Noch vor einigen Jahren konnten wohl die wenigsten etwas mit dem Begriff PFAS anfangen. Inzwischen finden die Ewigkeitschemikalien und ihre Auswirkungen medial immer mehr Aufmerksamkeit, da sie in der Umwelt ein wachsendes Problem darstellen. Menschen nehmen die Chemikalien am Ende über Wasser und Nahrung ebenfalls in sich auf, was diverse gesundheitliche Risiken birgt.
Eine interaktive Karte zeigt die Verbreitung der PFAS in Europa an. Dabei kann man seine Region überprüfen und herausfinden, wie kontaminiert die Umwelt dort bereits von den Ewigkeitschemikalien ist.
Ewigkeitschemikalien sind beinahe überall
2023 stellte eine US-amerikanische Studie bei einer Regenwasseranalyse an sieben Messstellen fest, dass PFAS nahezu überall in der Umwelt zu finden waren. In allen Proben wurde eine hohe Konzentration von 10 bis 16.000 Nanogramm pro Liter festgestellt. Auch die Zahlen für Europa sind alarmierend. Im Rahmen des Forever Pollution Project sammelten Journalistinnen und Journalisten Daten zu Orten, an denen besonders hohe PFAS-Konzentrationen vorkommen.
Allein in Deutschland wurden auf diese Weise mehr als 300 Hotspots identifiziert. Und auch abseits dieser besonders belasteten Orte kommen PFAS vielfach in der Umwelt vor. Eine Greenpeace-Messung im Jahr 2025 zeigte zudem, dass der Meeresschaum an Nord- und Ostseeküste deutlich belastet sein kann, wobei die Grenzwerte für Trinkwasser teilweise um ein Hundertfaches überschritten wurden. Platzen die Schaumblasen, gelangen die PFAS in die Luft und werden eingeatmet, weshalb inzwischen empfohlen wird, sich von dem Meeresschaum fernzuhalten.

Interaktive Karte zeigt PFAS-Belastung in Europa
Die Ergebnisse dieser örtlichen Untersuchungen wurden in einer interaktiven Karte zusammengefasst. Mit dieser Karte lässt sich gezielt überprüfen, ob der eigene Wohnort oder die umliegende Region stark mit PFAS belastet ist. Besonders hoch ist die Konzentration der Chemikalien oft rund um alte Militärflughäfen oder an Standorten der chemischen Industrie. Besonders belastet sind Orte, die in der Nähe von Einrichtungen liegen, die dediziert PFAS herstellen.
Ein Blick auf die Deutschlandkarte zeigt, dass vor allem in Bayern eine hohe PFAS-Belastung vorliegt. Aber auch im Saarland, in Rheinland-Pfalz und im Westen von Baden-Württemberg ist die Belastung im Vergleich hoch, genauso wie in den Küstenregionen. Weniger Hotspots gibt es hingegen etwa in Brandenburg und in Thüringen.
Die Karte zeigt darüber hinaus auch die Verteilung in anderen europäischen Ländern. Dabei wird zwischen einer bekannten Kontamination, bekannten PFAS-Nutzern und vermuteter Kontamination unterschieden.
Was sind PFAS genau und warum sind sie ein Problem?
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von mehr als 10.000 künstlich hergestellten Chemikalien, die in der Industrie vielfach zum Einsatz kommen. Aufgrund ihrer stabilen Bindung sind sie nicht in der Natur abbaubar – daher die Bezeichnung „Ewigkeitschemikalien“.
Da sie kaum mit anderen Stoffen in Verbindung treten, haben sie fett-, wasser- und teilweise auch schmutzabweisende Eigenschaften, weshalb sie in vielen alltäglichen Produkten, aber beispielsweise auch in medizinischen Instrumenten zum Einsatz kommen. Sind sie fest in Endprodukten gebunden, ist das Risiko eines sofortigen Austritts meist geringer. So stellen etwa beschichtete Kleidung oder Pfannen bei der Benutzung keine Gefahr dar. Allerdings gelangen die Chemikalien bei den Fertigungsprozessen vielfach in die Umwelt, wo sie sich anreichern und am Ende auch im menschlichen Körper landen.
So wurde etwa bereits in Muscheln, Eisbären, Krabben und sogar im Regen eine Belastung festgestellt. Deshalb ist inzwischen davon auszugehen, dass nahezu alle Menschen PFAS in ihrem Körper haben, da sich die Chemikalien längst auch im Grundwasser befinden. Das bringt einige Gesundheitsrisiken mit sich.

Ewigkeitschemikalien werden mit diversen Krankheiten in Verbindung gebracht
Umfassend erforscht sind per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen und ihre Auswirkungen auf den Körper noch nicht. Allerdings gibt es bereits renommierte Studien, die zum einen nachweisen konnten, dass sich PFAS im Körper anreichern und nicht ausgeschieden werden. Zum anderen konnten diverse Gesundheitsrisiken damit in Verbindung gebracht werden.
Eine Langzeitstudie bei Kindern stellte in diesem Zusammenhang fest, dass die Chemikalien die Immunantwort auf Impfungen hemmen können. Zudem stehen die Chemikalien im Verdacht, schwere Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer zu begünstigen. Die Weltgesundheitsorganisation stuft darüber hinaus PFOA als krebserregend und PFOS als möglicherweise krebserregend für Menschen ein. Bei beiden handelt es sich um spezifische Vertreter von PFAS.
Auch der Hormonhaushalt wird durch die Chemikalien beeinflusst, was zu zahlreichen weiteren Verdachtsfolgen führt, die allerdings bislang wissenschaftlich nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnten. Das liegt auch daran, dass Vergleichsstudien zunehmend schwieriger werden, da immer mehr Menschen von einer PFAS-Belastung betroffen sind.
Es werden zunehmend Maßnahmen gegen PFAS-Belastung ergriffen
Das Gefahrenpotenzial von PFAS ist riesig, genauso wie die industriellen Möglichkeiten. Deshalb gibt es seit Jahren ein Ringen in der Politik um angemessene Maßnahmen, die auf der einen Seite wirtschaftliche Interessen und Errungenschaften berücksichtigen, auf der anderen Seite die Gefahren für Gesundheit und Umwelt ins Auge fassen.
So hat etwa die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2020 eine Neubewertung der gesundheitlichen Risiken durch Ewigkeitschemikalien in Lebensmitteln vorgenommen. Und auch sonst werden Grenzwerte ein immer wichtigeres Thema. So gilt etwa seit 2026 eine neue Reglementierung für Trinkwasser. Bereits jetzt achten viele Wasserwerke auf eine gezielte PFAS-Entlastung.
Zudem wurden in einigen Bereichen bereits Alternativen zu den PFAS gefunden wie etwa beim Löschschaum der Feuerwehr. Und auch bei Beschichtungen für Pfannen oder Outdoor-Kleidung gibt es inzwischen Ersatzprodukte – was nicht automatisch bedeutet, dass diese weniger bedenklich sind. Allerdings sind per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen immer noch vielfach im Einsatz und können nicht überall adäquat ersetzt werden. Wie die bereits in die Umwelt gelangten Stoffe langfristig eingedämmt oder sogar gänzlich entfernt werden können, ist ebenfalls offen.

