Kaum eine Versorgung kann so teuer werden wie die Behandlung beim Zahnarzt. Ob Kronen, Inlays, Schienen oder Veneers; es gibt zahlreiche Leistungen, die man bereits selbst bezahlen muss. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt manche Eingriffe nur anteilig oder schlimmstenfalls gar nicht.
Es kommt natürlich auf den individuellen Fall an, wenn es darum geht, die geeignete Behandlung zu finden. Bestimmte Zusatzversicherungen können außerdem Abhilfe schaffen. Trotzdem flattern oft weiterhin hohe Rechnungen in den Briefkasten. Doch das ist noch nicht genug, wenn es nach dem CDU-nahen Wirtschaftsrat geht. Die Verantwortlichen haben kürzlich vorgeschlagen, dass man den Besuch beim Zahnarzt künftig gänzlich selbst bezahlen, beziehungsweise privat absichern soll.

Wird die Behandlung beim Zahnarzt zur Privatleistung? Das fordert der CDU-Wirtschaftsrat
Doch diese Forderung stößt auf wenig Verständnis. Stattdessen kam es sogar zu empörten Reaktionen. "Hier erklärt eine Gruppe von Superprivilegierten anderen Leuten, auf was diese verzichten sollen", sagte beispielsweise der CDA-Vorsitzende Dennis Radtke. Der Wirtschaftsrat ist sich derweil sicher, dass sich Verschiedenes "generell gut privat absichern" ließe. Es solle künftig weniger Sozialversicherungsleistungen geben. "Ausdruck einer verantwortungsvollen Politik gegenüber Arbeitnehmern ist es auch, dafür zu sorgen, dass Sozialabgaben nicht immer weiter ansteigen und so immer weniger Netto vom Brutto bleibt."
Nach Merz-Kritik: Telefonische Krankschreibung könnte wieder abgeschafft werden
Politiker wie Ines Schwerdtner von den Linken erklärte, dass es sich bei dem Vorschlag um einen "Frontalangriff auf 90 Prozent der Menschen in diesem Land" handeln würde. Sie betonte, dass es verantwortungslos sei, wenn sich Menschen, die in Deutschland hart arbeiten, bald fragen müssen, ob sie eine Füllung beim Zahnarzt bezahlen oder „für ihre Kinder Mittagessen“ kaufen. Auch der Sozialverband Deutschland warnte eindringlich vor dem Vorschlag, denn es käme zu einer „Zwei-Klassen-Medizin“. „Die jüngsten Forderungen aus der Parteispitze lassen die Frage aufkommen: Was haben wir eigentlich für ein Bild von den Beschäftigten in Deutschland?“, betonte CDA-Chef Radtke gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“.
Zwar wird immer wieder gefordert, dass das Gesundheitssystem und auch die Krankenkassen entlastet werden müssen, doch es gilt als unwahrscheinlich, dass die jüngsten Ideen umgesetzt werden. Die Debatte zeigt jedoch erneut auf, dass man sich weiterhin uneins über das weitere Vorgehen ist. Der Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Wähler in den vergangenen Monaten mehrfach enttäuscht. In den Umfragen befindet sich die CDU teilweise knapp vor oder auch hinter der AfD.
