf Tage später verwendeten die Täter, die Anne-Elisabeth Hagen vermutlich umbrachten, diese Adresse für das Kryptokonto. Golf soll sich, laut Berichten fragen, ob die Täter ihn überwacht haben oder ihn noch immer überwachen.

So bleibt es bis heute ein großes Rätsel, was mit der verschwundenen Millionärsgattin geschah und wer der wirkliche Täter ist. Experten sind sich sicher, dass der Fortschritt der Technik für die Ermittler und die Aufklärung des Falls arbeitet.