Haben wir Pizza immer falsch gegessen? Pizzabäcker verrät, wie es richtig geht

Wenn es nach den Neapolitanern, immerhin den Erfindern der Pizza, geht, dann gibt es eine „richtige“ Art, Pizza zu essen – und viele „falsche“. Worauf sollte man achten?
Haben wir Pizza immer falsch gegessen? Pizzabäcker verrät, wie es richtig geht
iStock / KoriKobayashi

Pizza ist eines der bekanntesten und beliebtesten Gerichte auf der ganzen Welt. Dabei kann man in verschiedenen Regionen ganz eigene Varianten und Interpretationen probieren. Die ursprüngliche Form, die auch heute vielerorts gegessen wird, besteht allerdings aus einem einfachen Hefeteig, der mit Tomatensoße und Käse garniert im Ofen zubereitet wird. Diese weitverbreitete Variante stammt vermutlich aus Neapel, der drittgrößten Stadt Italiens. Die klassische „Pizza Napoletana liegt dabei in diversen Beliebtheits- und Bekanntheitsrankings ganz weit vorn.

Die meisten essen ihre Pizzen dabei auf eine bestimmte Art und Weise: Das runde Gericht wird in handliche Dreiecke geschnitten und anschließend in dieser Form zum Mund geführt. Teilweise geschieht das mit Besteck, oft allerdings auch einfach mit der Hand. Dabei kann man eigentlich nicht viel falsch machen – sollte man meinen. Denn in Neapel, quasi der Geburtsstadt der Pizza, isst man sie offenbar anders.

Frau isst glücklich lachend ein Stück Pizza
iStock / Olena Miroshnichenko

Schon in der Aeneis aus der Antike taucht die Pizza als Gericht auf

Das erklärt unter anderem Enzo Coccia, gebürtiger Neapolitaner und Pizzabäcker, der als erster „Pizzaiolo“ gilt, der im renommierten Guide Michelin erwähnt wurde. Wer nun allerdings an gehobene Restaurants denkt, in denen das beliebte Gericht nur in kleinen Häppchen mit der Gabel gegessen wird, denkt in die falsche Richtung. Laut Coccia isst man eine richtige Pizza am besten mit der Hand. Allerdings nicht als ganzes, dreieckiges Stück. Dann läuft man nämlich Gefahr, dass sich der Belag verselbstständigt und vom Boden heruntertropft.

Stattdessen setzt er auf eine Falttechnik, die aus seiner Heimatstadt Neapel kommt. Dabei wird der Boden zweimal oder sogar dreimal gefaltet, sodass man am Ende vier Lagen hat. Das funktioniert sowohl mit ganzen Pizzen, als auch mit einzelnen Stücken, wobei die Technik etwas differiert. Bei einem kompletten Boden klappt man den unteren Rand nach oben und schlägt das Ergebnis dann noch einmal um, sodass man am Ende ein Stück in der Größe eines Viertels hat. Bei einem bereits geschnittenen Stück klappt man die Spitze nach oben und faltet anschließend die beiden Seiten darüber.

„Pizza Napoletana“ gefaltet, so wie es in Neapel üblich ist
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Gibt es eine „richtige“ und eine „falsche“ Art, Pizza zu essen? Die Meinungen gehen auseinander

Die Technik kommt von der „Pizza a Portafoglio“. Portafoglio ist das italienische Wort für Geldbörse, weil die Falttechnik daran erinnert, wobei man übersetzt auch „Pizza im Briefumschlag“ sagen könnte. Das Vorgehen hat sich vor allem deshalb entwickelt, weil das Gericht schon immer auch ein beliebtes Streetfood war. Die Form ist allerdings nicht nur praktisch, um den Belag zu schonen. „Wenn man sie jetzt isst, isst man alle vier Lagen gleichzeitig. Man kann das Aroma des Teiges schmecken, das Olivenöl, den Mozzarella und den Käse“, erklärt Coccia.

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Am Ende bleibt es jedem selbst überlassen, wie er seine Pizza am liebsten essen möchte, zumal es neben „Napoletana“ inzwischen auch zahlreiche andere Varianten des Gerichts gibt. Die Falttechnik bezieht sich in erster Linie auf das Original aus Neapel, das einen recht dicken Rand hat und bei dem der Teig in der Mitte deutlich dünner ist und sich unter dem Belag biegt. Bei dickeren Varianten oder auch bei TK-Pizzen verhält sich der Teig grundsätzlich anders. Am Ende ist vor allem wichtig, dass es schmeckt.