Mehr als nur eine Erfrischung? Das steckt hinter dem Wassertest bei Bewerbungen

Er soll über Erfolg oder Scheitern im Vorstellungsgespräch entscheiden: der „Wassertest“. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter der Behauptung, dass die Art, wie man ein Glas zum Mund führt, über die Karriere entscheidet?
Mehr als nur eine Erfrischung? Das steckt hinter dem Wassertest bei Bewerbungen
iStock / DekiArt

Wer sich optimal auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten möchte, landet schnell im Kaninchenbau. Früher oder später stößt man dabei auf diverse angebliche Tricks und versteckte Tests von Personalerinnen und Personalern, die damit die Kandidatinnen und Kandidaten angeblich prüfen wollen, ohne dass diese das überhaupt mitbekommen.

Zu den bekanntesten gehören etwa der „Salz- und Pfeffer“- oder auch der „Kaffeetassen“-Test. Ersterer soll sogar noch auf Thomas Edison zurückgehen. Zu den genannten Methoden haben sich auch bereits einige Personen mit Insider-Wissen geäußert und es handelt sich um belegte Anekdoten aus der Recruiting-Welt.

Ein weiteres bekanntes Vorgehen wird wiederum „Wassertest“ genannt. Dabei ist die Rede davon, dass schon ein Schluck Wasser über Erfolg oder Desaster beim Bewerbungsgespräch entscheiden kann. Aber wie funktioniert der Test und ist überhaupt etwas dran?

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Das Konzept hinter dem Wassertest bei Bewerbungen

Angeblich soll der Wassertest das Selbstbewusstsein und die Anpassungsfähigkeit der Bewerberinnen und Bewerber testen. Dafür wird genau beobachtet, auf welche Art und Weise jemand sein Wasser trinkt und ob er die höfliche Geste des Getränkeangebots im ersten Schritt überhaupt annimmt. Daraus sollen sich folgende Erkenntnisse ableiten:

  • Wasser annehmen: selbstbewusst, zeugt von Weitsicht
  • Wasser ablehnen: nervös oder falsche Bescheidenheit
  • normale Menge: selbstbewusst und für die meisten Positionen geeignet
  • große Menge und schnelles Trinken: keine Selbstkontrolle
  • Trinken bei schwieriger Frage: strategisch, souverän
  • dauerhaft kleine Schlucke: nervös, gestresst
  • Glas am Ende abräumen: zeigt Teamgeist und Bodenständigkeit
  • Glas einfach stehen lassen: Überheblichkeit

Sollte Wasser verschüttet werden, soll auch das angeblich ein Teil des Tests sein: Wer die Flüssigkeit schnell und eigenverantwortlich entferne, gelte als verantwortungsbewusst. Teilweise ist auch davon die Rede, dass es entscheidend ist, wie man das Wasserglas in der Hand hält, da ein entspannter Griff etwa Gelassenheit signalisiert.

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Wassertest bei Bewerbungen: Jemand gießt Wasser aus einer Karaffe in zwei Gläser
iStock / Thai Liang Lim

Debatte um den Wassertest gibt es seit Jahren

Tatsächlich wird um diesen Wassertest immer wieder debattiert, vor allem, seit das Portal „20min“ im Jahr 2025 darüber berichteteEs gibt eine ganze Reihe HR-Verantwortlichen und auch Psychologinnen und Psychologen, die das Vorgehen für kompletten Unsinn halten und es laut eigener Aussage auch nicht zur Anwendung bringen. Flächendeckend wird der Test also offenbar nicht eingesetzt.

Allerdings findet man bei Reddit immer wieder auch Posts, die davon berichten, dass sie beim Wassertrinken während eines Bewerbungsgesprächs ganz genau beobachtet wurden oder dass ihnen im Nachhinein gesagt wurde, dass sie beim Gespräch unwissentlich den Wassertest bestanden hätten.

Bewerbertests werden grundsätzlich kritisch gesehen

Ganz grundsätzlich muss man mit Blick auf solche Bewerbungstests festhalten, dass sie zwar vorkommen. Allerdings ist das eher die Ausnahme und nicht die Regel. Gut geschultes Recruiting-Personal achtet auf andere Dinge und bedient sich eher selten solcher Tricks. Das liegt auch daran, dass den Tests von Expertinnen und Experten nur eine geringe Aussagekraft zugeschrieben wird.

Denn bei einem Bewerbungsgespräch handelt es sich immer noch um Ausnahmesituationen, in denen gegebenenfalls nicht typisch auf das Angebot eines Kaffees oder Ähnlichem reagiert wird. Zudem gibt es Kritik an besonders selektivem Vorgehen, da es beispielsweise Personen aus anderen Kulturkreisen oder auch mit Neurodivergenz unter Umständen benachteiligt.

Dennoch kann es nicht schaden, entsprechende Tests wie den Wassertest zu kennen. Im Zweifel fühlt man sich besser gewappnet und tritt aufmerksamer auf – ein Detail, das vielen Unternehmen gefällt. Man sollte sich aber eben auch nicht verrückt machen, sondern generell darauf achten, einen authentischen und gefassten Eindruck zu vermitteln.