Ursache für Hantavirus-Ausbruch: Behörde untersucht Theorie zu „Patient Null“

Nach mehreren Todesfällen durch das Hantavirus auf der MV Hondius rekonstruieren Behörden nun die Reise des mutmaßlichen ersten Patienten, um den Ursprung des Ausbruchs ausfindig zu machen.
Ursache für Hantavirus-Ausbruch: Behörde untersucht Theorie zu „Patient Null“
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Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius sind neue Details bekannt. Die Evakuierung der restlichen Passagiere vor der Küste Teneriffas soll am Montag abgeschlossen werden. Mittlerweile sind sechs Fälle und zwei Verdachtsfälle durch die WHO bestätigt worden, von denen drei tödlich endeten.

In der vergangenen Woche meldete die Weltgesundheitsorganisation, dass bei dem verstorbenen Niederländer das Andesvirus nachgewiesen wurde. Bei der Andes-Variante handelt es sich um einen Subtyp des Hantavirus. Dieser Stamm gilt als einziger innerhalb der Hanta-Familie, der auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann – allerdings nur bei engem Kontakt. Alle anderen Varianten werden ausschließlich durch Nagetiere an den Menschen weitergegeben. Zudem gilt der Andes-Subtyp als besonders gefährlich, da er das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom auslöst und eine Letalität von 25 bis 40 Prozent aufweist.

Die Passagiere der MV Hondius wurden von speziellen Flugzeugen auf Teneriffa evakuiert und sollen nun in ihre Heimatländer gebracht werden. Vor Ort stehen Tests, Untersuchungen im Krankenhaus und eine Quarantäne an. Die deutschen Passagiere gelten bisher als symptomfrei. Am Montag wurde bekannt, dass eine Französin auf dem Rückflug nach Paris Symptome entwickelt hatte. Ihr PCR-Test fiel positiv aus. Mittlerweile befindet sie sich im Krankenhaus, da sich ihr Zustand weiter verschlechtert hat.

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Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius, die vor Teneriffa angelegt hat
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Drei Tote nach Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius: Wo infizierte sich das niederländische Paar?

Derweil suchen die Behörden nach dem Ursprung des Ausbruchs und beschäftigen sich mit der Reise des niederländischen Paares, welches zuerst erkrankte und kurz darauf verstarb. Der niederländische Ornithologe Leo S. gilt als mutmaßlicher „Patient Null“. Gemeinsam mit seiner Frau verbrachte der 70-Jährige mehrere Monate in Südamerika. Die MV Hondius ist eher ein Expeditionsschiff als ein klassisches Kreuzfahrtschiff. Die Passagiere besuchten abgelegene Inseln und beobachteten Tiere in Argentinien. Leo und seine Frau waren aber bereits an zahlreichen Orten in Südamerika unterwegs, bevor sie sich am 1. April an Bord des Schiffes begaben. Sie bereisten Argentinien, Chile und Uruguay. Das Andesvirus ist in Südamerika heimisch, während es in Deutschland lediglich die Subtypen Puumala und Dobrava-Belgrad gibt. Im Gegensatz zum Andes-Typ verursachen sie in der Regel milde Symptome. Menschen infizieren sich durch Bisse von Nagetieren und eingeatmeten Stäuben, die mit Kot und Urin der Tiere belastet sind.

Alle Details: Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: Gefährlicher Andes-Typ nachgewiesen

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Die Behörden vermuteten, dass sich das niederländische Paar bei einem Ausflug auf eine Mülldeponie infiziert haben könnte. Dort kann man seltene Vogelarten beobachten. Doch mittlerweile wird diese Theorie angezweifelt, denn die ersten Symptome traten am 6. April auf und der Ausflug fand am 29. März statt. Da die Inkubationszeit in der Regel mindestens zwei Wochen beträgt, erklärte das Gesundheitsministerium der Provinz Tierra del Fuego, dass die Ansteckung schon vorher stattgefunden haben müsse. „Diese Zeiträume sprechen klar gegen eine Ansteckung in Tierra del Fuego“, sagte Juan Petrina, Direktor für Epidemiologie im Gesundheitsministerium der Provinz. Zudem wurden in den vergangenen 30 Jahren vor Ort keine Fälle des Hantavirus registriert.

Passagiere der MV Hondius werden mit einem Flugzeug evakuiert
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Angst vor Pandemie durch Hantavirus wächst: Behörden und Experten geben Entwarnung

Die Behörden müssen nun die Reiseroute des Paares rekonstruieren, um herauszufinden, wo die Ansteckung stattgefunden haben könnte. Das Virus ist beispielsweise in bestimmten Regionen Chiles weit verbreitet und wird durch die Langschwanz-Zwergreisratte übertragen. Zudem sind mehrere Passagiere von Bord der Hondius gegangen, bevor bekannt war, dass es sich um einen Ausbruch des Hantavirus handelt. Deshalb müssen nun auch die Kontaktpersonen ermittelt werden. Die Gesundheitsbehörden betonten jedoch, dass es sich nicht um ein Virus wie Corona handelt.

Die Gefahr für die Allgemeinbevölkerung wird laut ECDC als „sehr gering“ eingeschätzt, da ein enger Kontakt notwendig ist und die Betroffenen unter höchsten Hygienestandards betreut und unter Quarantäne gestellt werden. „Die gute Nachricht ist eigentlich, dass es kein Virus ist, das sich verbreitet“, erklärte der RKI-Chef Lars Schaade. „Bislang ist es auch gelungen, alle Personen, die vorher das Schiff verlassen hatten, ausfindig zu machen“, heißt es weiter. Aufgrund der langen Inkubationszeit von bis zu acht Wochen ist dennoch eine anschließende Quarantäne von sechs Wochen nötig. „Eine Pandemie droht nicht, weil die Übertragbarkeit des Virus dafür nicht ausreicht“, sagte auch der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Für die Betroffenen handelt es sich dennoch um eine gefährliche Infektion, die man lediglich symptomatisch behandeln kann.