Ein leises Knistern beim Absenken der Nadel, gefolgt vom charakteristischen Rillenrauschen, bevor dann ein kurzer Impuls das erste Musiksignal ankündigt – so klingt es, wenn man eine Schallplatte abspielt. Für zahlreiche Musik-Fans sind diese Geräusche ikonisch und waren es auch beinahe schon zum Zeitpunkt der Erfindung dieses Tonträgers.
Die Schallplatte war das Ergebnis jahrhundertelanger Träume von aufgezeichneten Tönen. Nachdem mit der Erfindung der Fotografie in den 1830er-Jahren das Festhalten von Bildern möglich wurde, dauerte es aber noch fast 40 Jahre, bis das auch mit Ton möglich wurde. Im Jahr 1877 gelang es Thomas Alva Edison als erstem Menschen, eine menschliche Stimme aufzuzeichnen.
Dafür benutzte er eine mit einer Nadelspitze versehene Membran, die er über einen mit Paraffin überzogenen Papierstreifen zog. Dabei sprach er das Wort „Hello“, das beim erneuten Ziehen der Nadel über den Streifen leise zu hören war. Basierend auf dieser Idee wurde schließlich der erste Phonograph gebaut, bei dem eine mit Zinnfolie bespannte Stahlwalze als Tonträger funktionierte. Damit war die Grundidee der Schallplatte geboren.
Ein ausgewanderter Deutscher gilt als Erfinder der Schallplatte
Beinahe zur selben Zeit arbeitete auch der ausgewanderte Deutsche Emil Berliner in den USA an einer entsprechenden Lösung. Er baute dafür ein Gerät, das Schallwellen in horizontale Bewegungen einer Nadel überträgt. Diese Schwingungen ließ er in eine Glasplatte einritzen, die mit Ruß überzogen war, der dann in hart gewordenem Zustand quasi als Gussform für eine Vervielfältigung geeignet war.
Berliner ließ seine Idee im Jahr 1887 patentieren und entwickelte sie weiter, indem er beispielsweise die mit Ruß beschichtete Glasplatte durch Zink und Kupfer, die mit Wachs beschichtet waren, ersetzte. Zudem konstruierte er ein Gerät, das diese Platten abtasten und die eingeritzten Schallwellen hörbar machen konnte.

Massenproduktion beginnt in Hannover
Im Jahr 1888 konnte der Deutsche der Welt dann offiziell seine Erfindung vorstellen: die Schallplatte und das Grammophon. Der Tonträger konnte zum damaligen Zeitpunkt allerdings nur für etwa zwei Minuten Tonfolgen speichern. In den folgenden Jahren feilte Berliner weiter am Material und landete schließlich bei einer aus Schellack bestehenden Pressmasse. Die schwarze Farbe wurde hingegen weiterhin mit Ruß erzeugt.
Am Ende dauerte es zwar einige Jahre, dann wurde die Schallplatte allerdings zum Erfolg für die 1895 gegründete Berliner Gramophone Company. Im Jahr 1898 wurde dann in Hannover die weltweit erste richtige Plattenfabrik zur Massenproduktion eröffnet. Ironischerweise nahm ausgerechnet diese deutsche Stadt später auch in der Geschichte des Konkurrenzproduktes, der CD, eine nicht ganz unwichtige Rolle ein.
Wie genau funktionieren Schallplatten überhaupt?
An dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf die grundlegende Technik einer Schallplatte, die das Abspielen von Ton ermöglicht. Eine Schallplatte speichert Musik analog. Das bedeutet, dass die Schallwellen physisch exakt so in die Rillen geschnitten werden, wie sie klingen.
Dabei speichert eine Schallplatte Musik rein mechanisch als winzige Rillen in ihrer Oberfläche. Wenn sich die Platte dreht, gleitet eine feine Nadel durch die Rille und beginnt dadurch, zu vibrieren. Der Plattenspieler wandelt diese mechanischen Schwingungen in Strom um, den ein Verstärker an die Lautsprecher schickt, um den Ton hörbar zu machen. Grundsätzlich hat die Technik von Emil Berliner bereits genauso funktioniert. Allerdings war man von der heutigen Funktionsweise bei der ersten Präsentation noch weit entfernt.
Die Schallplatte im Wandel der Zeit
Zunächst einmal waren die Platten lange sehr teuer in der Produktion und somit auch im Preis. Ein wichtiger Schritt, um das zu ändern, war das 1922 eingeführte Matrizensystem. Die Matrizen hatten den Vorteil, dass sie beliebig oft zum Vervielfältigen genutzt werden konnten, was die ganze Produktion vereinfachte.
Und auch an den Abspiel- und Aufnahmegeräten wurde permanent gefeilt, sodass unter anderem im Jahr 1924 das elektro-akustische Aufnahmeverfahren entwickelt wurde, um Schallwellen über ein Mikrofon zu erfassen und in elektrische Wechselspannungen umzusetzen, bevor dann 1926 der erste Verstärker auf den Markt kam.
Die NS-Diktatur und der Zweite Weltkrieg brachten allerdings anschließend für mehrere Jahre beinahe die gesamte Schallplattenindustrie zum Erliegen. Im Prinzip wurde nur noch für den regimetreuen Rundfunk und für das Kino produziert. Nach dem Krieg musste sich die gesamte Branche zunächst mühsam erholen. Die Erfindung der Vinyl-Schallplatte im Jahr 1948 war diesbezüglich ein Wendepunkt.
Vinyl war weitaus weniger empfindlich, günstiger und reduzierte zudem aufgrund feinerer Rillen das Rauschen. Zudem ermöglichte es im Folgenden die Erfindung der Stereophonie-Technik, kurz: Stereo. Bei dieser Methode zur Aufnahme und Wiedergabe von Ton werden mindestens zwei getrennte Kanäle und Lautsprecher eingesetzt, um einen räumlichen Klangeindruck und eine breitere Klangbühne zu erzeugen. Das ermöglicht Zuhörerinnen und Zuhörern, den Ton räumlich zu verorten.

