Warum Disney-Figuren oft Handschuhe, aber keine Hosen tragen

Wer genau darauf achtet, kann vor allem in älteren Disney-Filmen zahlreiche Charaktere entdecken, die Handschuhe und Oberteile tragen, oft fehlen vor allem tierischen Figuren allerdings die Hosen. Woran liegt das?
Warum Disney-Figuren oft Handschuhe, aber keine Hosen tragen
Disney

Die Disney-Filme sind für ihre kunterbunten Welten bekannt, in denen man Tiere verstehen kann und jede Menge Magie zu finden ist. Kinder, also die primäre Zielgruppe, stellt das selten in Frage, genauso wie die Optik. Oder wer hat sich als Kind schon darüber gewundert, dass der Fuchs Robin Hood mit Pfeil und Bogen umgehen kann? Gleiches gilt wohl beispielhaft für die Optik einer der legendärsten Disney-Figuren aller Zeiten: Micky Maus.

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Die schwarze Maus mit hellem Gesicht hat offenbar riesige Füße – oder zumindest trägt sie sehr große Schuhe –, eine rote Latzhose und weiße Handschuhe. Ebendiese weißen Handschuhe findet man auch bei zahlreichen Freunden wie Goofy, Kater Karlo oder Minnie Maus. Und auch in anderen Filmen tauchen die Handschuhe auf, beispielsweise bei „Pinocchio“.

Gleichzeitig gibt es mit Winnie Puuh, Donald Duck oder auch Bernard und Bianca zahlreiche tierische Figuren, die wiederum keine Hosen tragen, dafür aber Oberteile. Hinter beiden Tatsachen – also den Handschuhen und den fehlenden Beinkleidern – stecken ähnliche Gründe.

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Es gibt 3 wesentliche Gründe für das Handschuh-Design

Der Hauptgrund liegt in einer durch Zeitgeschichte und Machart von Zeichentrickfilmen begründeten Designentscheidung. Grundsätzlich kann man aber von drei gestalterischen Gründen sprechen:

  • Der Kontrast in Schwarz-Weiß-Filmen
  • Zeit- und Kostenersparnis
  • Vermenschlichung der (vor allem tierischen) Figuren

Es handelt sich also keinesfalls um einen modischen Zufall, dass die Disney-Figuren über viele Jahrzehnte so designt wurden. Und auch in anderen Zeichentrickfilmen ist teilweise Ähnliches zu beobachten.

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Micky Maus trug als erstes Handschuhe

In den Anfängen der Zeichentrickgeschichte waren Cartoons schwarz-weiß. Die Umstellung zu Farb-Cartoons fand schleichend in den 1930er-Jahren statt. Der erste Vertreter dieser Art war Disneys Kurzfilm „Flowers and Trees“ (auf Deutsch „Bäume und Blumen“) aus dem Jahr 1932. Der erste abendfüllende Disney-Film in Farbe war dann übrigens „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ aus dem Jahr 1937.

Viele Figuren, darunter auch Micky Maus, wurden dabei größtenteils mit schwarzen Flächen gezeichnet, damit sie sich von den grauen und weißen Hintergründen abhoben. Daraus ergab sich allerdings das Problem, dass man die schwarzen Hände der Figur bei entsprechender Haltung vor ihrem schwarzen Körper nicht gesehen hätte. Die weißen Handschuhe der Figur boten den nötigen Kontrast, damit sich die Hände bei jeder Bewegung deutlich vom Körper abhoben.

Disneys Micky Maus in Schwarz-weiß ohne Handschuhe
Disney

Praktische Hintergründe prägten das Disney-Design

Dazu kam, dass die Handschuhe die Arbeit vereinfachten. Animation war in den 1920er- und 1930er-Jahren ein sehr arbeits- und zeitintensiver Prozess. Jedes Bild musste einzeln von Hand angefertigt werden. Der New Yorker Animationsprofessor John Canemaker erklärte dazu in einem Interview, dass Animatoren jede sich bietende Möglichkeit nutzten, um effizienter zu arbeiten.

