„Lost“: Das umstrittene Ende der beliebten Serie erklärt

Das Ende von „Lost“ ist bis heute der umstrittenste Teil der Kult-Serie. Tatsächlich ist die gängige Annahme über die Bedeutung des Finales allerdings falsch.
„Lost“: Das umstrittene Ende der beliebten Serie erklärt
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Kaum eine Serie hat die Branche und speziell die 2000er-Jahre so sehr geprägt wie „Lost“. Die Serie hat sogar den Ruf, eine der besten aller Zeiten zu sein – wäre da nicht das Ende, das als das vielleicht umstrittenste in der Seriengeschichte gilt, auch wenn darum noch andere bekannte Kandidaten wie „Game of Thrones“ oder „How I Met Your Mother“ konkurrieren.

Im Fall von „Lost“ hatten die Macher ursprünglich übrigens einen anderen Plan, der dann unter anderem aus Kostengründen vom produzierenden Sender ABC abgelehnt wurde. Das in der Serie zu sehende Ende stellt also bereits einen Kompromiss dar. Das könnte vielleicht erklären, warum vor allem die Erklärung für alles bisher Geschehene, die das Finale liefert, unter Fans als zu simpel galt. Denn am Ende wird offenbart, dass eigentlich alle Hauptfiguren bereits verstorben sind. Allerdings beruht diese Interpretation auf falschen Annahmen, wie die Macher in einem Interview klargestellt haben.

Szene aus der Serie „Lost“ mit den Hauptfiguren in einem Dschungel
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Das Ende von „Lost“ im Detail erklärt

Die finale Staffel von „Lost“ eröffnet die Möglichkeit paralleler Realitäten, die für viele Fans ohnehin schon verwirrend war. In der finalen Folge dann wird aufgelöst, dass sich die Hauptfiguren auf der Insel – allen voran Jack (Matthew Fox), Kate (Evangeline Lilly) und Sawyer (Josh Holloway) – in der „Realität“ befinden, die auch Haupthandlungsort der ganzen Serie ist, und dort gegen das Böse kämpfen. Darüber hinaus existiert noch eine Art zeitloser Parallelwelt, in der etwa der Flugzeugabsturz, mit dem die ganze Serie beginnt, überhaupt nicht stattgefunden hat.

Diese auch als „Flash-Sideways“ bezeichnete Parallelwelt haben die Figuren selbst erschaffen; es handelt sich um eine Art Zwischenwelt, die in vielen Aspekten allerdings auch an das ewige Fegefeuer erinnert. Das und die finale Szene, in der einige wichtige Figuren Hand in Hand zusammen ins Jenseits übertreten, hat zu der verbreiteten Theorie geführt, dass alle Passagierinnen und Passagiere des Fluges Oceanic 815 bi dem Absturz verstorben sind. Folglich sind alle mysteriösen Geschehnisse auf der Insel nicht real. Das stimmt allerdings nicht, wie die Showrunner Damon Lindelof und Carlton Cuse in einem Interview mit „Entertainment Weekly“ verraten haben.

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Zwar stimmt es, dass inzwischen alle Figuren, die dann ins Jenseits gehen, tot sind. Allerdings sind sie erst im Laufe der Handlung auf der Insel ums Leben gekommen. Folglich ist alles, was man in den ersten fünf Staffeln von „Lost“ sieht, innerhalb der Serienwelt real. Erst das Geschehen in Staffel 6 in der Parallelwelt ist dann Ergebnis der gemeinsam geschaffenen alternativen Wirklichkeit. Doch wofür diese komplizierte Erklärung?

Evangeline Lilly und Josh Holloway in der Serie „Lost“
IMAGO / Everett Collection

Eigentlich sollte das Ende von „Lost“ ganz anders aussehen

Die Insel fungiert in „Lost“ als eine Art Nadelöhr. Dabei wird die Insel stets wie ein eigener Charakter behandelt, deren wahrer Hintergrund nicht ganz klar ist. Offenbar geht es vor allem um das Licht im Zentrum, das in der Serie selbst als „physische Manifestation von Leben, Tod und Wiedergeburt“ beschrieben wird. Dieses Licht benötigt einen neuen Beschützer, der unter den Abgestürzten gesucht wird. Darauf sollen im Übrigen auch die Zahlen hinweisen, die im Laufe der Handlung immer wieder auftauchen: 4, 8, 15, 16, 23 und 42, wobei jede Zahl für eine andere Person steht. Final bestätigt ist diese Theorie allerdings nicht.

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Was hingegen bestätigt wurde, ist die Tatsache, dass das Finale eigentlich anders geplant war. Unter anderem wollten die Macher eigentlich, dass am Ende von „Lost“ der riesige Vulkan ausbricht, um zu betonen, dass die Insel eine eigene Figur ist. Der Kampf zwischen Jack und dem Mann in Schwarz sollte dabei eigentlich in einem Lavafeld stattfinden und nicht am Rande einer Klippe. Zudem war eigentlich geplant, dass „Lost“ nur aus drei Staffeln bestehen soll. Das hätte die Handlung deutlich gestrafft und symbolisch viel mehr aufgeladen, was den eigentlichen Punkt des Finales hätte betonen sollen.

Denn, wie unter anderem Hauptdarstellerin Evangeline Lilly in einem Interview verraten hat, in „Lost“ geht es vor allem darum, das Publikum zum Nachdenken anzuregen. Deshalb werden bewusst einige Fragen im Finale nicht eindeutig beantwortet.

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