„Erster Skandalfilm der deutschen Filmgeschichte“: Dieser Titel führte zur Einführung der Zensur

Die Zensur wurde in Deutschland aufgrund eines kurzen Films eingeführt, der damals einen handfesten Skandal verursacht hat.
„Erster Skandalfilm der deutschen Filmgeschichte“: Dieser Titel führte zur Einführung der Zensur
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Als erster Film der Welt gilt der etwa zwei Sekunden lange Titel „Roundhay Garden Scene“ von Louis Le Prince aus dem Jahr 1888. Dafür nahm der französische Chemiker die Familie Whitley zusammen mit seinem Sohn Adolphe im Garten seiner Schwiegereltern in Roundhay auf. 1895 folgten die ersten öffentlichen Filmvorführen und in den folgenden Jahren feierte das Medium große Erfolge. Dabei war es aufgrund seiner Wirkungsmacht und als Kunstobjekt aber auch stets umstritten. In Deutschland führte ein für damalige Verhältnisse besonders skandalträchtiger Streifen sogar zur offiziellen Einführung der Zensur.

Darunter versteht man offiziell eine „von zuständiger, besonders staatlicher Stelle angeordnete Kontrolle, Überprüfung von Druckwerken, Filmen, Briefen o. Ä. im Hinblick auf Unerlaubtes oder Unerwünschtes.“ Was dabei zensurwürdig ist, ist unter anderem dem Zeitgeist unterworfen. Bei besagtem „Skandalfilm“ in Deutschland ging es ausgerechnet um eine Dokumentation. Diese dauerte nur etwa fünf Minuten und beschäftigte sich mit einem Kriminalfall, der wohl vor allem deshalb bis heute so bekannt ist, weil er im Jahr 1906 zur Einführung der Vorzensur führte.

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Der „erste Skandalfilm“ Deutschlands war eine 5-minütige Doku über einen

Der Streifen, um den es geht, trägt den etwas sperrigen Titel „Die Flucht und Verfolgung des Raubmörders Rudolf Hennig über die Dächer von Berlin“. Dabei verrät der Name im Prinzip alles Wesentliche, was man über die Dokumentation wissen muss. Die Handlung basiert auf der wahren Geschichte des Raubmörders Karl Rudolf Hennig. Dieser sorgte im Jahr 1905 für Schlagzeilen, als er sich eine spektakuläre Verfolgung mit der Polizei lieferte. Der Film beschäftigt sich unter anderem mit dem Versagen der Berliner Polizei in diesem Fall.

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Was nach heutigen Maßstäben ganz natürlich scheint, war damals ein absoluter Aufreger und brachte dem Streifen den inoffiziellen Titel als „erster Skandalfilm der deutschen Filmgeschichte“ ein. Nach Hennigs Verhaftung im Jahr 1906 erließ die Polizei ein Vorführungsverbot für die Produktion, da die Darstellung der Polizei darin als verunglimpfend empfunden wurde. Eine weitreichende Folge war zudem, dass Kinobetreibende ihr Programm vorab beim Berliner Polizeipräsidium einreichen mussten. Dieses konnte dann entscheiden, ob die Titel gezeigt werden durften oder nicht.

Diese Zensur hatte zwar zum einen deutschlandweit viele Nachahmer. Zum anderen trat aber teilweise der gegenteilige Effekt ein: Das Verbot verhalf einigen „Skandalfilmen“ zu noch größerer Aufmerksamkeit. Dieses Konzept machten sich einige Filmschaffende aktiv zunutze, um ihre Werke bekannter zu machen.

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