Egal ob kurze E-Mail, lange Übersetzung oder ausführliches Bewerbungsschreiben – generative KI kann das alles innerhalb kürzester Zeit erstellen. Immer mehr Leute nutzen die Technologie aber offenbar auch für die offizielle schriftliche Kommunikation, beispielsweise mit Behörden.
Denn gerade in Bereichen, in denen es auf bestimmte Formulierungen und Formalien ankommt, kann KI eine Unterstützung sein, die dabei hilft, eine formgerechte Kündigung, eine Beschwerde an einen Dienstleister oder auch einen Einspruch beim Gericht zu schreiben. Die Behörden stellt das hingegen vor bisher ungeahnte Herausforderungen.
Künstliche Intelligenz senkt für viele die Einstiegshürde
Wie die dpa berichtet, verzeichnen Verwaltungsbehörden diesbezüglich ein erhöhtes Aufkommen. Das betrifft zum einen grundsätzlich Schreiben, bei denen vermutlich KI zum Einsatz kam, die darüber hinaus teilweise auch deutlich länger sind. So berichtet Christine Fuchsloch, Präsidentin des Bundessozialgerichts, im SWR von einem Fall, in dem es eine 4.500 Seiten lange Antragsbegründung gegeben hat, die komplett überprüft werden muss.
Zum anderen ist dadurch die Zahl der Verfahren gestiegen. Wie eine Sprecherin des Arbeitsgerichts Berlin gegenüber der dpa erklärte, sind im bisherigen Jahr 2026 bereits so viele Verfahren eingegangen wie im kompletten Jahr 2024; die meisten dieser Verfahren drehen sich um Kündigungsschutzklagen.
Andere Gerichtsbereiche machen ähnliche Erfahrungen. Dabei wurde zwar nicht technisch untersucht, ob tatsächlich KI zum Einsatz kam. Allerdings ist der Anstieg der Fälle bemerkenswert, einige Formulierungen erinnern verdächtig an KI, es kommt zu plötzlichen Stilwechseln in der Kommunikation und immer häufiger werden nahezu identische Schlichtungsanträge eingereicht.
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Juristische KI-Schreiben verursachen jede Menge Mehrarbeit
Die oft ohnehin schon überlasteten Gerichte sind angesichts der steigenden Zahlen weiterem Druck ausgesetzt. Das verlängert wiederum die Bearbeitungszeit, auch wenn einige Einrichtungen bereits mehr Richterinnen und Richter einstellen. Dabei ist nicht nur die Zahl der Fälle gestiegen, sondern mitunter auch der Aufwand, die einzelnen Fälle zu prüfen, da häufig längere Schriftsätze eingereicht werden.
Das liegt in erster Linie daran, dass KI es vielen Bürgerinnen und Bürgern, die kein juristisches Wissen haben, ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit rechtssicher klingende Texte zu verfassen. Eine positive Auswirkung des Ganzen ist, dass sich in Zukunft wohl immer mehr Personen zutrauen werden, sich über ihre Rechte zu informieren und diese auch vor Gericht geltend zu machen. Allerdings entstehen dadurch auch Risiken, da eine KI-Befragung keine echte juristische Beratung oder gar Vertretung ersetzen kann.
Das zeigt sich bereits bei KI-generierten Schreiben, die oft kleine bis große inhaltliche Fehler enthalten, die dann zudem von den Gerichten – in der Regel manuell – überprüft werden müssen. Expertinnen und Experten fordern deshalb zum einen weiteres Personal, zum anderen eine Beschleunigung der nur schleppend vorankommenden Verwaltungsdigitalisierung.

