Shitstorm zum Muttertag: Kindergarten streicht Brauch und löst Diskussion aus

Ein Kindergarten in Österreich sorgt für Schlagzeilen, weil er künftig auf einen beliebten Gedichtebrauch zum Mutter- und Vatertag verzichten möchte. Worum geht es?
Shitstorm zum Muttertag: Kindergarten streicht Brauch und löst Diskussion aus
iStock / Vladimir Vladimirov

Am zweiten Maiwochenende wird traditionell Muttertag gefeiert, der Vatertag fällt hingegen auf Christi Himmelfahrt. 2026 werden die beiden Tage am 10. und am 14. Mai begangen. Der Grundgedanke ist, die Rolle von Eltern zu ehren. In seiner modernen Form existiert der Muttertag dabei länger als der Vatertag und geht vor allem auf die USA zurück. Dennoch ist er inzwischen auch in den meisten europäischen Ländern inklusive eigener Bräuche fest verankert.

So ist es etwa in Österreich für Kinder gang und gäbe, vor allem zum Muttertag ein Gedicht auswendig zu lernen und den Müttern vorzutragen. Ein Kindergarten im oberösterreichischen Gallneukirchen möchte jetzt allerdings mit der Tradition brechen. Der Grund wird im Netz heftig diskutiert und sorgt in Teilen sogar für einen Shitstorm.

Worum geht es bei den Diskussionen um den Kindergarten genau?

Wie das Nachrichtenportal „heute.at“ berichtet, hat ein Kindergarten im Ort den Eltern der Kinder eine Mitteilung geschickt, um über die Abschaffung des Brauchs zu informieren. „Auf das Einüben klassischer Gedichte oder Lieder speziell für Mutter- oder Vatertag verzichten wir bewusst“, zitiert das Portal aus der Nachricht.

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Und weiter heißt es: „Uns ist bewusst, dass Kinder heute in ganz unterschiedlichen Familienformen aufwachsen. Klassische Rollenbilder rund um Mutter- und Vatertag spiegeln diese Vielfalt nicht immer wider und sind daher aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß für den Kindergartenalltag.“

Debatte um Kindergarten: Kind malt ein Bild mit der Aufschrift „Alles Gute zum Muttertag“
iStock / Evgeniia Gordeeva

Reaktionen auf Kindergarten-Maßnahme gehen weit auseinander

Diese Erklärung kommt nicht bei allen Eltern gut an. So zeigen sich etwa einige Mütter enttäuscht, dass der Brauch zum Muttertag entfällt, an dem es immerhin darum gehen sollte, die Mutterrolle zu ehren. Vor allem, da es im Ort keine Familien mit anderen Konstellationen geben würde, die sich von der Tradition angegriffen fühlen könnten, zeigen einige wenig Verständnis für die Maßnahme.

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Und auch mit Blick auf gleichgeschlechtliche Paare kommentiert etwa jemand auf Facebook: „Ich verstehe das Problem nicht. Wenn es zwei Mütter gibt, dann haben doch einfach beide Muttertag?“ Vor allem, dass es sich um einen christlichen Kindergarten der Caritas handelt, stößt in diesem Kontext auf Unverständnis. „Die Diözese hat sonst andere Probleme, aber jetzt das?“, wird eine Mutter aus dem Ort von den Medien zitiert.

Es gibt aber auch verständnisvolle Stimmen, die die Maßnahme im Sinne der Gesellschaftsentwicklung richtig finden. „Muttertag und die damit verbundene Wertschätzung sollten sowieso jeden Tag sein und nicht nur einmal im Jahr“, schreibt jemand auf Facebook.

Kindergärten stehen vor schwieriger Aufgabe

Edith Bürgler-Scheubmayr, Vorständin der Caritas Oberösterreich, nimmt die Kritik der Eltern durchaus ernst. Allerdings stärkt sie auch dem Kindergarten in seiner Entscheidung den Rücken: „In unseren Kindergärten orientieren wir uns an der Lebensrealität der Kinder – und die ist heute vielfältig. Rund um Mutter- und Vatertag gestalten wir unsere Angebote so, dass sich alle Kinder wiederfinden und den für sie wichtigen Bezugspersonen die entsprechende Wertschätzung zeigen können. Gedichte oder Lieder haben weiterhin ihren Platz.“

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In Deutschland gab es bereits ähnliche Diskussionen. So sorgte etwa im Jahr 2023 ein Kindergarten in Hessen für Aufsehen, der zum Muttertag explizit keine Geschenke bastelte. Die Argumentation lautete damals ähnlich wie im aktuellen Fall in Österreich. Zudem gibt es immer wieder Diskussionen darüber, ob der Feiertag, beziehungsweise unter Einbeziehung des Vatertages die Feiertage, überhaupt noch zeitgemäß sind.