Nach Angriff in Hamburg: Wie sollte man sich verhalten, wenn plötzlich ein Wolf auftaucht?

In Hamburg, mitten in einer Großstadt, wurde eine Frau von einem Wolf gebissen. Der Fall beschäftigt die Medien und wirft die Frage auf, wie man selbst sich in einer solchen Situation verhalten sollte.
Nach Angriff in Hamburg: Wie sollte man sich verhalten, wenn plötzlich ein Wolf auftaucht?
iStock / Stefan Kleine Wolter

Die Große Bergstraße in Hamburg-Altona ist eine bekannte Einkaufsmeile. Breitgepflasterter Verlauf, teilweise Fußgängerzone, viele große und kleinere Geschäfte – und mittendrin ein Wolf. Dieser hatte sich offenbar zwischen den gläsernen Automatiktüren einer Einkaufspassage verirrt und ist dort einer Passantin begegnet. Bei dem Versuch, das Tier, das sie wohl für einen Hund hielt, aus seiner Lage zu befreien, wurde die Frau gebissen und anschließend laut Informationen der dpa in einer Hamburger Klinik behandelt.

Wie schwer ihre Verletzungen waren, ist nicht bekannt, aber sie konnte die Einrichtung offenbar kurz darauf wieder verlassen. Der Fall hat dennoch ein großes Medienecho ausgelöst, vor allem, weil Wölfe in Großstädten bislang eine große Seltenheit sind. Was ist bislang über die Geschehnisse bekannt? Und wie sollte man sich am besten verhalten, wenn man plötzlich selbst einem solchen Tier gegenübersteht?

Wolf in Hamburg rannte wohl panisch gegen Glastüren

Es handelt sich um den ersten dokumentierten Vorfall dieser Art seit der Wiederansiedlung des Wolfs Ende der 1990er-Jahre, wie etwa die Umweltbehörde berichtet. Offenbar wurde das Tier bereits kurz zuvor in einigen Hamburger Vororten gesichtet, bevor es sich dann in die Innenstadt verirrte. Dort soll es vor dem Angriff auf die Frau bereits in einen Supermarkt eingedrungen sein.

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Einige Stunden nach dem Vorfall wurde der Wolf dann in der Hamburger Binnenalster gefunden und dort auch geborgen, nachdem eintreffende Beamte das Tier mit einer Schlinge aus dem Wasser gezogen hatten. Anschließend wurde es zunächst im Wildgehege Klövensteen untergebracht, um von dort zu einer Auffangstation in Niedersachsen weitertransportiert zu werden. Die weitere Zukunft des Wolfes ist noch ungewiss.

Wolf läuft über eine Straße
iStock / Seyedomid Mostafavi

Wie wahrscheinlich ist ein Wolfsangriff auf Menschen in Deutschland?

Wie mehrere Behörden, darunter das Bundesamt für Naturschutz, betonen, sind Angriffe von Wölfen auf Menschen ausgesprochen selten. Frank Faß, Betreiber des Wolfcenters Dörverden bei Verden (Aller), zufolge gebe mehrere Studien zu dem Thema. Diese verzeichnen insgesamt nur 127 Übergriffe im „geografischen Europa“ – und zwar im gesamten Zeitraum zwischen 1950 und 2020. Davon sollen zudem 107 Fälle auf Tollwut oder andere Krankheiten zurückzuführen sein, wie etwa der vielbeachtete NINA-Report betont.

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Die seltenen Vorkommnisse haben wohl zum einen mit der systematischen Verdrängung des Wolfs aus dem mitteleuropäischen Raum zu tun, aber auch mit der scheuen Natur der Tiere. In der Regel halten sich Wölfe von Menschen fern; für Nutztiere ist die Gefahr wesentlich größer. Wie das Exemplar am Ende in der Hamburger Innenstadt gelandet ist, ist noch nicht ganz klar. Offenbar hat es sich allerdings um ein recht junges Tier gehandelt, wie unter anderem die „Tagesschau“ berichtet. In dieser Phase würden die Tiere potenziell größere Strecken zurücklegen als im späteren Leben.

Grundsätzlich ist deshalb nicht damit zu rechnen, dass man Wölfe jetzt häufiger in Deutschlands Städten antrifft. Allerdings kommt es vermehrt zu Sichtungen in der Nähe von Siedlungen, die vor allem auf die generell wachsende Population zurückzuführen sind. So leben dem NABU zufolge „insgesamt 219 Wolfsrudel, 43 Paare und 14 sesshafte Einzeltiere in Deutschland“; die Zahlen beziehen sich auf November 2025. Es scheint also sinnvoll, sich ähnlich wie auch bei Wildschweinen und anderen Wildtieren einige wichtige Verhaltensregeln einzuprägen, falls man doch plötzlich einem Wolf gegenübersteht.

So sollte man sich bei Begegnung mit Wölfen verhalten

Expertinnen und Experten raten eindringlich, sich in einem solchen Fall den Tieren nicht zu nähern. Der gut gemeinte Hilfeversuch der Frau in Hamburg könnte ein Auslöser für den Angriff gewesen sein, da das Tier wohl ohnehin schon verängstigt war. Der Niedersächsische Landesverband für Naturschutz gibt mehrere klare Verhaltensregeln für die Begegnung mit einem Wolf vor:

  • Ruhe bewahren und sich einen Eindruck der Gesamtsituation verschaffen
  • selbstsicheres Auftreten durch Großmachen und Arme schwenken
  • nicht auf den Wolf zugehen
  • wenn sich das Tier zurückzieht nicht verfolgen
  • nicht wegrennen, sondern langsam zurückziehen
  • auf keinen Fall füttern
  • Hunde unbedingt an der Leine lassen und dicht bei sich halten

In den meisten Fällen werden sich die Tiere von alleine zurückziehen. Dafür sollte man ihnen unbedingt den Raum lassen, zumal der Rückzug in der Regel nicht panisch, sondern langsam und in mehreren Etappen erfolgt. Handelt es sich um ein neugieriges Jungtier, das sich trotzdem nähert, gilt Vorsicht und ein selbstbewusstes Auftreten.

Laute Geräusche wie Rufen und Klatschen können die Tiere vertreiben, genauso wie das Werfen von Gegenständen. Auch dabei sollte man sich ihnen körperlich aber möglichst nicht nähern. Ähnliches Verhalten wird im Übrigen auch bei anderen größeren Wildtieren empfohlen.