Eier von Hühnern sind auch in Deutschland sehr beliebt; der Konsum steigt seit Jahren kontinuierlich an. Der Verbrauch liegt bei durchschnittlich 252 Eiern pro Person, wobei das auch an der Vielseitigkeit des Lebensmittels liegt, das unter anderem gekocht, gebraten, pochiert oder auch als Zutat in anderen Gerichten zum Einsatz kommen können. Viele kaufen dabei aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses besonders gerne die großen Exemplare, die mit XL beschriftet sind.
Diese unterscheiden sich im Preis in der Regel nicht von den kleineren, bringen aber mehr Inhalt. Dahinter steckt jedoch – nicht zwangsläufig, aber leider viel zu häufig – unnötiges Tierleid. Wer die Möglichkeit hat, sollte deshalb genau hinschauen und möglicherweise lieber zu kleineren Eiern greifen.
Was hinter der Größe von Eiern steckt
Größe und Gewicht eines Hühnereies hängen von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen kommt es dabei auf die Rasse der Legehenne an, zum anderen auf ihr Alter. Dabei gilt die grobe Regel: Je älter das Huhn, desto größer das Ei. Was als klein (S und M) und was als groß (L oder XL) gilt, ist im Übrigen nicht willkürlich, sondern streng reglementiert:
- S: weniger als 53 Gramm
- M: 53 bis 63 Gramm
- L: 63 bis 73 Gramm
- XL: ab 73 Gramm
Bei kleinen Eiern kann man also davon ausgehen, dass sie von jungen Tieren gelegt wurden. Bei großen XL-Eiern war mit höherer Wahrscheinlichkeit ein älteres Huhn beteiligt. Ganz genau kann man das allerdings nicht sagen, da man die Größe auch aktiv beeinflussen kann.

Zwangsmauser ist zwar verboten, wird aber teilweise eingesetzt
In der industriellen Hühnerhaltung werden die Legehennen aufgrund verschiedenster Umstände oft gar nicht alt genug, um richtige XL-Eier zu legen. In der Regel werden sie nämlich nach einem Jahr geschlachtet, da dann ihre Legeleistung nachlässt und sie wirtschaftlich nicht mehr als rentabel angesehen werden – eine Praxis, die von Tierschutzorganisationen schon lange kritisiert wird.
Damit trotzdem die beliebten großen XL-Eier produziert werden können, wird teilweise auf Tricks zurückgegriffen, die auf verschiedene Weise schädlich für die Tiere sind. Das Verfahren nennt sich „Zwangsmauser“. Dabei wird der natürliche Prozess der Mauser, der normalerweise nach 15 bis 18 Monaten zum Gefiederwechsel einsetzt, künstlich herbeigeführt. Das funktioniert mit weniger Nahrung und reduziertem Tageslicht.
In dieser Zeit legen die Hennen aufgrund des hohen Energieaufwands weniger bis gar keine Eier. Die Industrie leitet die Mauser vorzeitig unter Zwang ein, damit sich zum einen ihr Legeapparat erholen kann. Zum anderen legen sie nach der Zwangspause größere Eier. Die Mauser wird also künstlich vorgezogen, um den Zeitraum zu verlängern, in denen die Hühner die großen Exemplare legen.
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Große Eier weisen auf Tierleid hin
Das ist für die Legehennen schmerzhaft, gefährlich und bisweilen sogar tödlich. Deshalb ist die Zwangsmauser mit Futter- und Wasserentzug in der EU auch verboten. Es gibt allerdings gesetzliche Grauzonen um die sogenannte „induzierte Legepause“, bei der die Mauser auf etwas schonendere Art und Weise herbeigeführt wird – aber eben immer noch nicht auf natürlichem Weg. Der Stress für die Tiere ist also weiterhin vorhanden.
Zudem kommt es in Betrieben, die einen starken Fokus auf Menge und Größe der Eier legen, oft zu Legedarmentzündungen und Stoffwechselproblemen bei den Tieren, die zudem eine höhere Sterblichkeitsrate aufweisen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das, dass sie bei großen XL-Eiern grundsätzlich vorsichtig sein sollten.
Zwar bedeutet nicht jedes große Exemplar automatisch, dass dahinter Tierleid steckt, da die Größe eben auch auf natürliche Weise zustande kommen kann. Allerdings ist das nur in etwa ein bis zwei Prozent der gelegten Eier der Fall. Allzu oft steckt dahinter also eher eine Produktion, die zumindest nur schwierig mit artgerechter und schonender Haltung der Legehennen in Einklang zu bringen ist.

Was kann man als Kunde tun?
Große Eier sind so gesehen nicht ungesünder oder schädlicher für den Menschen als die kleinen Exemplare. Allerdings sollte man sich über die Hintergründe bewusst sein, wenn man das nächste Mal einkaufen geht und die eigene Kaufentscheidung gegebenenfalls hinterfragt. Grundsätzlich sollte man dann beim Kauf auf folgende Details achten:
- Bio- und Freilandhaltung sind immer besser als Bodenhaltung.
- Besser auf regionale und mindestens auf EU-Anbieter setzen; im Nicht-EU-Ausland gelten teilweise laschere Tierschutzgesetze.
- Auf Angaben wie „Zweinutzungshühner“ und den Verzicht auf Kükentöten achten.
Einige Supermärkte haben deshalb bereits reagiert und übergroße XL-Eier aus dem Sortiment genommen. Allerdings kann man immer noch recht problemlos besonders große Exemplare kaufen, weshalb Tierschutzorganisationen empfehlen, nach Möglichkeit ganz darauf zu verzichten, um dem Markt das Signal zu senden, dass die Produktion solcher Eier nicht erwünscht ist.
Inzwischen gibt es zudem auch zahlreiche Alternativen, die etwa beim Backen zum Einsatz kommen können. Dazu gehören etwa Apfel- oder auch Tomatenmark, Kartoffel- und Maisstärke oder auch Haferflocken, je nachdem, welche Funktion das Ei jeweils erfüllen soll. Geschmacklich gilt das Kala-Namak-Salz als adäquater Ersatz.

