Extra-Maut für Urlauber: Schweiz plant neue Gebühr für Transitverkehr

Die Schweiz will gegen kilometerlange Staus und eine überlastete Infrastruktur vorgehen, indem sie eine neue Gebühr einführen möchte. Diese betrifft alle Urlauber, die das Land auf dem Weg Richtung Süden durchqueren.
Extra-Maut für Urlauber: Schweiz plant neue Gebühr für Transitverkehr
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Wer im Sommerurlaub mit dem Auto in südlichere Gefilde fahren möchte, muss dabei in vielen Fällen die Schweiz durchqueren oder umständlich umfahren. Das soll allerdings künftig teurer werden als bisher.

Denn zusätzlich zu der bereits existierenden Jahresvignette, die derzeit preislich bei 44,50 Euro liegt, sollen Urlauberinnen und Urlauber für die Fahrt durch das Alpenland bezahlen. Was bedeutet das im Detail?

Wer mit dem Auto nach Italien und Co. will, muss künftig mehr zahlen

Das Schweizer Parlament hat diesbezüglich eine neue Abgabe speziell für Transitreisende beschlossen. Die Gebühr betrifft also alle, die die Schweiz auf ihrem Weg in den Urlaub durchqueren und dabei entsprechend die Infrastruktur nutzen, ohne aber im Land zu übernachten.

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Die Gebühr soll pro Durchfahrt 21 Schweizer Franken betragen, das entspricht beim aktuellen Wechselkurs 22,95 Euro. Da die Abgabe pro Durchfahrt gilt, ergibt das mit Hin- und Rückfahrt also Zusatzkosten von 45,90 Euro für Reisende. Zu Stoßzeiten – also in den Sommer- und Osterferien – sollen die Preise zudem noch steigen.

Die Erfassung zur Bezahlung soll automatisch erfolgen. Geplant ist, dass sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise die Kennzeichen der Fahrzeuge durch Kameras registriert werden. Findet diese am selben Tag und entsprechend ohne Übernachtung statt, erfolgt dann planmäßig eine Zahlungsaufforderung.

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Stau am Gotthardtunnel auf dem Weg in die Schweiz
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Schweiz kämpft gegen hohe Zahlen beim Durchgangsverkehr

Das Vorhaben wurde vom Schweizer Nationalrat mit einer deutlichen Mehrheit von 173 zu 13 Stimmen beschlossen und auch in der Bevölkerung gibt es Rückhalt für das Vorhaben. Noch muss die Regierung allerdings einen detaillierten Plan ausarbeiten, für dessen Umsetzung möglicherweise eine Volksabstimmung nötig wird.

Das Alpenland leidet unter den hohen Verkehrszahlen, wobei 31 Prozent des Verkehrs über die Alpen auf Transitverkehr entfallen. Rund 90 Prozent davon sind wiederum auf Urlauberinnen und Urlauber zurückzuführen. An diesem Transitverkehr verdient die Nation entsprechend wenig, während die negativen Auswirkungen zu spüren sind. Laut offiziellen Angaben möchte die Schweiz mit der neuen Gebühr den Verkehr besser steuern und Staus vermeiden. Einige Expertinnen und Experten bezweifeln jedoch, dass die Abgabe tatsächlich gegen Stau helfen wird.

„Wer nach Italien oder Südfrankreich möchte, fährt weiterhin durch die Schweiz“, erklärt etwa Andreas Hölzel vom ADAC. Vielleicht übernachtet dadurch aber die eine oder andere Person dann doch auf der Durchfahrt. Zudem könnten die Einnahmen durch die Zusatzgebühr dazu genutzt werden, die Infrastruktur instand zu halten und auszubauen.

Auch andere Länder verlangen Gebühren

In anderen Ländern gibt es vergleichbare Systeme. So muss man etwa im Nachbarland Österreich, das ebenfalls Probleme mit Transitverkehr hat, neben einer Vignette an einigen Sondermautstreckenwie der die Brenner- oder Tauernautobahn eine zusätzliche Gebühr bezahlen. Andere beliebte Urlaubsländer wie Frankreich und Italien haben ebenfalls ein Mautsystem, um Reisende mit Autos an den Kosten für die Infrastruktur zu beteiligen.

In Deutschland sollte 2019 ein ähnliches System, wie es jetzt in der Schweiz geplant ist, eingeführt werden. Die geplante Maut wurde allerdings vom Europäischen Gerichtshof gekippt. Das lag daran, dass die Gebühr aufgrund einer Entlastung der Deutschen über die Kfz-Steuer nur Personen aus dem Ausland betroffen hätte, was gegen EU-Recht verstößt.

Da die Schweiz kein EU-Mitglied ist, gelten die rechtlichen Einschränkungen dort nicht in diesem Maße. Durch bilaterale Verträge wie das Landverkehrsabkommen könnte es allerdings dennoch rechtliche Hürden durch die EU geben.