Hände mit ihren vielen kleinen Gelenken, Knöcheln und Details sind anatomisch besonders schwer und aufwendig zu zeichnen. Ein runder, klobiger Handschuh – oft absichtlich vereinfacht – sparte bei Tausenden von Einzelzeichnungen enorm viel Zeit und reduzierte somit die Produktionskosten teilweise erheblich.

Eine ähnliche Argumentation gilt auch für Hosen. Der bekannte deutsche Donald-Duck-Zeichner Jan Gulbransson erklärte in einem Interview zum 85. Geburtstag von Donald Duck den ganz praktischen Grund, warum dieser zwar eine Jacke, aber keine Hosen trägt: Diese behindern die Animation. Beine, die laufen, rennen und springen, sind in der Bewegung ohnehin schon komplex. Wenn eine Figur eine Hose trägt, müssen die Animatorinnen und Animatoren bei jedem einzelnen Bild auf den korrekten Faltenwurf, Knickstellen in den Kniekehlen, Taschen oder Gürtel achten.

Disney-Figuren und ihre Handschuhe

Micky Maus trug erstmals 1929 im Kurzfilm „The Opry House“ seine ikonischen Handschuhe. Walt Disney selbst lieferte dafür später eine weitere Begründung. Dem Biografen Bob Thomas erklärte er, dass man vermeiden wollte, dass die Figur Maus-Hände hat – das hätte sie weniger menschlich wirken lassen. In späteren Werken des Studios ist das teilweise zu beobachten. So haben beispielsweise die Katzen in „Aristocats“ natürlicherweise Pfoten und auch beliebte Figuren wie der Waschbär Meeko in „Pocahontas“ hat seiner Natur angemessene Tatzen.

Das unterstreicht den tierischen Charakter dieser Figuren, während es bei Micky und Co. noch darum ging, sie möglichst menschlich wirken zu lassen. Bei Filmen wie „Küss den Frosch“ wurde hingegen ein interessanter Mittelweg gewählt. So hat Disney beim Design der Vorderfüße auf Schwimmhäute verzichtet, die Hinterfüße haben hingegen solche Häute zwischen den Zehen.

Ein gutes Beispiel für die Wirkung von Handschuhen in Disney-Filmen ist die Figur Pinocchio, die von einer lebendigen Holzpuppe in einen „richtigen Jungen“ verwandelt wird. Als Holzpuppe trägt Pinocchio ebenfalls weiße Handschuhe; seinen Puppen-Charakter erkennt man vor allem an seiner Nase und den Kniegelenken. Als Mensch fehlen die Handschuhe hingegen plötzlich, was sein Menschwerden unterstreicht.

Disneys Pinocchio links als richtiger Junge ohne Handschuhe, rechts als Holzpuppe mit Handschuhen
picture alliance

Identifikationspotenzial durch Kleidung

Die Handschuhe waren also ein frühes Mittel, um tierische Figuren menschlicher wirken zu lassen und so ein gewisses Identifikationspotenzial zu schaffen. Die im Prinzip gleiche Erklärung gibt es auch bei den Hosen. Die Oberteile sorgen für die Identifikation und schaffen zudem einen Wiedererkennungswert. Das vereinfacht es auch den Zeichnerinnen und Zeichnern, die verschiedenen Charaktere der tierischen Figuren herauszuarbeiten. Ohne ihre Kleidung könnte man Tick, Trick und Track nicht auseinanderhalten.

Gleichzeitig stört die fehlende Hose nicht, da die tierischen Disney-Figuren eben Tiere und keine Menschen sind. Tatsächlich führte das fehlende Kleidungsstück allerdings in den 1970er-Jahren zu einem zeitweiligen Bann der Donald-Duck-Comics aus öffentlichen Bibliotheken in Finnland. Damals störten sich Kritikerinnen und Kritiker allerdings auch an der Tatsache, dass die Ente mit Freundin Daisy sozusagen in „wilder Ehe“ lebt.