In der Silvesternacht kam es zu einer verheerenden Brandkatastrophe in der Schweiz. Im Skiort Crans-Montana im Wallis sind mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen, weitere 100 wurden verletzt – teilweise schwer. Sie kämpfen immer noch im Krankenhaus um ihr Leben.
Es waren hauptsächlich junge Menschen unter 20, die zur Neujahrsparty die Bar „Le Constellation“ besuchten. Um 1:30 Uhr am 1. Januar brach schließlich das Feuer aus, welches ersten Informationen zufolge zu einem Flashover sowie zu einer Explosion führte. Was genau die Explosion auslöste, ist bisher aber noch unklar. Am vergangenen Nachmittag meldeten sich erste Augenzeugen zu Wort.

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Zwei Freundinnen, die in der Nacht der Tragödie in der Bar feierten, erklärten gegenüber der Presse, dass Wunderkerzen auf Champagnerflaschen den Brand verursacht haben. Diese Aussage wurde nun von Fotos bestätigt. „Eine Frau saß auf den Schultern einer anderen Dame. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen“, erklärte die Betroffene. Durch diese Aktion entzündete sich die offenbar mit Schaumstoff ausgekleidete Decke. Sie sollte der Schalldämmung im „Le Constellation“ dienen. „Es wird geprüft, ob eine strafrechtliche Verfolgung wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wird“, sagte die Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud am Freitagnachmittag.
„Wir gehen davon aus, dass das Feuer von Wunderkerzen ausgegangen ist, die an Champagnerflaschen montiert waren (…) Unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen und das zu einer Explosion geführt hat“, heißt es weiter. Es müsse noch untersucht werden, ob der Schaumstoff zur Ausbreitung beigetragen hat und ob er zugelassen sei. Von vorherigen Spekulationen sei abzusehen. Zudem müsse die Hauptthese noch offiziell bestätigt werden.
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Auch Videos der Katastrophe in Crans-Montana wurden veröffentlicht. Sie zeigen, wie die Decke brennt und sich das Material löst und zu Boden tropft. Deshalb befinden sich die Verbrennungen der meisten Opfer am Kopf, im Gesicht und auf dem Oberkörper. Einige Passanten versuchten die Barbesucher zu befreien. Sie quetschten sich verzweifelt durch die Tür des Wintergartens. Doch der Ausgang wurde durch die Menschenmenge blockiert. Erste Helfer schlugen deshalb ein Fenster ein. „Es war schlimm. Sie waren alle verbrannt. Die Kleider waren ihnen weggebrannt. Es sah wirklich nicht schön aus. Die Schreie…“, berichtet der 19-jährige Skilehrer Tim Steffens, der sich vor der Bar befand.

So sah die Bar „Le Constellation“ vor dem Feuer aus
Ein Helfer suchte einen Notausgang, doch dieser soll versperrt gewesen sein. Der 55-jährige Paolo schaffte es dennoch gemeinsam mit anderen Helfern, 20 Menschen zu retten. Doch die meisten Gäste drängten sich über eine Treppe in Richtung Ausgang. Wie viele Menschen an dem besagten Abend in der Bar waren, ob es Feuerlöscher gab und ob die Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Schaumstoff brennt je nach Zusammensetzung besonders schnell. So kann sich Feuer schlagartig ausbreiten. Hinzu kommen in einem solchen Fall giftige Dämpfe, die eine Vergiftung auslösen. Es handelt sich um eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Schweiz.
Die Bar gehört einem Ehepaar, das aus Frankreich stammt. Sie seien aufstrebende Geschäftsleute vor Ort gewesen und betreiben zwei weitere Lokale. Während der Mann am Abend des Feuers nicht anwesend war, hat sich die Frau Brandverletzungen am Arm zugezogen. Ein Statement der Besitzer steht noch aus. „Das Innenministerium unternimmt alles, um die Umstände rund um das Drama genauestens zu beleuchten“, versprach Pilloud in einer Pressekonferenz am Freitag. Die Verletzten befinden sich nicht nur in den Krankenhäusern in der Schweiz. Auch mehrere Nachbarländer kümmern sich um die Betroffenen, die aktuell noch nicht alle identifiziert werden konnten.
