Schönheitstrends unterliegen immer auch dem Schönheitsideal ihrer Zeit. Da ist auch der sogenannte „Looksmaxxing“-Trend keine Ausnahme. Allerdings ist er insofern besonders, als er sich – im Gegensatz zu vielen anderen Trends – vornehmlich an junge Männer richtet. Der Begriff setzt sich dabei aus den englischen Worten „look“ (Aussehen) und „maximise“ (maximieren) zusammen.
Grob gesagt geht es darum, mit verschiedenen Methoden optisch das Beste aus sich herauszuholen. Vor allem auf Social Media wird „Looksmaxxing“ gefeiert. Allerdings kann man zunehmend extreme Ausformungen erkennen, die ein hohes Verletzungsrisiko bergen und zudem mit einem vorbelasteten Männlichkeitsbild einhergehen.
Die verschiedenen Arten des „Looksmaxxing“
Im Zentrum des „Looksmaxxing“-Trends steht ein männliches Idealbild.Der Name „Chad“ wird dabei als Szene-Code verwendet und bezeichnet einen Mann, der selbstbewusst, attraktiv, dominant und ein Frauenmagnet ist. Es geht um das Streben nach einem Bild von Perfektion, dem vieles andere untergeordnet wird.
Grundsätzlich wird zwischen „Softmaxxing“ und „Hardmaxxing“ unterschieden. Beim „Softmaxxing“ geht es um eher klassische Methoden wie strikte Diäten und Sport, vergleichbar mit vielen anderen Schönheitstrends. Unter entsprechenden Hashtags findet man auch Tipps für Hautpflege-Routinen, Workouts, Outfits oder Frisuren.

Warum vor allem „Hardmaxxing“ so problematisch ist
Gefährlich wird es allerdings beim „Hardmaxxing“, denn dabei wird ein Vorgehen propagiert, das dauerhaft in die Optik eingreift. Das reicht von gängigen Schönheitsoperationen bis hin zu drastischeren Eingriffen, bei denen etwa der Kiefer gebrochen wird, um ihn in die „perfekte“ Form zu bringen. Besonders riskant wird es, wenn die Anhänger des „Looksmaxxing“ selbst tätig werden, indem sie sich etwa mit einem Hammer gezielt ins Gesicht schlagen, um durch Mikrofrakturen die Gesichtsstruktur zu verändern („Bone Smashing“).
Das kann allerdings nicht „nur“ zu Schmerzen und Nervenschäden führen. Wie die Knochen nach solchen Frakturen zusammenwachsen, ist kaum bis überhaupt nicht zu beeinflussen. Im Sinne der Schönheit kann man mit dem Vorgehen also sogar alles verschlimmern, indem es zu unerwünschten Verformungen im Gesicht kommt.
Oft geht es beim „Looksmaxxing“ zudem darum, den Testosteronspiegel zu erhöhen, um das Muskelwachstum zu fördern und männlicher zu wirken. Im harmlosesten Fall werden dabei Produkte wie Kreatin beworben, die zwar das Testosteron nicht beeinflussen, aber sich positiv auf die Maximalkraft beim Training auswirken können. Allerdings berichten Medien auch vermehrt darüber, dass auf diesem Wege etwa Steroide empfohlen werden, die niemals ohne die Überwachung von medizinischem Fachpersonal eingenommen werden sollen, weil es zu massiven Nebenwirkungen kommen kann.
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Übersteigerte Selbstoptimierung kann zu psychischen Problemen führen
Apropos Testosteron: Im Rahmen des „Looksmaxxing“-Trends ist das Hormon das Wundermittel schlechthin. Dabei werden häufig falsche Versprechungen gemacht, dass Testosteron etwa auch bei einem fliehenden Kinn helfen könne, was schlicht nicht der Fall ist. Zungenübungen („Mewing“) zur vermeintlichen Optimierung der Jawline, wie sie von vielen „Looksmaxxern“ empfohlen werden, scheinen dagegen fast harmlos. Doch auch deren Wirkung ist fraglich und bei falscher Anwendung kann es zudem zu Kopfschmerzen kommen.
Neben den offensichtlichen gesundheitlichen Risiken, die vor allem das „Hardmaxxing“ mit sich bringt, gibt es aber auch psychische Faktoren, die den seit Jahren wachsenden Trend gefährlich machen. Denn wie andere Schönheitstrends auch bringt er zum einen massiven Druck mit sich, wobei er zum anderen noch mehr propagiert, dass man mit genügend Willen zur Selbstoptimierung nahezu alles erreichen kann.
Das bedeutet umgekehrt allerdings auch: Wer nicht dem Schönheitsideal entspricht, obwohl es theoretisch möglich wäre, ist selbst schuld. Diese Person ist dann angeblich einfach nicht diszipliniert oder gewillt genug, Schmerzen für die Schönheit in Kauf zu nehmen. Die Fixierung auf ein bestimmtes Idealbild, wie es auch beim „Looksmaxxing“ propagiert wird, fördert zudem den Selbsthass und verzerrt die generelle Körperwahrnehmung.

„Looksmaxxing“ ist auf mehreren Ebenen viel problematischer als andere Schönheitstrends
Beim „Looksmaxxing“ – speziell beim „Hardmaxxing“ – kommt zudem noch eine weitere Komponente hinzu. Denn das dabei propagierte Männlichkeitsbild ist vor allem auf Social Media oft mit Misogynie und politischer Radikalisierung verbunden, weshalb viele „Looksmaxxer“ auch mindestens der Manosphere-, wenn nicht sogar der Incel-Szene zuzuordnen sind. Als problematisch ist dabei vor allem auch eine gewaltverherrlichende Darstellung von Männlichkeit zu sehen.
Inzwischen warnen zahlreiche Expertinnen und Experten gezielt vor dem Trend, der körperlich und psychisch massive Risiken birgt. Dazu kommt, dass viele vermeintliche Vorher-Nachher-Bilder, die die Veränderungen durch „Looksmaxxing“-Maßnahmen im Netz zeigen sollen, nachweislich manipuliert oder sogar gefälscht sind. Wiederholt wurden in diesem Zusammenhang zudem Produkte angepriesen, für deren Wirkung es keinerlei Nachweis gibt oder die sogar erwiesenermaßen schädlich sind.

