Wie der Name schon sagt, ist das sogenannte „Darknet“ ein dunkler und verborgener Teil des Internets. Sein Gegenstück ist im Übrigen das „Clear Web“, teilweise auch „Surface Web“ genannt, also das Netz, das bei den meisten jeden Tag zum Einsatz kommt. Als Zwischenstufe existiert noch das „Deep Web“, eigentlich der umfangreichste Teil des Internets, der etwa Datenbanken, Server und Online-Speicher umfasst. Anders, als es sich viele vielleicht vorstellen, sind Deep Web und Darknet dabei allerdings nicht separat abgeschottet. Wer weiß, wie es geht, kann theoretisch jederzeit darauf zugreifen.
Beim Darknet läuft die Kommunikation verschlüsselt und es braucht spezielle Browser für den Zugriff. Hacker verfügen über das entsprechende Know-how, um sich in diesem Teil des Internets zu bewegen. „Hacken heißt größtenteils, einen Code anzustarren und zu verstehen, wie Seiten zusammengebaut sind und funktionieren und dann herauszufinden, wie man den Prozess unterwandern und die Kontrolle übernehmen kann“, erklärt ein Experte, der im Interview mit „Vice“ nur maskiert zu sehen ist, um seine Identität zu schützen.
Denn er hat mehr als 30 Jahre selbst als Hacker in der Branche gearbeitet und ist inzwischen als Analyst im Silicon Valley tätig. Mittlerweile begreift er sich als „White Hat“, also als einen ethischen Hacker im Namen der Cybersicherheit und berichtet von seinen Erfahrungen mit Hacking, dem Darknet und was seiner Meinung nach die größten Bedrohungen dort sind.

Das Darknet bietet Kriminellen die Möglichkeit, großen Schaden anzurichten
Dabei warnt der Experte explizit vor „Black Hat“-Hackern. Der Begriff bezieht sich auf Hacker mit bösen Absichten, die etwa über Schadsoftware Zugriff auf fremde Geräte und Daten bekommen wollen. Schwachstellen in Software und Systemen werden dafür aktiv ausgenutzt. Im Gespräch mit „Vice“ berichtet der Hacker von seinen Erfahrungen auch in diesem Bereich. So beschreibt er beispielsweise: „Wenn ich Zugriff auf eine abgesicherte Firma haben möchte, trete ich nicht einfach die Vordertür ein. Ich nehme jemanden ins Visier, von dem ich weiß, dass er Zugriff hat (…) und dann arbeite ich mich weiter nach oben.“
Seine Erfahrungen machen ihm aber auch Angst, weil er weiß, wie einfach es unter Umständen sein kann, einen kompletten Zusammenbruch herbeizuführen. Es habe Zeiten gegeben, in denen ein koordinierter Angriff viel Geld gekostet hätte. Heutzutage brauche es nur ein paar schlaue Hacker mit einem Laptop – und Zugang zum Darknet. Zwar braucht es diesen Zugang nicht einmal zwangsläufig. Das Darknet nimmt aber eine wichtige Rolle in der Cyberkriminalität ein, weil etwa erbeutete Daten dort angeboten werden und es eine ganze Infrastruktur für den Handel mit kriminellen (Cyber-)Aktivitäten gibt. Manche Leute würden dort dem Hacker zufolge unter anderem auch die Zugänge zu kompromittierten großen Unternehmen verkaufen.
Dort habe er zudem Kontakt mit zahlreichen Black-Hat-Hackern gehabt, die an keinen Moralkodex gebunden und absolut willens seien, das Gesetz zu brechen. Einigen gehe es dabei um Geld, andere würden hingegen einfach Chaos verbreiten und „die Welt brennen“ sehen wollen. In dieser Gruppe sieht der Experte eine enorme Gefahr, zumal das Vorgehen schon längst auf politischer Ebene angekommen sei. „Jedes Land hat irgendeinen Grund, um diese Art von Waffe einzusetzen“, erklärt der Hacker. Er warnt in diesem Zusammenhang eindringlich vor den potenziell verheerenden Folgen auf den Finanzmarkt, aber auch auf die kritische Infrastruktur eines Landes wie etwa die Stromversorgung.
