Die „Tatort“-Augen: Hinter dem ikonischen Vorspann steckt eine bittere Geschichte

Sie sind Kult und laufen seit über 50 Jahren jeden Sonntag über die Bildschirme: Die blauen Augen im „Tatort“-Vorspann. Doch während Millionen Menschen diese Augen kennen, wissen viele weder, zu wem sie gehören, noch welche Geschichte dahinter steckt.
Die „Tatort“-Augen: Hinter dem ikonischen Vorspann steckt eine bittere Geschichte
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Erst schauen sie nach unten, dann nach rechts und schließlich direkt in die Kamera, bevor ein Fadenkreuz auftaucht – die Rede ist von den wohl berühmtesten Augen Deutschlands. Denn seit mehr als 50 Jahren eröffnen durchdringende blaue Augen den „Tatort“. Auch wer die Krimi-Serie nicht selbst aktiv schaut, dürfte den kultigen Vorspann und damit auch das beschriebene Augenpaar kennen.

Die erste Folge erschien im November 1970. Damals hätten wohl die wenigsten gedacht, dass die Serie zu einer der langlebigsten überhaupt werden könnte, die auch heute noch jeden Sonntagabend in der ARD läuft. Doch obwohl so viele die „Tatort“-Augen kennen, wissen die wenigsten, zu wem sie gehören und welche Geschichte dahintersteckt.

Nur 400 DM für einen legendären TV-Auftritt

Seit der Erstausstrahlung der allerersten „Tatort“-Folge hat sich der Vorspann nur in kaum wahrnehmbaren Details verändert, die vor allem zu Modernisierungszwecken durchgeführt wurden. Sound und auch Optik wurden hingegen genauso belassen, wie sie 1970 zum ersten Mal über die Bildschirme geflackert sind. Das gilt auch für die markanten blauen Augen, die zu dem damals 29-jährigen Horst Lettenmayer gehören.

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Der 1941 in Biberach an der Riß geborene Schauspieler ist damit die beständigste Komponente im „Tatort“. Neben seinen Augen sind auch seine Beine im Vorspann zu sehen, die über dunklen Boden rennen, der wie nasser Asphalt aussieht. Zudem ist er in der Rolle des Mordopfers Günther Broegger in der 1989 erschienenen „Tatort“-Folge „Der Pott“ zu sehen. Gedreht wurde der Vorspann damals am Flughafen München-Riem.

Wer nun allerdings glaubt, dass Horst Lettenmayer – wie etwa der kleine Junge aus „Titanic“ – noch bis zu seinem Tod im Jahr 2024 Geld dafür bekommen hat, dass er jede Woche im deutschen TV zu sehen ist, der irrt sich. Der Schauspieler erhielt damals eine einmalige Gage von 400 DM. Es hat damals im Jahr 1970 wohl nicht einmal einen richtigen Vertrag für den jungen Schauspieler gegeben, weshalb ihm danach keinerlei Tantiemen mehr zustanden.

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Horst Lettenmayer 2018 frontal von vorne. Die Augen des damals 29-Jährigen sind im Vorspann der Kult-Serie „Tatort“ zu sehen
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Wiederholter Ärger um den „Tatort“-Vorspann

Darüber äußerte sich Horst Lettenmayer einige Male recht enttäuscht. Im Gespräch mit der „Bild“ sagte er 2020: „Die ARD verhält sich bis heute schäbig. Das Gericht wollte mir kein Geld zubilligen, weil das Tausende andere auch auf den Plan gerufen hätte. Die wollten kein Präzedenzurteil.“ Damit ist Horst Lettenmayer im Übrigen nicht allein.

Das OLG München entschied im Jahr 2011 auch im Falle der Grafikdesignerin, die den „Tatort“-Vorspann entworfen hat, dass der zum Zeitpunkt des Urteils 75-Jährigen keine Nachvergütung zustehe. Auch ihr Name wird im Vorspann bis heute nicht erwähnt. Dagegen hatte die Künstlerin ursprünglich geklagt, da aufgrund der tausendfachen Ausstrahlung ihre damalige Vergütung von 2500 DM in keinem richtigen Verhältnis mehr stehe, wie damals unter anderem „DWDL“ berichtete.

Wie allerdings Horst Lettenmayers Tochter nach dessen Tod im Jahr 2024 dem zur ARD gehörenden NDR verriet, hatte er offenbar irgendwann seinen Frieden mit der Angelegenheit gemacht. Seine aktive Schauspielkarriere beendete Lettenmayer im Jahr 1979, danach wurde er als Unternehmer recht erfolgreich. Sein „Tatort“-Auftritt 1989 war eine Ausnahme und woh. ein Trostpflaster der ARD.