Antarktis: Forscher entdecken Staub aus einer Supernova im Eis

300 Kilogramm Eis aus der Antarktis lieferten einen beeindruckenden Hinweis. Das Sonnensystem befindet sich inmitten einer interstellaren Wolke aus Staub, der von einer Supernova stammt. Wissenschaftler aus Dresden erklären, wie sie die Spuren der kosmischen Explosion entdeckten und was sie über die letzten Jahre verraten.
Antarktis: Forscher entdecken Staub aus einer Supernova im Eis
NASA Images/Shutterstock

Im Eis der Antarktis haben Forscher kürzlich eine beeindruckende Entdeckung gemacht. Sie stießen auf Staub aus dem Weltall und konnten belegen, dass die Erde und das Sonnensystem aktuell die Überreste einer Supernova durchqueren. Genau genommen handelt es sich um eine sogenannte interstellare Wolke.

Die Forscher konnten den Staub der ehemaligen Sternexplosion im Eis der Antarktis nachweisen. Die Dresdner Wissenschaftler Dominik Koll, Anton Wallner und ihr Team erklärten, dass sie im Eis auf Eisen-60 gestoßen sind. Dabei handelt es sich um ein Isotop des Metalls, das die besagten Rückschlüsse zulässt. Es entsteht bei einer Supernova und ist radioaktiv. Eine natürliche Quelle auf der Erde gibt es für dieses Isotop nicht. Die Forscher rekonstruierten das Vorkommen in den letzten Jahren.

Ein Eisberg in der Antarktis
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Aus einer Supernova: Deutsche Forscher finden Eisen-60 im Eis der Antarktis

Die Erde wurde bereits vor 1,5 und 2,3 Millionen Jahren von Staub, in dem sich Eisen-60 befand, getroffen. Doch im jüngeren Eis sind die Dresdner Forscher nun ebenfalls auf die Atome gestoßen. „Unsere Idee war, dass die lokale interstellare Wolke Eisen-60 enthält und über längere Zeiträume bis heute speichern kann. Während das Sonnensystem die Wolke durchquert, könnte die Erde dieses Material aufnehmen“, erklärte Koll. Allerdings fehlte den Wissenschaftlern der Beweis.

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Nun könnte es sich jedoch um den entscheidenden Hinweis handeln. Für ihre Untersuchung brachten sie 300 Kilogramm Eis vom AWI in Bremerhaven nach Dresden. Es wurde der Eisen-60-Gehalt in der Probe mit dem Vorkommen in früheren Tiefseeproben und auch Schneeproben, die jünger sind als 20 Jahre, verglichen. Dabei stellten die Forscher fest, dass vor 40.000 bis 80.000 Jahren weniger Eisen-60 die Erde erreichte als heute und in den vergangenen Jahren. „Das deutet darauf hin, dass wir uns zuvor in einem Medium mit weniger Eisen-60 befanden oder dass die Wolke selbst starke Dichteunterschiede aufweist“, erklärt Koll weiter.

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„Auf den Grund gehen“: Wolke um das Sonnensystem soll weiter untersucht werden

Aktuell befindet sich die Erde in einer interstellaren Wolke. Das Sonnensystem trat vor mehreren Zehntausend Jahren in diesen Staub ein. „Das bedeutet, dass die Wolken um das Sonnensystem herum mit einer Sternexplosion zusammenhängen. Und das gibt uns das erste Mal die Möglichkeit, dem Ursprung dieser Wolken auf den Grund zu gehen“, berichten die Wissenschaftler weiter. Das Team will nun einen noch älteren Bohrkern analysieren. Es kommt die neueste Technik zum Einsatz, die es erlaubt, „die eindeutige Signatur Jahrmillionen zurückliegender kosmischer Explosionen auch heute noch in geologischen Archiven“ nachweisen zu können.