"Aura Farming", "Challenges" und Co: Immer mehr Politiker fordern Altersgrenze für Social Media

In Australien gibt es seit Dezember eine Altersgrenze für die Nutzung sozialer Medien. Trends wie "Aura Farming" und gefährliche Challenges setzen Jugendliche unter Druck. Auch in Deutschland könnte es bald eine neue Regelung geben.
"Aura Farming", "Challenges" und Co: Immer mehr Politiker fordern Altersgrenze für Social Media
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In den sozialen Medien wird erneut ein Trend immer beliebter. Diesmal handelt es sich um das sogenannte „Aura Farming“. Die Userinnen und User, die sich diesem Trend anschließen, wollen nicht nur cool sein, sie wollen ihre „Ausstrahlung und ihren Charme“ immer weiter steigern, um im Mittelpunkt zu stehen.

Dazu inszenieren sich die Influencer gezielt in bestimmten Situationen, die ihnen dann „Aura-Punkte“ einbringen sollen. Im Mittelpunkt steht der soziale Status, der mittlerweile sowieso hauptsächlich im Internet ausgelebt wird. Die Personen, die das „Aura Farming“ betreiben, wollen aber nicht nur cool wirken, es geht auch darum, ihre lässige Art zu präsentieren. Der Trend hat dazu geführt, dass ein Social-Media-Verbot für Jugendliche wieder verstärkt in den Fokus rückt.

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Kommt bald die Altersgrenze? Wie "Aura Farming" und gefährliche Challenges Jugendliche unter Druck setzen

Der Trend gilt deshalb als umstritten, weil er zu einem erheblichen sozialen Druck führen kann. Ziel ist es, möglichst viele Likes und Follower zu sammeln. Denn man kann die „Aura-Punkte“ durch die „falschen“ Handlungen auch wieder verlieren. Diese Entwicklungen auf TikTok und Co. führen nicht selten zur psychischen Belastung. Deshalb soll in ersten Ländern der Zugang zu den sozialen Medien erst ab 16 Jahren erlaubt werden. Beim „Aura Farming“ spielt aber noch ein ganz anderer Aspekt eine große Rolle: die Mühelosigkeit.

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Es geht insbesondere darum, im Mittelpunkt zu stehen und für einen coolen Auftritt zu sorgen, ohne sich dafür anstrengen zu müssen. Wer sich also zu sehr bemüht, verliert die Aufmerksamkeit wieder. In diesem Zusammenhang wird der Ausdruck „Aura Farming“ sogar ironisch genutzt. Die Jugendlichen machen sich über andere lustig, die sich online inszenieren. Psychologen kritisieren häufig, dass dieser Druck erst zur Folge hat, dass sich gefährliche Challenges entwickeln und verbreiten können. Denn die Betroffenen erhoffen sich so, mit aller Macht doch noch die gewünschte Anerkennung zu erhalten. Nicht selten enden diese Challenges tödlich. "Aura Farming" gilt demnach nur als einer der vielen Faktoren für die toxischen Entwicklungen im Netz.

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EU und Deutschland diskutieren über das Mindestalter

„Gerade bei pubertierenden Jugendlichen geht es immer darum, zum einen das schwankende Selbstwertgefühl zu erhöhen. Zum anderen geht es darum, dazuzugehören: ‚Ich möchte Teil der Community sein. Und wenn eine Mutprobe dazugehört, dann mache ich sie halt.‘“, warnt beispielsweise der Psychologe Michael Thiel gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Zudem entwickeln Jugendliche schnell eine TikTok-Sucht. Auch in Deutschland wird über eine Altersgrenze für die sozialen Medien diskutiert. Die Grenze "kann bei 14 oder 16 liegen“, sagte beispielsweise die Bildungsministerin Karin Prien. Möglicherweise könnte es auch eine EU-weite Regelung geben. In Australien trat im Dezember die erste Regelung für eine Nutzung ab 16 Jahren in Kraft. In Deutschland soll eine Kommission im Herbst 2026 ihre Vorschläge vorlegen.