Im Juni und Juli soll unter anderem in den USA eines der wichtigsten sportlichen Tuniere der Welt stattfinden: die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Für US-Präsident Donald Trump ist das ein wichtiges Aushängeschild. Den Friedenspreis von FIFA-Chef Gianni Infantino nahm er bei der Gruppenauslosung in jedem Fall noch wohlwollend entgegen. Seitdem sorgten Aussagen Trumps allerdings wiederholt für Unruhe in Bezug auf das Fußballturnier.
So drohte der US-Präsident unter anderem, demokratisch regierten Spielorten in den USA die WM-Spiele wegzunehmen. Dann schoss er gegen Mitgastgeberland Mexiko. Und jetzt bedroht er mit seinen Ambitionen gegenüber Grönland die Integrität Dänemarks und damit eines europäischen Verbündeten. Neben anderen Reaktionen vonseiten der EU wird plötzlich unter anderem ein Boykott des sportlichen Mega-Events diskutiert. Und dabei geht es nicht nur um Forderungen kleinerer Gruppierungen.

FIFA und UEFA sind beide abhängig von den USA, ziehen aber nicht am selben Strang
Stattdessen hat unter anderem DFB-Präsidiumsmitglied Oke Göttlich erklärt, dass die Diskussionen „tatsächlich berechtigt“ seien. CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter wurde im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ noch deutlicher. „Wenn Trump seine Ankündigungen und Drohungen in Bezug auf Grönland umsetzt und einen Handelskrieg mit der EU anzettelt, ist für mich kaum vorstellbar, dass europäische Länder an der Fußball-WM teilnehmen“, wird der Politiker zitiert, der allerdings auch betonte, dass alles getan werden müsse, um diesen Fall zu verhindern. Kiesewetters CDU-Parteikollege Jürgen Hardt brachte eine solche Konsequenz ebenfalls ins Spiel.
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In anderen europäischen Ländern wird eine ähnliche entsprechende Diskussionen geführt. Darunter befindet sich Medienberichten zufolge auch England, das immerhin als Mutterland des Fußballs gilt. Dort fordert allerdings umgekehrt eine Gruppe von Abgeordneten, dass die USA von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen werden sollten. Das scheint angesichts des Gastgeberstatus unwahrscheinlich. Aber wie sieht es mit einem tatsächlichen Boykott aus? Und könnte man mit dieser Maßnahme wirklich Druck auf Donald Trump ausüben?

Experten warnen vor Vereinnahmung des Sports durch Politik
Alle Überlegungen diesbezüglich beziehen sich auf ein Szenario, in dem Trump tatsächlich eine Invasion und Annektierung Grönlands veranlasst. In einem solchen Fall muss es Expertinnen und Experten zufolge eine Reaktion geben, mindestens vonseiten der EU. Allerdings gibt etwa Stephan Mayer (CSU), Sprecher der Union für Sport und Ehrenamt, zu bedenken, „wie begrenzt die politische Wirkung von Boykotten im Sport ist“. Das hätte seinerzeit der deutsche Boykott bei den Olympischen Spielen in Moskau 1980 gezeigt. Generell gelten sportliche Boykotte vor dem Hintergrund politischer Konflikte als unbeliebt und ineffektiv.
Allerdings denkt in diesem Zusammenhang nicht nur Deutschland über einen Boykott der Fußball-WM nach. So soll es unter anderem dem „Guardian“ zufolge am Montag in Budapest zu einem Treffen von 20 Verbänden gekommen sein. Teil der Gespräche war dabei angeblich, wie die europäischen Fußballverbände im Ernstfall geschlossen reagieren könnten. Ein Boykott aller europäischen Teilnehmerländer könnte tatsächlich deutliche Auswirkungen zur Folge haben. So würde unter anderem das Teilnehmerfeld dadurch massiv geschwächt. Unter den – neben den Gastgeberländern nach Weltrangliste ausgesuchten – starken neun Fußball-Nationen in Topf 1 der Verlosung befinden sich nur zwei nicht europäische Länder.

Die Frage ist vor allem, wie wichtig die Fußball-WM für Trump ist
Dazu kommt ein Aspekt, den unter anderem das konservative britische Parlamentsmitglied Simon Hoare ins Gespräch bringt. Trump müsse dort getroffen werden, wo es ihm wehtun würde: bei seinem Ego. Darauf könnten neben der politischen Dimension auch die Fans einen Einfluss haben. Um die zeigten sich einige Politikerinnen und Politiker mit Blick auf die Fußball-WM 2026 und die Aktivitäten der ICE-Behörde besorgt. Die Sicherheit der einreisenden Fans sei in diesem Kontext nicht garantiert. Auch die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ warnte bereits in diesem Zusammenhang.
Dazu kommt, dass für mehrere Länder, die an dem Fußballturnier teilnehmen, eigentlich Einreiseverbote in die USA gelten. Für die Mitglieder der jeweiligen Mannschaften wird zwar eine Ausnhame gemacht, das gilt jedoch nicht für die Fans. Zwar werden die Stadien sicherlich auch ohne diese anreisenden Fans gefüllt werden können. Dem Turnier würde aber auch viel von seiner Strahlkraft verloren gehen, vor allem, wenn auch europäische Fans in Massen ausbleiben sollten.
