Muckefuck: Altes Kult-Getränk feiert Comeback

„Mocca faux“ – falscher Kaffee. Was früher aus der Not heraus getrunken wurde, ist heute eine bewusste Wahl. Was steckt hinter dem Comebach von Muckefuck?
Muckefuck: Altes Kult-Getränk feiert Comeback
iStock / Thai Liang Lim

Aktuell ist die Nachfrage nach einem Produkt zurückgekehrt, von dem die meisten dachten, dass sie sich für immer davon verabschiedet hätten: Muckefuck. Wem der ulkig anmutende Begriff nichts sagt: Dabei handelt es sich um ein Kaffeeersatzprodukt, das früher vor allem dann getrunken wurde, wenn es finanziell ein bisschen eng wurde.

Denn im Gegensatz zu teuren Kaffeebohnen sind die Grundkomponenten von Muckefuck sehr günstig. In der Regel bilden Getreidesorten wie Gerste oder Roggen und die Pflanze Zichorie die Basis des Getränks. Das sorgt für einen ähnlichen Geschmack und auch für eine ähnliche Optik wie bei Kaffee.

Wie das Portal Ökolandbau, ein Informations­angebot der Bundes­anstalt für Land­wirt­schaft und Ernährung, vermeldet, steigt aktuell die Nachfrage nach Kaffeeersatz. Auch die Stiftung Warentest bestätigt den Trend. Doch woran liegt das genau?

Anzeige

Nachfrage nach Kaffeeersatzprodukten steigt

Das Wort Muckefuck leitet sich vermutlich vom Französischen ab und ist eine eingedeutschte Variante von „Mocca faux“, was übersetzt „falscher Kaffee“ bedeutet. Alternativ könnte es sich auch vom rheinischen „Mucke“ und „fuck“ ableiten, was Begriffe für „Holzmulm“ und „faul“ sind. Da das Getränk koffeinfrei ist, wird es mitunter auch als Kinderkaffee bezeichnet, teilweise ist auch von Malzkaffee die Rede.

Der Stiftung Warentest zufolge verzeichnen namhafte Anbieter wie Nestlé (mit den Marken Caro und Linde's Kornkaffee), Röstfein (Im Nu), Wertform (Mount Hagen), aber auch Alnatura und dm mit ihren jeweiligen Eigenmarken eine spürbar steigende Nachfrage. Die Gründe liegen vermutlich in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Aber auch Umwelt- und ein Gesundheitsbewusstsein sowie ein gewisses Nostalgie-Gefühl könnten eine Rolle spielen.

Anzeige
Muckefuck: Mehrere Packungen Caro Kaffee im Supermarkt
picture alliance

Muckefuck ist deutlich günstiger als Kaffee

Ein wesentlicher Faktor beim Muckefuck-Comeback ist höchstwahrscheinlich der Preis. Dieser beträgt pro Kilogramm nur etwa halb so viel wie bei Kaffee, dessen Preise in den vergangenen Jahren nur eine Richtung kannten, und zwar steil nach oben. Auch im Vergleich mit Filterkaffee schneidet Muckefuck besser ab.

Dass die Produkte so viel günstiger als echter Kaffee sind, liegt vor allem daran, dass die Rohstoffe deutlich kürzere Wege zurücklegen können, da alle in großen Mengen in Europa angebaut werden. Darüber hinaus waren der Klimawandel und eine steigende globale Nachfrage zuletzt wesentliche Preistreiber beim Kaffee. Beides ist bei den Muckefuck-Komponenten deutlich weniger oder überhaupt kein Faktor.

Menschen konsumieren bewusster

Dazu kommt, dass der Sektor der koffeinfreien Getränke grundsätzlich ein starkes Wachstum erfährt. Das liegt daran, dass immer mehr Menschen um die negativen Auswirkungen von Koffein wissen und sich viele ganz grundsätzlich gesünder und bewusster ernähren.

Denn schon in geringen Mengen kann Koffein unter anderem Herzrasen und Magenbeschwerden verursachen. Zudem werden Schlafstörungen dadurch begünstigt, die wiederum zahlreiche weitere negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.

Muckefuck und alles, was dazu gehört, gelten somit allgemein als klimafreundliche und gesündere Alternative zu Kaffee. Wie weit die wiederentdeckte Liebe zu den Getränken reicht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.