Laut Studie zählt jede Stunde: Sitzen kann das Krebsrisiko erhöhen

Sätze wie „Sitzen ist das neue Rauchen“ kennt jeder. Nun hat eine neue Studie herausgefunden, dass es zudem einen Zusammenhang mit dem Risiko einer Krebserkrankung gibt.
Laut Studie zählt jede Stunde: Sitzen kann das Krebsrisiko erhöhen
iStock / Devrimb

Durch langes Sitzen wird der Stoffwechsel verlangsamt und der Körper schlechter durchblutet; beides hat weitreichende Auswirkungen im Körper. So wird beispielsweise das Thromboserisiko erhöht, Gefäßschäden gefördert, die Wirbelsäule einseitig belastet, die Muskeln vernachlässigt und das Gehirn schlechter mit Sauerstoff versorgt, was unter anderem die Gedächtnisleistung verringert, wie die AOK erklärt.

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Nun hat eine große Studie zudem herausgefunden, dass auch das Krebsrisiko durch Sitzen steigt. Dabei spielt vor allem eine Rolle, wie lange man in einer entsprechenden Position verharrt. Schon eine Stunde mehr oder weniger kann dabei einen großen Unterschied machen. Dafür haben die Forscherinnen und Forscher gezielt längere Sitzphasen betrachtet, die ab einer Sitzdauer von mindestens 30 Minuten gelten, die zu 90 Prozent in einer sitzenden Position verbracht wurden. Die Ergebnisse sind eindeutig.

So wurde die Studie durchgeführt

Für die Studie, die im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlicht wurde, wurden Daten von 91.292 Personen ausgewertet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren im Schnitt 56 Jahre alt und ein etwas größerer Teil (56 Prozent) war weiblich. Um den typischen Bewegungsumfang der Personen zu ermitteln, trugen diese jeweils über einen Zeitraum von sieben Tagen ununterbrochen einen Bewegungssensor am Handgelenk.

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Anschließend untersuchte das Team, ob es einen Zusammenhang zwischen den Sitzgewohnheiten der Probandinnen und Probanden sowie späteren Krebserkrankungen und auch mit durch Krebs verursachten Todesfällen gab. Hauptaugenmerk lag dabei auf Krebserkrankungen, die in Verbindung mit Typ-2-Diabetes oder Adipositas stehen. Das betrifft beispielsweise Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, aber auch noch einige andere Arten. Darüber hinaus wurden aber auch zahlreiche andere Krebsarten betrachtet.

Abgedeckt wurde dabei ein Zeitraum von mehreren Jahren; eine Hälfte der Personen wurde länger als 12,38 Jahre begleitet, die andere Hälfte kürzer. Bei der Auswertung berücksichtigten die Expertinnen und Experten zudem andere beeinflussende Faktoren wie die Ernährung, Alkohol- und Tabakkonsum, Alter, aber auch soziale Komponenten.

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Menschen sitzen und arbeiten in einem Büro
iStock / stockbusters

Sitzen erhöht das Krebsrisiko, moderate Bewegung senkt es

Innerhalb der Beobachtungszeit wurden 12.392 neue Krebserkrankungen beobachtet, 1.726 der 91.292 Personen starben am Ende an ihrer Erkrankung. Bei der Auswertung der Daten dieser Personen zeigte sich ein klarer Zusammenhang mit längeren Sitzphasen im Alltag. Bemerkenswert: Mit jeder zusätzlichen Stunde, die pro Tag mit längerem Sitzen verbracht wurde, stieg die Wahrscheinlichkeit einer tödlichen Krebserkrankung um neun Prozent an – zumindest rein statistisch gesehen. Auch das generelle Risiko einer Krebserkrankung lag deutlich höher.

Dabei zeigte sich, dass die gesamte Sitzdauer weniger entscheidend war als die Zeit, die die Probandinnen und Probanden am Stück im Sitzen verbrachten. Wurde das Sitzen hingegen regelmäßig durch Bewegung unterbrochen, sank sowohl das Risiko einer generellen Krebserkrankung als auch einer tödlichen.

Noch deutlicher ist dieser Effekt, wenn die Bewegung nicht nur eine kurze Unterbrechung darstellt, sondern das Sitzen ersetzt. Bereits eine Stunde mehr Bewegung konnte das statistische Risiko einer tödlichen Krebserkrankung um zwölf Prozent senken. Dazu genügte bereits eine leichte und alltägliche Aktivität wie langsames Gehen.

Einordnung der Studienergebnisse: Was bedeutet das für den Alltag?

Grundsätzlich kann man festhalten, dass angemessene Bewegung statt Sitzen in nahezu jedem Szenario Vorteile bietet. Die Studie legt nun nahe, dass ein statistischer Zusammenhang zwischen übermäßigem und vor allem langem und ununterbrochenen Sitzen existiert, der Krebserkrankungen begünstigen kann. Aus den Ergebnissen lässt sich jedoch kein individuelles Risiko ableiten. Genauso wenig beweist die Studie, dass regelmäßige Bewegung zwischen Sitzperioden vor Krebs schützen kann.

Ergänzend muss zudem erwähnt werden, dass die Daten aus der UK Biobank stammen und deshalb in ihrer Gesamtheit nicht repräsentativ sind. Da es sich um die Daten von Freiwilligen handelt, verfälscht das das Gesamtbild ein wenig, zumal sich im Schnitt eher gesündere Menschen freiwillig zu solchen Studien melden.

Dennoch ist der beschriebene Zusammenhang zwischen längerem Sitzen und Krebserkrankungen interessant, da sich das außerdem mit den Ergebnissen vorheriger Untersuchungen deckt. Man kann in jedem Fall festhalten, dass es nicht schadet, wenn man längere Sitzphasen ab und an unterbricht, um den Körper zumindest moderat zu bewegen.