Der sogenannte „Gender Pain Gap“ beschreibt die ungleiche Diagnose und Behandlung von Schmerzen zwischen den Geschlechtern in der Medizin, wobei Frauen immer noch in vielen Situationen benachteiligt werden. Dabei gehören Schmerzen für viele Frauen zum Alltag, egal, ob es nun Bauchkrämpfe, Kopf- oder Rückenschmerzen sind. Das liegt daran, dass Frauen im Schnitt tatsächlich schmerzempfindlicher sind als Männer.
Das liegt wohl unter anderen an verschieden ausgerichteten Entzündungsprozessen im Körper, Frauen beschäftigen sich darüber hinaus aber erwiesenermaßen auch psychisch mehr mit ihren Schmerzen. Dazu kommt, dass Östrogen Schmerzempfindlichkeit anders beeinflusst als Testosteron und Frauen auch im Rahmen ihres Zyklus Schmerzen anders ausgeliefert sind.
Dennoch werden sie weniger ernst genommen als Männer, wenn sie von ihren Schmerzen berichten. Dadurch ergibt sich ein Teufelskreis: Frauen trauen sich mit ihren Schmerzen nicht zur Ärztin oder zum Arzt oder sie spielen sie herunter, weil sie Angst haben, dass ihr Leiden heruntergespielt wird. Das wiederum verschlimmert die Schmerzen oft noch. Dazu kommt, dass der „Gender Pain Gap“ und der „Gender Health Gap“ in eine ungute Wechselwirkung treten.

„Gender Pain Gap“ wird in der Medizin zunehmend anerkannt, es muss ich aber noch vieles ändern
Medizinische Studien sind in der breiten Masse deutlich auf den männlichen Durchschnitt ausgerichtet. Der weibliche Hormonhaushalt und Zyklus gelten oft als zu kompliziert und unberechenbar für das strenge Umfeld einer medizinischen Studie. Deshalb sind die meisten Medikamente auch im Bereich der Schmerzmittel nach wie vor in erster Linie auf das männliche Schmerzempfinden und die Reaktion eines männlichen Körpers ausgerichtet. Es kann also sein, dass Frauen auf dasselbe Schmerzmittel anders ansprechen würden, als ein Mann – obwohl sie die Schmerzen sogar intensiver empfinden und offenbar feiner eingestellt „Schmerzsensoren“ haben, wie die Deutsche Schmerzgesellschaft erklärt.
Dazu kommt, dass beim Thema Schmerzen immer noch alte Geschlechterstereotype gelten. Männer wird – wie eingangs beschrieben auch teilweise zu Recht – eine höhere Schmerztoleranz zugeschrieben, weshalb es auch ernster genommen wird, wenn ein Mann von seinen Schmerzen berichtet. Frauen gelten dagegen als empfindlich, weshalb ihre Schmerzen im Vergleich eher abgetan werden, ganz im Sinne des „Gender Pain Gap“. Das hat mitunter gravierende Folgen für die Therapie betroffener Schmerzpatientinnen.
So werden Frauen beispielsweise deutlich häufiger Beruhigungsmittel als echte Schmerzmittel verschrieben, bei Männern ist es umgekehrt. Aber auch schon bei der Diagnose gibt es mitunter massive Unterschiede. So werden viele Krankheiten, die vor allem oder ausschließlich Frauen betreffen und mit Schmerzen verbunden sind, viel später erkannt. Dazu gehören etwa Migräne oder Endometriose. Zudem hat eine vielbeachtete Studie gezeigt, dass Frauen im Schnitt eine halbe Stunde länger in der Notaufnahme warten müssen und auch dann bei der Behandlung weniger Schmerzmittel bekommen.