CD, Streaming und Co. drängen Platten jahrzehntelang an den Rand
Damit war die Schallplatte jahrzehntelang das Maß der Dinge, bis in den 80er-Jahren der Siegeszug der CD begann. Auf den deutlich kleineren Scheiben war erstmals das digitale Speichern von Tondaten möglich. Dadurch ging der Verkauf von Schallplatten zunehmend zurück; im Jahr 1989 wurden – zumindest in Westdeutschland – erstmals mehr CDs als Platten verkauft.
Doch auch wenn im Anschluss mehrfach der „Tod der Schallplatte“ verkündet wurde, verschwand diese niemals ganz vom Markt. Vor allem seit 2010 ist diesbezüglich zudem wieder eine Trendwende zu beobachten. Die Verkäufe steigen seitdem kontinuierlich an. 2023 wurden dem Bundesverband Musikindustrie zufolge circa 4,3 Millionen Schallplatten verkauft, allein in Deutschland. Mit Blick auf die physischen Tonträger entspricht das einem beachtlichen Anteil von ungefähr 17 Prozent.
Die Schallplatte erlebt ein Comeback
In der jüngsten Vergangenheit haben sich die Verkaufszahlen einigermaßen stabilisiert, die Preise für Schallplatten steigen allerdings. Das liegt an einer wachsenden Nachfrage, weil viele das alte Medium für sich wiederentdeckt haben. Das passt zum einen zu dem generell zu beobachtenden Retro-Boom. Zum anderen haben viele den organischen Klang im Zeitalter des Streaming zu schätzen gelernt.
Zum Erfolg beigetragen haben aber auch clevere Marketing-Strategien rund um seltene und künstlerische Artworks auf den Covern. Vor allem aber hat die steigende Nachfrage dazu geführt, dass weiterhin und wieder mehr Alben auch auf Vinyl erscheinen. Darüber hinaus ist ein echter Sammlermarkt entstanden, auf dem die Scheiben teilweise hohe Preise erzielen können.
Platten erreichen heute als Sammlerstücke astronomische Summen
Die teuerste beziehungsweise wertvollste Schallplatte der Welt ist dabei im Übrigen „Once Upon A Time in Shaolin“ vom Wu-Tang Clan. Dabei handelt es sich um ein Unikat, und das wird auch bis mindestens ins Jahr 2103 so bleiben. Bis dahin gilt nämlich ein wie auch geartetes Kopierverbot. Mit dem Abspielen darf darüber hinaus kein Gewinn gemacht werden.
Der Wert der Schallplatte wurde zuletzt im Jahr 2021 auf etwa 3,7 Millionen Euro geschätzt, nachdem sie 2015 damals noch für umgerechnet 1,77 Millionen Euro versteigert wurde. Weitere besonders wertvolle Exemplare kommen von den Beatles, Elvis und The Quarrymen, deren Wert teilweise bis zu 1,7 Millionen Euro reicht, wobei sich das natürlich auf besonders seltene und gut erhaltene Stücke bezieht.
So wurde etwa ebenfalls 2015 Ringo Starrs persönliche Kopie des Albums „The Beatles“ (1968), das die Seriennummer 0000001 trägt, für 790.000 Dollar versteigert. Die „Double Fantasy“-Platte, die sich John Lennons Mörder an dem Tag unterschreiben ließ, an dem er den Sänger erschoss, wurde 1999 für 150.000 Dollar verkauft.

Die wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der Schallplatte im Überblick
- 1877: Thomas Alva Edison zeichnet das Wort „Hello“ auf.
- 1887/88: Emil Berliner stellt die flache Schallplatte aus Zink und das Grammophon vor.
- 1895: Serielle Produktion dank Schellack.
- 1898: Die erste Plattenfabrik eröffnet in Hannover.
- 1922: Das Matrizenverfahren wird entwickelt und vergünstigt die Produktion.
- 1924: Mit dem elektro-akustischen Aufnahmeverfahren wird die Aufnahme revolutioniert.
- 1926: Der erste Verstärker kommt auf den Markt.
- 1948: Erfindung der Vinyl-Platte

