Erdbeben in Baden-Württemberg: Wie wahrscheinlich sind weitere Beben in Deutschland?

Im Südwesten Deutschlands hat Sonntagnacht plötzlich die Erde gebebt, zahlreiche Menschen waren betroffen. Wie wahrscheinlich sind weitere Erdbeben in Deutschland?
Erdbeben in Baden-Württemberg: Wie wahrscheinlich sind weitere Beben in Deutschland?
iStock / vchal

Ein plötzliches Grollen aus dem Boden, während die Wände und Möbel anfangen, zu wackeln – so sprechen Betroffene aus dem Ortenaukreis über das Erdbeben, das gegen 23 Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag zu spüren war. Dabei handelt es sich um den nach Fläche größten Landkreis Baden-Württembergs, der direkt am Rhein und somit an der Grenze zu Frankreich liegt.

Dem Erdbebendienst zufolge lag das Epizentrum des Bebens in Kippenheim. Insgesamt wurde Berechnungen zufolge auf der sogenannten Richterskala eine Stärke von 2,4 erreicht. Diese Skala wurde bereits in den 1930er-Jahren eingeführt, um bessere Aussagen über Erdbeben und ihre Auswirkungen und Gefährlichkeit treffen zu können. Eine Stärke von 2,4 gilt dabei noch als moderat. Erst ab einer Stärke von 5 wird es der Aktion „Deutschland Hilft“ zufolge wirklich gefährlich. Ab dann können nämlich beispielsweise marode Gebäude in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ab einer gemessenen Stärke von 6 gilt ein Erdbeben als stark; die Zerstörung ist ab dann deutlich sichtbar und könnte besiedelte Gebiete verwüsten. Die bisher gemessenen stärksten Beben bewegten sich auf der Skala zwischen 9 und 10. Dabei gilt das Erdbeben von Chile im Jahr 1960 als das stärkste. Weitere Beben mit einer Stärke über 9 ereigneten sich in Kamtschatka (1952), Alaska (1957 und 1964), Indonesien (2004) und Japan (2011) – das letztgenannte führte zudem zur Atomkatastrophe von Fukushima. Doch wie sieht die Lage in Deutschland genau aus?

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Erdbebenkarte
Erdbebennews

Deutschland gilt nicht als gefährdetes Gebiet, hat aber mehrere Erdbebenzonen

Grundsätzlich gilt Deutschland im globalen Vergleich nicht als Risikogebiet für Erdbeben. So schreibt etwa die Wissensplattform Erde und Umwelt (ESKP) des Helmholtz-Gemeinschaft, dass Beben nördlich der Alpen „meist erheblich schwächer als im Mittelmeerraum oder im Pazifik“ ausfallen. Dennoch sollte man die Gefahren auch hierzulande nicht vernachlässigen. Dabei konzentriere sich die Gefahr auf bestimmte Gebiete, in denen durchaus ernstzunehmende Schäden verursacht werden könnten, da „sich in diesen Regionen hohe Sachwerte konzentrieren.“

Dazu gehören vor allem: Das Rheingebiet, die Schwäbischen Alb, Ostthüringen und Westsachsen mit dem Vogtländischen Schwarmbebengebiet. Baden-Württemberg gilt in diesem Zusammenhang als das seismisch aktivste deutsche Bundesland. So wurden im Jahr 2025 im dem südwestlichsten Bundesland insgesamt 14 Erdbeben gemessen, die spürbar waren. Entsprechend ist es auch der Bereich mit der größten „Zone 3“-Fläche auf der Erdbebenzonenkarte der Bundesregierung.

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Erdbebenzonen-Karte des BBK von Deutschland
BBK

Empfohlene Schutzmaßnahmen in erdbebengefährdeten Gebieten

Eine Gefahr durch Erdbeben besteht darin, dass sie nicht vorherzusagen sind. Historische Daten lassen lediglich ungefähre Einschätzungen zu, die etwa für Bauvorhaben wichtig sind. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) schreibt dazu: „Befindet sich das Zentrum des Erdbebens in geringer Tiefe, können oberirdisch über dem Zentrum erhebliche Schäden an Gebäuden auftreten“. Dabei komme es stark auf die Bauweise an. Zudem könne es zu Schäden an Gas-, Wasser- und Stromleitungen kommen.

Um möglichst sicher zu sein, empfiehlt das BBK, zum einen die Bausubstanz der Gebäude zu prüfen, in denen man wohnt. Zudem sollte man keine Möbel in Fluren und Treppenhäusern platzieren, die bei einem Beben umfallen und den Fluchtweg versperren könnten. Hohe Möbelstücke sollten zudem grundsätzlich an der Wand befestigt und schwere Gegenstände nicht in oberen Regalbereichen untergebracht werden.

Darüber hinaus sollte man entsprechendes Notfallgepäck bereithalten, Das empfiehlt die Bundesregierung ohnehin für diverse Notfälle. Zudem sollte man sich immer über mögliche Notausgänge und Fluchtwege informieren. Dann ist man auf einen eventuellen Evakuierungsfall gut vorbereitet.