Streaming-Riese Netflix sah bereits wie der sichere Sieger im Bieterwettstreit um Warner Bros. aus. Es ging sogar schon eine Nachricht an alle Kundinnen und Kunden raus, um darüber zu informieren, dass das Abo künftig um einige Inhalte reicher werden könnte. Immerhin gehört zu Warner nicht nur das entsprechende Hollywood-Studio, sondern auch der renommierte und jetzt auch in Deutschland verfügbare Streaming-Dienst HBO Max. Dort laufen zahlreiche große Marken wie „Game of Thrones“ oder „Harry Potter“.
Für 83 Milliarden US-Dollar sollte der Deal besiegelt werden – Faktastisch berichtete. Dann ging Paramount allerdings doch noch einmal mit und überbot Netflix deutlich mit 111 Milliarden US-Dollar. Dieses Angebot gilt für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery; Netflix hätte nur Teile des Geschäfts gekauft und etwa die TV-Sender – allen voran CNN – ausgespart. Doch was bedeutet das jetzt genau für Streaming-Nutzerinnen und -Nutzer?

Warner-Übernahme wird den Streaming-Markt verändern
Im Detail wird sich das natürlich noch zeigen müssen. Allerdings bedeutet ein so großer Deal zweier Branchen-Riesen zwangsläufig Veränderungen auf dem Markt. Und diese könnten zunächst für Kundinnen und Kunden durchaus positiv sein. Seit Jahren gibt es Kritik an dem wachsenden Angebot an Streaming-Diensten. Reichten früher ein bis zwei Abonnements aus, um auf die meisten Inhalte zugreifen zu können, benötigt man dafür inzwischen eher fünf bis sechs Abos.
Mit der Übernahme von Warner durch Paramount könnte sich so gesehen aus den beiden separaten Diensten HBO Max und Paramount+ ein großes Angebotspaket formen. Das ist laut „The Hollywood Reporter“ auch der Plan von Paramount-CEO David Ellison, Sohn des Milliardärs Larry Ellison. Das gemeinsame Angebot der beiden, die zudem jeweils eigene Hollywood-Studios haben, könnte einiges an Durchschlagskraft besitzen.
Damit wäre ein künftiger „Mega-Streaming-Dienst“ im Serien-, vor allem aber im Film-Bereich bestens aufgestellt. Und auch das TV-Angebot wäre, vor allem mit Blick auf den heimischen US-Markt, sehr umfangreich. Zudem würde der Schritt 200 Millionen Abos für Paramount bringen. Auf der anderen Seite würde das bedeuten, dass ein Streaming-Dienst für Abonnentinnen und Abonnenten wegfiele.

Auch für Netflix-Nutzer hätte der Mega-Deal Folgen
Allerdings könnten Netflix-Nutzerinnen und -Nutzer hier langfristig das Nachsehen haben. Denn noch sind zahlreiche Warner-Titel wie „Barbie“ oder „Wonka“ im Programm. Das könnte sich nach der Übernahme ändern. Der Streaming-Riese müsste dann noch mehr auf Eigenmarken wie „Bridgerton“ oder „Wednesday“ setzen.
Dabei muss man einmal mehr betonen, was auch bereits für das Netflix-Angebot galt: Final ist die Übernahme noch nicht. Denn noch muss der Deal die Wettbewerbsprüfung bestehen. Zudem gibt es Kritik an dem Vorgang, unter anderem aus der Industrie selbst. So warnt etwa die US-Gewerkschaft der Autoren in der Film- und Fernsehindustrie, dass sich der Wettbewerbsverlust negativ auf die ganze Branche und damit am Ende auch auf die Verbraucherinnen und Verbraucher auswirken könnte.
Zusammen hätten Warner und Paramount im Film-Bereich eine Monopolstellung, die diverse Marktgesetze aushebeln könnte. Vor allem mit Blick auf die Medienlandschaft sehen das viele unabhängige Beobachter kritisch. Das liegt in erster Linie daran daran, dass Paramount-Chef Ellison der Trump-Regierung nahesteht. Deshalb befürchten viele, dass sich diese Nähe dann auch auf die kreativen Entscheidungen bei Warner, HBO (Max) und vor allem bei CNN auswirken könnte.
