Im Frühling duftet es häufig nach Gras und Blüten, der Sommer wird hingegen mit Blumenduft und dem Geruch nach Früchten assoziiert, wohingegen im Herbst erdige und holzige Noten dominieren. All diese Geruchseindrücke sind eng an die Natur und ihren natürlichen Zyklus gebunden. Doch wie sieht es im Winter aus? Neben klassischen Weihnachtsgewürzen kann man dann bei einem Spaziergang oft vor allem eine Geruchsnote erschnuppern, die sich hartnäckig festsetzt: Rauch. Egal, ob in der Stadt oder auf dem Land – der Geruch von Rauch, der mal schwer und mal weniger deutlich in der Luft hängt, ist oft omnipräsent.
Für die einen wird er damit zum (Geruchs-)Sinnbild des Winters, das sie genießen. Für einige riecht die Luft in den kalten Monaten damit grundsätzlich rauchig. Andere wiederum empfinden den Geruch eher als störend, zumal er sich hartnäckig in Haaren und Kleidung festsetzen kann. Aber woran liegt es überhaupt, dass es im Winter ständig nach Rauch riecht? Tatsächlich hat der dominante Rauchgeruch in der kalten Jahreszeit mehrere Ursachen, die effektiv zusammen spielen.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit wirken sich auf Geruchsempfinden aus
So sind etwa die allein in Deutschland mehr als 11 Millionen sogenannten Einzelraumfeuerungsanlagen relevant. Dazu gehören vor allem Kamin- und Kachelöfen, die bevorzugt im Winter bei niedrigen Temperaturen zum Einsatz kommen und dabei Rauch samt Geruch aus dem Schornstein blasen.
Dazu kommt der Einfluss von Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf die Geruchswahrnehmung. So ist bei hoher Luftfeuchtigkeit die Luft stärker mit Wasserdampf gesättigt, was die Ausbreitung von Geruchsmolekülen verlangsamt und begrenzt. Das hat zur Folge, dass Gerüche bei feuchten Bedingungen weniger intensiv wirken und dadurch generell schlechter wahrnehmbar sind. Umgekehrt bedeutet das, das sich Gerüche bei trockener Luft besser ausbreiten können. Aufgrund der Kälte ist die Luft im Winter trockener, was Gerüche teilweise optimal verbreitet.

Rauch spricht das menschliche Frühwarnsystem an
Zudem wirkt sich die Luftfeuchtigkeit auf die sogenannte sensorische Schwelle aus, die überschritten werden muss, damit eine Person einen Geruch wahrnimmt. Eine geringe Luftfeuchtigkeit bedeutet, das mehr Geruchsmoleküle in ihrer Gasphase verbleiben, was die Konzentration von Gerüchen generell steigert. Das bedeutet, dass Menschen den Duft von Rauch in trockener Luft auch einfacher beziehungsweise niedrigschwelliger wahrnehmen können.
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Zudem gibt es weniger geruchsintensive Konkurrenz aus der Natur und der im Winter oft prominent auftauchende Wind verbreitet Gerüche besser. Gleichzeitig hält die kalte, verdichtete Luft den Rauchgeruch länger in niedrigeren Luftschichten, wo man ihn riechen kann. Dazu kommt, dass Menschen ohnehin sensibel auf den Duft von Rauch reagieren; das ist Teil eines wichtigen sensorischen Warnsystems bei Feuer.
