Vor genau 30 Jahren, am 2. Juni 1996, fuhr Michael Schumacher seinen ersten Sieg für Ferrari ein. Das Rennen in Barcelona brachte ihm zudem den Spitznamen „Regenmeister“ ein. Denn obwohl „Schumi“ damals bei den nassen Bedingungen beim Start und auch später im Rennen Probleme hatte, waren die der Konkurrenz noch deutlich größer.
Weltmeister Damon Hill kollidierte sogar mit der Boxenmauer und war am Ende vor allem froh, unverletzt zu sein. Schließlich gewann Schumacher mit unglaublichen 45 Sekunden Vorsprung und konnte hinten raus das Rennen auf Sicherheit fahren – ein Baustein im ikonischen Status, den der Ex-Rennfahrer bis heute hat. Während dieser Sieg den Beginn einer neuen Ära in der Karriere des Sportlers markierte, veränderte jedoch ein anderer Tag Schumachers Leben Jahre später schlagartig: der 29. Dezember 2013.
Damals erlitt Schumi einen schweren Unfall beim Skifahren; seitdem gibt es kaum Informationen zu seinem Gesundheitszustand. Das öffentliche Interesse hat allerdings nie nachgelassen. Damals wurde Schumacher im Universitätsklinikum Grenoble behandelt. Mehr als 12 Jahre später hat sich nun unter anderem sein behandelnder Arzt erstmals mit Details geäußert.
„Der Tag wird kompliziert“: Arzt hat Schumacher zunächst nicht erkannt
Stephan Chabardès war damals einer der behandelnden Ärzte, die sich nach der Einlieferung von Michael Schumacher um den Sportler kümmerten. Der Neurochirurg ist auch heute noch der Leiter der Abteilung in Grenoble und erinnert sich in einem Interview mit der französischen Sportzeitung „L'Équipe“ (kostenpflichtiger Artikel) an die Ereignisse.
Im Gespräch schildert er, dass seine Schicht am 29. Dezember 2013 beinahe vorbei war, als das Telefon klingelte und er in die Notaufnahme gerufen wurde. Er habe Schumacher, der noch in seinem Skianzug steckte, erst erkannt, als er sich zur Untersuchung über ihn beugte, berichtet der Arzt. Er erinnert sich noch, wie er damals dachte: „Oha, der Tag wird kompliziert.“

Skiunfall löste 2013 riesiges mediales Echo aus
Chabardès war damals auch Teil eines Klinikteams, das schließlich vor die Presse trat, um das enorme Medienecho nach Schumachers Unfall ein wenig einzufangen. Damals wurden nur spärliche Informationen bekanntgegeben. Inzwischen weiß man, dass der Formel-1-Weltmeister beim Skifahren im französischen Méribel gestürzt und dabei mit dem Kopf unglücklich auf einen Felsen aufgeschlagen war, was zu einem schweren Schädel-Hirn-Trauma führte.
Das Interview mit dem Neurologen offenbart nun allerdings noch einige neue Details zum Ablauf nach dem Unfall. Unter anderem habe Schumachers Managerin ihn direkt vor dem „medialen Tsunami“ gewarnt. Chabardès schildert zudem, wie die Menschenmenge vor dem Krankenhaus innerhalb kürzester Zeit enorm angewachsen sei und auch in der Einrichtung selbst habe man überall die Anspannung spüren können.
Sogar der Präfekt der Region sei ins Krankenhaus gekommen, der seine Sorge darüber ausgedrückt habe, dass sich Tausende Menschen draußen versammelten. Chabardès ist aber nicht der Einzige, der sich erstmals öffentlich zu den damaligen Geschehnissen geäußert hat. Auch Yannick Dainese hat seine Erinnerungen erstmals geteilt.
Strenge Medien-Auflagen für Schumacher-Retter
Dainese gehörte damals zum Rettungsteam, das den Sportler von der Piste geborgen hat. Der Hubschrauberpilot flog den schwerverletzten Michael Schumacher damals ins Krankenhaus. Der „L'Équipe“ schildert er, dass auch er zunächst nicht wusste, wen er da eigentlich transportieren sollte. Als ein Retter mit einem Arzt erklärte „Wir fliegen zu Schumacher“, habe er das für einen Witz gehalten.
Anschließend musste das Team allerdings alle Kameras und Mikrofone abnehmen und zudem der Presse den Zugang zur Unfallstelle verwehren. Erst da habe er realisiert, dass es tatsächlich um den siebenfachen Formel-1-Weltmeister ging. Er selbst sei kein Fan der Sportart gewesen, habe aber trotzdem gewusst, um wen es gehe und dass Schumi „wie ein Gott verehrt wurde“.

Krankenhausgelände wurde zur Formel-1-Strecke
Genau wie beim Arzt Stephan Chabardès ist bei dem Hubschrauberpiloten aber vor allem eines hängen geblieben: wie groß die Aufmerksamkeit und Anteilnahme damals war. Nachdem der 25-minütige Flug nach Grenoble in Stille verlaufen war, hatte sich das wenige Tage später komplett gewandelt.
Dainese berichtet: „Überall waren Busse, rote Fahnen und Menschen – das Krankenhausgelände hatte sich in eine Formel-1-Rennstrecke verwandelt. Es war unfassbar.“ Was er damals gesehen hat, habe ihn nahezu schockiert.
Wie geht es Michael Schumacher heute?
Über den aktuellen Gesundheitszustand des ehemaligen Rennfahrers ist nach wie vor wenig bekannt. Nach der Behandlung in Grenoble, während der er unter anderem in ein künstliches Koma versetzt wurde, wurde er im Frühjahr 2014 nach Hause transportiert, um „seine lange Phase der Rehabilitation fortzusetzen“, wie es damals hieß.
Seitdem sind nur spärliche Informationen weitergegeben worden. Unter anderem berichtet Erzbischof Georg Gänswein von einem Besuch im Jahr 2016. Dabei habe er gespürt, dass Michael Schumacher „Begegnungen wahrnimmt, dass er mit sich einen inneren Monolog führt. Man kann fühlen, dass die Nähe seiner Familie wichtig für ihn ist.“
In einer 2021 erschienenen Netflix-Dokumentation gab Ehefrau Corinna Schumacher zudem kleine Einblicke in das Leben der Familie. „Wir leben zusammen zu Hause. Wir machen eine Therapie. Wir tun alles, was wir können, damit es Michael besser geht“, berichtete sie damals.

