Künstliche Intelligenz (kurz KI) ist die große technologische Errungenschaft der jüngsten Vergangenheit. Als solche bestimmt sie diverse öffentliche Debatten, da sie im Alltag auch immer mehr Aufgaben übernimmt. Trotz dieser zentralen Bedeutung ist es zumindest ungewöhnlich, dass ausgerechnet der Papst über Themen wie Risiken durch KI spricht. Dafür hat sich Papst Leo XIV. zudem einen ganz besonderen Anlass ausgesucht: seine allererste Enzyklika.
Das Wort leitet sich aus dem Griechischen ab, in dem „kyklos“ so viel wie „Kreis“ bedeutet. Gemeint ist eine Art kirchliches Rundschreiben. Wie viele solcher Schreiben ein Papst verfasst, ist nicht festgelegt. Zum Vergleich: Papst Franziskus hat während seines Pontifikats insgesamt drei Enzykliken veröffentlicht.
Dem ersten Schreiben kommt dabei allerdings eine besondere Bedeutung zu. Im Vergleich mit der Politik könnte man nämlich von einer Regierungserklärung sprechen, die Aufschluss darüber gibt, wofür der Papst steht und wofür er sich einsetzen möchte. Dass Papst Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika nun Künstliche Intelligenz erwähnt, ist also ein wichtiger Fingerzeig.
Erste Enzyklika des Papstes ist KI gewidmet
Dabei geht es dem Papst anscheinend nicht nur darum, auf die Risiken der Technologie aufmerksam zu machen. Er verweist durchaus auch auf ihre Chancen und die positiven Aspekte. Allerdings macht ihm offenbar vor allem Sorgen, dass KI zunehmend auch vor dem Hintergrund bewaffneter Konflikte zu betrachten ist.
Das Kirchenoberhaupt warnt in diesem Zusammenhang, dass KI zur Normalisierung bewaffneter Konflikte beitragen könne. Deshalb plädiert er für eine Entwaffnung der Technologie und dafür, sie von der „Mentalität des ‚bewaffneten‘ Wettbewerbs“ zu befreien.
Zudem spricht er sich dafür aus, dass sowohl die Entwicklung als auch der Einsatz von KI in der Kriegsführung, aber auch mit Blick auf „öffentliche Güter und Grundrechte“ enorm strengen ethischen Auflagen unterliegen müssen, „um die Achtung der Menschenwürde und die Unantastbarkeit des Lebens zu gewährleisten.“

Streit um KI in autonomen Waffensystemen
In diesem Kontext drückt der Papst seine Sorge über autonome Waffensysteme aus. Diese ermöglichen es Künstlicher Intelligenz theoretisch irgendwann, die Menschheit zu beherrschen. Deshalb warnt der 70-Jährige auch davor, die Macht über solche digitalen Systeme allein in die Hände von technischen und wirtschaftlichen Akteuren zu legen.
Über genau diese Fragen ist zuletzt ein Streit auf höchster politischer Ebene in den USA entbrannt. Anfang März wurde dort nämlich der Deal zwischen dem Pentagon und dem KI-Anbieter Anthropic gekündigt. Grund dafür soll unter anderem die Tatsache gewesen sein, dass das Unternehmen darauf bestanden hat, die Kontrolle über die Technologie in Sachen Massenüberwachung und autonomer Kriegsführung in der Hand von Menschen zu belassen.
Als Folge kündigte das Pentagon den Deal mit Anthropic auf und schloss stattdessen einen Vertrag mit OpenAI ab. Der Vorgang hat damals große Wellen geschlagen und zu zahlreichen Solidaritätsbekundungen mit Anthropic geführt.
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Technologie ist nicht per se zu verteufeln
Dass Papst Leo das Thema KI nun so zentral in den Mittelpunkt seiner Enzyklika gesetzt hat, ist also auch vor diesem Kontext zu verstehen. Anthropic-Mitgründer Christopher Olah war im Übrigen bei der Verlesung vor Ort – genau wie der Papst selbst. Das ist keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. In der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche hat es das kein einziges Mal gegeben.
Und auch im Titel des Schreibens wird die Technologie hervorgehoben. Dieser lautet „Magnifica Humanitas“, was übersetzt „Großartige Menschheit“ bedeutet, und trägt zudem den Untertitel „Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“. Dabei betont das Kirchenoberhaupt: „Die Technik ist an sich nicht als eine menschenfeindliche Kraft zu betrachten.“

Papst plädiert für „Zivilisation der Liebe“
Grundlegend mahnt der Papst dabei, dass Technik nicht zum alleinigen Maßstab für menschliches Handeln werden dürfe und zieht dabei den Vergleich zum Turm zu Babel. Dieser gehört zu einem biblischen Gleichnis, das als Sinnbild für menschlichen Hochmut gilt.
„Kein noch so ausgeklügeltes Computersystem erschafft ein Herz, das sich hingibt, oder ein Gewissen, das das Gute erkennt“, mahnt der 70-Jährige. Als Gegenbild wird hingegen ein christliches, verantwortungsvolles Menschenbild entworfen.
Weitere Themen der Enzyklika sind unter anderem Sklaverei, die für die kollektive Erinnerung wichtige Kunst und Kultur sowie der Frieden. Dabei mahnt das Kirchenoberhaupt, dass Krieg nicht als scheinbar normales politisches Instrument zurückkehren dürfe.

