„Happy Heart Syndrom“: Frau landet wegen Glücklichseins im Krankenhaus

Brustschmerzen und Atemnot nach einem freudigen Ereignis? Was zunächst wie ein klassischer Herzinfarkt klingt, hat sich bei einer 65-Jährigen als „Happy Heart Syndrom“ entpuppt.
„Happy Heart Syndrom“: Frau landet wegen Glücklichseins im Krankenhaus
iStock / yucelyilmaz

Einige kennen vielleicht das sogenannte „Broken Heart Syndrom“. Dabei handelt es sich um eine akute Funktionsstörung des Herzmuskels. Der Name leitet sich von der Ursache ab, die in massivem emotionalem und körperlichem Stress besteht. Deutlich unbekannter ist hingegen, dass auch das Gegenteil möglich ist, dann spricht man vom „Happy Heart Syndrom“. Die Symptome ähneln teilweise einem Herzinfarkt, allerdings stecken andere Mechanismen dahinter.

Für Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang der Fall einer 65-jährigen Frau, die nach der Hochzeit ihrer Tochter mit Brustschmerzen und Atemnot im Krankenhaus eingeliefert wurde. Dabei bestand zunächst der Verdacht auf einen Herzinfarkt, ein Blick auf die Herzkranzgefäße zeigte allerdings eine Art emotionale Umkehrung des Takotsubo-Syndroms.

Symptome und Hintergründe des Takotsubo-Syndroms

Takotsubo-Syndrom ist der wissenschaftliche Fachbegriff für das „Broken Heart Syndrom“. Grob gesagt handelt es sich um eine Sonderform der akuten Herzschwäche, bei der die Fähigkeit der linken Herzkammer beeinträchtigt wird, sauerstoffreiches Blut durch den Körper zu pumpen. Dadurch kommt es zu einer Unterversorgung und entsprechenden Symptomen, wie:

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  • Brustschmerzen/Engegefühl in der Brust
  • akute Atemnot
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Schwäche
  • niedriger Blutdruck

Den Namen verdankt die Erkrankung der auffälligen Silhouette der betroffenen linken Herzkammer. Diese erinnert optisch ein wenig an eine traditionelle japanische Tintenfischfalle, die Tako-Tsubo heißt. Wie genau die Prozesse im Körper dabei vonstatten gehen, ist bisher nicht geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass eine starke Ausschüttung von Stresshormonen auf den Herzmuskel einwirken und diesen vorübergehend beeinträchtigen kann.

Etwa ein bis vier Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt haben eigentlich das Takotsubo-Syndrom, wie es bei der Deutschen Herzstiftung heißt. Davon wiederum sind 90 Prozent Frauen, wobei die Erkrankung vor allem nach den Wechseljahren und somit etwa ab 50 Jahren auftritt.

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Happy Heart Syndrom: Ältere Frau sitzt auf einer Parkbank und greift sich an die Brust
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Schwierige Diagnose bei „Happy Heart Syndrom“

Im geschilderten Fall der 65-jährigen Patientin konnten die behandelnden Medizinerinnen und Mediziner feststellen, dass die äußeren Symptome zwar zu einem Herzinfarkt passten. Auch ein Elektrokardiogramm (EKG) zeigte auffällige, passende Veränderungen. Allerdings zeigten die Herzkranzgefäße nicht die für einen Herzinfarkt typischen Verengungen oder Verschlüsse.

Zudem zeigte sich, dass das Organ der Patientin plötzlich deutlich schlechter arbeitete als noch bei einem Test wenige Monate zuvor, wobei vor allem die linke Herzkammer betroffen war. Am Ende konnte ein MRT die Diagnose – Takotsubo-Syndrom – bestätigen.

Bis heute ist nicht geklärt, warum manche Menschen entsprechend auf große Trauer oder Freude reagieren und andere nicht. Studien konnten zwar einen Zusammenhang mit einer Störung der Schilddrüsenfunktion und auch einiger anderer Voraussetzungen feststellen. Damit ist die Ursachenforschung aber noch lange nicht abgeschlossen, zumal inzwischen feststeht, dass man das Syndrom in jedem Fall ernst nehmen sollte, da es auch tödlich enden kann.

Zusammenhänge beim „Happy Heart Syndrom“ noch nicht eindeutig geklärt

Was der Fall, der im „Oxford Medical Case Reports“ veröffentlicht wurde, zeigt: Nicht nur negativer Stress kann ein Auslöser sein. Auch positiver Stress kann entsprechende Auswirkungen auf das Herz haben, wie die Autorinnen und Autoren nun vermuten. Zwar kann die Fallstudie nicht einwandfrei nachweisen, dass die Freude über die Hochzeit der Tochter, die die 65-Jährige selbst als ausgesprochen positiv beschreibt, der tatsächliche Auslöser war. Dennoch sprechen die Expertinnen und Experten von einem „Happy Heart Syndrom“ und stellen zumindest einen zeitlichen Zusammenhang her.

Frühere Untersuchungen zeigten bereits ähnliche Zusammenhänge. So stellte eine im Jahr 2016 veröffentlichte Studie fest, dass nur etwa 4 Prozent der Fälle mit Takotsubo-Syndrom auf ein „Happy Heart Syndrom“ beziehungsweise starke positive Gefühle zurückzuführen sind. Unter Berücksichtigung von körperlichem Stress sind es sogar nur etwa 1 Prozent.