Deutschland gilt als Land des Bieres, das durch eine lange Tradition mit dem alkoholischen Getränk verbunden ist. Doch auch hierzulande haben es Brauereien mitunter schwer, wie auch ein aktueller Fall zeigt. Denn wie jetzt bekannt wurde, zieht sich das schottische Craftbeer-Unternehmen BrewDog aus Deutschland zurück, wie zuerst die „Berliner Morgenpost“ (Artikel hinter Bezahlschranke) berichtete.
Offenbar muss die hiesige Tochter der Brauerei Insolvenz anmelden und alle Filialen hierzulande schließen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen bereits für Februar Insolvenzgeld bekommen; die Belegschaft wurde über die Schritte wohl per Mail von Unternehmensgründer James Watt informiert. Betroffene Einrichtungen wären mehrere Pubs und Bars sowie ein Biergarten und auch die Brauerei in Berlin-Mariendorf. Die Standorte in Wiesbaden und Hamburg wurden teilweise bereits im Vorfeld aufgegeben. Für Verbraucherinnen und Verbraucher könnte das in Zukunft bedeuten, dass die Biere des Herstellers nicht mehr so einfach zu bekommen sein könnten.

Brauereien in Deutschland haben seit einigen Jahren zu kämpfen
Generell sind die Brauerei-Zahlen hierzulande seit einiger Zeit rückläufig. Das geht unter anderem aus Statista-Daten und auch aus einer Mitteilung des Deutschen Brauer-Bundes hervor. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Corona, die Wirtschaft, aber auch ein verändertes Konsum-Bewusstsein vieler Deutscher führen seit geraumer Zeit zu sinkenden Zahlen beim Bierkonsum. In der „InvestmentWeek“ war sogar von einem „historischen Rückgang“ die Rede. Das ist auch in anderen Ländern zu beobachten.
Nur ein Segment verzeichnet ein Wachstum: alkoholfreie Biere. Auch das zeigt das veränderte Konsumverhalten vieler Menschen, die zunehmend auf ein Produkt setzen, das lange als Nischenprodukt für Autofahrerinnen und -fahrer galt. Speziell im Craftbeer-Bereich kommt Biersommelier und Journalist Martin Rolshausen zufolge dazu, dass sich die Brauereien auf dem deutschen Markt gegen traditionelle Marken und eine seit Jahrhunderten gewachsene Bierkultur durchsetzen müssten.

BrewDog wird von US-Konzern Tilray Brands übernommen
Dieser schwierigen Gemengelage musste jetzt offenbar auch BrewDog Tribut zollen. Der Anbieter betreibt sein Deutschland-Geschäft seit 2016, wobei der Schwerpunkt in Berlin lag. Nun soll zunächst ein Insolvenzverwalter das Verfahren begleiten. Angeblich liefen auch bereits Investoren-Gespräche für das Deutschland-Geschäft, die sich allerdings aufgrund der inzwischen bestätigten Übernahme des Mutterkonzerns durch das US-amerikanische Unternehmen Tilray Brands erledigt haben dürften.
In den bisher veröffentlichten Informationen über den Deal ist nämlich das Deutschland-Geschäft nicht aufgeführt. Offenbar hat Tilray Brands das Unternehmen für 33 Millionen Pfund bekommen – ein Schnäppchenpreis. Zum Höhepunkt des Erfolgs von BrewDog wurde das Unternehmen mit einer Milliarde Pfund bewertet.
