Netflix ist der unangefochtene Platzhirsch auf dem Streaming-Markt. Niemand hat so viele Abonnentinnen und Abonnenten und veröffentlicht so viele eigene Inhalte wie der Streaming-Dienst mit Sitz in Los Gatos, Kalifornien. Einer dieser selbstproduzierten Filme dominiert dabei seit Wochen die Charts. Die Rede ist von „The Rip“, einem Action-Thriller mit Matt Damon und Ben Affleck in den Hauptrollen. Die beiden haben zwar schon zahlreiche Filme zusammen gemacht, es war aber tatsächlich das erste Mal, dass sie in Action-Rollen gemeinsam vor der Kamera standen.
Das Ergebnis wird bislang durch sehr gute Abrufzahlen und ebenfalls gute Kritiken belohnt. Ganz zufrieden ist Superstar Matt Damon, der auch als Produzent an dem Projekt beteiligt war, mit dem Ergebnis aber offenbar trotzdem nicht. Grund dafür sind zum einen die strengen Vorgaben von Streaming-Riese Netflix, über die sich auch schon andere Filmemacher beschwert haben. Diese führt er aber zum anderen auf einen besorgniserregenden Trend beim Streamen solcher Filme und Serien zurück.

„Second Screen“-Inhalte geraten immer wieder in die Kritik
Im digitalen Zeitalter steht eine schier endlose Anzahl von Filmen und Serien jederzeit im Internet zur Verfügung. Im Gegensatz zu Zeiten von Kino und Fernsehen sind die Inhalte damit also ständig abrufbar. Das verändert die Sehgewohnheiten des Publikums langsam aber stetig – und zwar nicht zum Positiven, wie Matt Damon findet. So äußerte er im Podcast „The Joe Rogan Experience“ zwar wohl unbeabsichtigte, aber dennoch deutliche Kritik an Netflix und bestätigte zudem ein Gerücht, das seit Längerem existiert.
Dabei wird dem Streaming-Riesen vorgeworfen, seine Filme und Serien bewusst einfach zu halten, um das Publikum ja nicht zu sehr zu fordern. Das würde dazu führen, dass massenhaft Inhalte produziert würden, die ausschließlich dazu gedacht seien, beim abendlichen Scrollen auf dem Smartphone im Hintergrund zu laufen, anstatt ihr Publikum wirklich aktiv zu fesseln. Das Konzept nennt sich „Second Screen“-Content, da der Inhalt darauf ausgerichtet ist, noch Konkurrenz von einem anderen Bildschirm zu haben. Auch Kundinnen und Kunden von Netflix äußern dabei immer wieder, dass die Qualität der Filme und Serien auf der Plattform spürbar nachgelassen habe.

Matt Damon sieht „Kunst des Geschichtenerzählens“ durch Netflix in echter Gefahr
Matt Damon bestätigte das nun indirekt in Bezug auf seinen eigenen Film „The Rip“. Generell würde Netflix vieles machen, was dem grundlegenden Filmhandwerk widersprechen würde. Dazu erklärt Damon, dass man normalerweise in einem Actionfilm pro Akt (meistens gibt es drei) eine temporeiche Schlüsselsequenz habe, wobei die im dritten und finalen Akt die größte sei. Netflix habe jedoch gefordert: „Können wir in den ersten fünf Minuten einen richtigen Kracher landen? Wir wollen, dass die Leute bleiben.“ Zudem wurde wohl auch betont, dass es „nicht schlimm“ sei, wenn „man die Handlung drei oder vier Mal im Dialog wiederholen würde, weil die Leute während des Films auf ihre Handys schauen“.
Der Hollywoodstar zeigt sich angesichts dieser Entwicklungen besorgt: „Das wird die Kunst des Geschichtenerzählens ernsthaft beeinträchtigen.“ Matt Damons Kollege Ben Affleck pflichtet ihm bei und nennt etwa „Adolescence“ als positives Beispiel des Streaming-Dienstes, das aber auch deshalb so gut sei, weil Netflix dabei „nichts von diesem Scheiß gemacht“ habe.
