Der Begriff Neurodivergenz beschreibt Personen, deren sogenannte neurokognitive Funktionen von der gesellschaftlichen Norm abweichen. Das betrifft in erster Linie, wie diese Menschen Dinge wahrnehmen und verarbeiten. Eine bekannte Form der Neurodivergenz ist beispielsweise Autismus; aktuelle Zahlen belegen, dass von einer Autismus-Spektrum-Störung etwa ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen ist. Lange Zeit wurden solche Personen stigmatisiert. Vor allem in den vergangenen Jahren lässt sich diesbezüglich aber ein Umdenken beobachten.
So fasst der Begriff der Neurodiversität inzwischen auf positive Weise die natürliche Vielfalt des menschlichen Gehirns und es ist zunehmend gesellschaftlich anerkannt, dass neurodivergente Personen andere Bedürfnisse an ihr unmittelbares Umfeld haben. Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, wurde in Adelaide, Australien, ein neues Projekt vorgestellt: der „Sensory Bus“. Dieser soll etwa bei Großveranstaltungen ein Rückzugsort für neurodivergente Personen sein.
Regierung von South Australia ist stolz auf den „Sensory Bus“
Dafür wurde ein ausgemusterter Linienbus komplett umgebaut. Das gewinnt auch insofern an Bedeutung, als dass vor allem öffentliche Verkehrsmittel normalerweise den Ruf haben, für neurodivergente Personen aufgrund der Reizüberflutung sehr anstrengend zu sein. Der „Sensory Bus“ versucht nun, genau das nicht zu sein. Statt auf grelle Farben und Effizienz wird auf gedämpftes Licht und weiche Materialien gesetzt. Der Bus soll beispielsweise bei Festivals zum Einsatz kommen, um auch die Bedürfnisse verschiedener Personen des neurodiversen Spektrums abdecken zu können.
Offenbar wurde der „Sensory Bus“ bereits beim OzAsia Festival zur Verfügung gestellt und ist auch bereits für weitere Events verplant. Die äußere Gestaltung wurde dabei von autistischen Künstlerinnen und Künstlern übernommen. Gänzlich neu ist die Idee übrigens nicht.
„Sensory Bus“ soll reizarme Umgebung für neurodivergente Menschen bieten
So wurde bereits 2022 in Colorado ein „Sensory Bus“ vom Autism Community Store designt, in dessen Inneren alles darauf ausgelegt ist, neurodivergente Personen zu beruhigen. Dafür wurde auf verschiedene wissenschaftlich belegte Konzepte zurückgegriffen; es gibt beispielsweise viele natürliche Elemente und Aromatherapie in dem Fahrzeug. Über eine zentrale Steuerung können die Personen zudem die Farbe für die Beleuchtung auswählen, die für sie persönlich gerade beruhigend wirkt.
Der „Sensory Bus“ in Australien ist größer und ein wenig anders aufgebaut, verfolgt aber denselben Ansatz. Insgesamt sollen Großveranstaltungen so barrierefreier werden, indem neurodivergenten Personen ein sensorisch beruhigender und freundlicher Raum zur Verfügung gestellt wird, damit sie ebenfalls an entsprechenden Events teilnehmen können.