Die Stadtbild-Aussage von Friedrich Merz hatte im vergangenen Jahr eine Debatte entfacht. Wie sicher fühlt man sich in der Öffentlichkeit in Deutschland? Der Kanzler sprach damals in der Diskussion rund um Sicherheit und Migration speziell Frauen an.
„Fragen Sie mal Ihre Töchter“, hieß es daraufhin. Doch was genau denken die „Töchter“ eigentlich? Im Jahr 2022 wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass Frauen im öffentlichen Raum häufiger Angst haben als Männer. Das BKA ermittelte damals, dass sich nur 33,3 Prozent der Studienteilnehmerinnen nachts im öffentlichen Personennahverkehr „sehr sicher“ oder „sicher“ fühlten.

Angst in der Nacht: Debatte über Sicherheit im öffentlichen Raum geht weiter
Ein neues Interview zeigt, dass sich die Menschen auch heute noch Sorgen machen, wenn sie allein ihr Haus verlassen. „Abends kann man sich als Frau kaum noch raus trauen“, erklärten mehrere junge Frauen im Rahmen einer Befragung durch die Axel-Springer-Journalistenschule. Das Interview bezog sich auf die Situation in der Bundeshauptstadt Berlin, fungiert allerdings nicht als repräsentative Umfrage. Auch junge Männer forderten „mehr Schutz“ für Jugendliche. Schon nach 18 Uhr würden sich einige Schüler in der Öffentlichkeit nicht mehr sicher fühlen und Angst haben, das Haus zu verlassen.
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Manche Berliner fahren sogar lieber Umwege mit dem Bus, anstatt im Dunkeln in die U-Bahn zu steigen. Als Ursache nannten die Befragten beispielsweise Belästigungen und Diskriminierung. Die Stadtbildaussage des vergangenen Jahres steht nicht mehr im Mittelpunkt, wenn es um die Sicherheit in Deutschland geht. Stattdessen findet die Debatte völlig unabhängig vom Herkunftsland statt. Mittlerweile gewinnen Angebote wie die Telefonhotline „Heimwegtelefon“ immer mehr an Bedeutung. Wer abends unterwegs ist und Angst hat, kann dort anrufen, bis er zu Hause angekommen ist. Ein Mitarbeiter der Hotline erklärte gegenüber der Zeit, dass es „ganz vielfältige Ursachen“ für die Unsicherheit im öffentlichen Raum gebe.
Junge Menschen fordern mehr Sicherheit in Berlin
„Wir haben das Gefühl, hier werden gerade verschiedene Punkte in der Debatte miteinander vermischt, die wahrscheinlich nur bedingt miteinander zu tun haben“, heißt es weiter. Er sagt, die Ängste der Bürger seien viel Älter als „die aktuelle Migrationsdebatte“. Bei einer Insa-Umfrage aus dem Jahr 2025 gaben 38 Prozent der Befragten an, dass sie Angst davor haben, Opfer einer Straftat zu werden. Es handelt sich um Sorgen, die Männer genauso betreffen. Die Zahl der Straftaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent gesunken. Allerdings zeigt der Blick ins Detail, dass die Gewaltkriminalität speziell zwischen 2021 und 2023 gestiegen war, was das Sicherheitsgefühl im Alltag direkt beeinflusst hat. Insbesondere Bürger, die in Großstädten wohnen, fordern die Politik zum Handeln auf, damit man sich auch am Abend wieder wohler fühlen kann.

