Was im Detail gute Manieren sind, liegt zum einen im Auge der betrachtenden Person. Zum anderen gibt es auch kulturelle Unterschiede. So gilt es etwa in einigen Ländern als unhöflich, Trinkgeld zu geben, in anderen ist es ein absolutes Muss. Und während es in einigen Kulturen gängig ist, bereits zur Begrüßung etwa über das Händeschütteln Körperkontakt herzustellen, gilt das in anderen als Affront. Es gibt dennoch einige Gepflogenheiten, auf die sich die meisten einigen können.
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Ein Land, das dabei vielen als besonders manierlich einfallen dürfte, ist Großbritannien, vor allem England. Unter anderem aufgrund einer langen Adelsgeschichte – immerhin handelt es sich um eines der wenigen Länder, das noch eine Königsfamilie hat – gibt es zahlreiche Etikette, die man mindestens bei offiziellen Anlässen beachten sollte. Die Regelungen sind vielen Britinnen und Briten aber auch darüber hinaus in Fleisch und Blut übergegangen, was man unter anderem an vielen sprachlichen Details bemerken kann. Deshalb dürfte es die eine oder den anderen überraschen, dass einem britischen Experten für Etikette und Manieren zufolge die Menschen in einem anderen Land objektiv gesehen sogar noch höflicher sind.

Für William Hanson geht es bei Manieren um Freundlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme
William Hanson ist ein bekannter britischer Etikette-Coach, Autor, Podcaster und Influencer. Der 1989 in Bristol geborene Hanson hat sogar ein eigenes Unternehmen namens „The English Manner“ und erklärt seinen inzwischen 4 Millionen Followerinnen und Followern schon seit Jahren die detailreiche britische Etikette. Im Gespräch mit „LADBible“ verriet der Experte, dass für ihn persönlich die Menschen in Japan aber sogar noch bessere Manieren haben als die in Großbritannien. „Es ist wirklich das einzige Land, das die Briten entspannt aussehen lässt“, fügt er hinzu.
Aber auch in Singapur seien die Menschen sehr höflich. Er persönlich findet es schade, dass kein westliches Land ganz vorn liegen würde. Dass Menschen in Japan so gute Manieren haben, sieht er vor allem durch die Kultur bedingt. Höflichkeit und Respekt seien dort ein wesentlicher Teil der Sprache und würden auch den sozialen Status widerspiegeln.
Eine schleichende Veränderung der Manieren nimmt der Experte vielerorts aufgrund von Social Media wahr. Etikette seien am Ende eine Art der Kommunikation, und darum gehe es im Kern ja auch bei Social Media, erklärt Hanson. Das sehe man seiner Ansicht nach vor allem in den Kommentarspalten und er fügt hinzu: „Nur, weil man etwas kommentieren kann, heißt das noch nicht, dass man es auch tun sollte.“ Wenn man etwas Sinnvolles zu sagen habe, solle man das tun, und dann schließt er mit dem britisch-höflichen Hinweis: „Sie müssen sich nicht verpflichtet fühlen [etwas zu sagen, Anm. d. Red.].“
