Stalking verharmlost: Knossi wegen Umgang mit HoneyPuu in der Kritik

Er machte Witze über ihren Stalker, sie setzt sich zur Wehr – zwischen den beiden Internetgrößen HoneyPuu und Knossi kocht gerade die Stimmung.
Stalking verharmlost: Knossi wegen Umgang mit HoneyPuu in der Kritik
Instagram / honeypuu, picture alliance

Seit inzwischen mehr als einem Jahr hat Streamerin HoneyPuu, die mit bürgerlichem Namen Isabell „Isa“ Schneider heißt, große Probleme mit einem Cyberstalker. Der Fall ist öffentlich bekannt – auch, weil sich der Stalker alles andere als dezent verhält. In Livestreams der Influencerin schaltet er sich regelmäßig ein, er droht ihr und beleidigt sie, wenn sie mit anderen Männern interagiert. Zudem lädt die Person zahlreiche Videos hoch, in denen sie sexuelle Fantasien mit HoneyPuu schildert und suggeriert, die beiden seien in einer Beziehung.

Die Streamerin hat sich nach langem Schweigen inzwischen öffentlich dazu geäußert; ihr zufolge liegt der Fall bei der Polizei. Damit ist das Thema allerdings für die junge Frau offenbar noch lange nicht vorbei. Denn in den Kommentaren zu den Videos bekommt der Stalker viel Verständnis und sogar Anfeuerung. Kommentare wie „Bro schnapp sie dir“ oder Wenn sie dich ignoriert, liebt sie dich“ sind keine Seltenheit.

Teilweise hat sich über Monate ein regelrechter Hype um den Mann entwickelt. Zudem wird das von außen betrachtet als Straftat einzustufende Vorgehen von anderen Streamern verharmlost und sogar als Witz dargestellt. Einige verbreiten das Thema wohl auch weiter, wil sie selbst von dem Hype profitieren wollen. Dabei machte auch der bekannte Influencer Jens „Knossi“ Knossalla auf sich aufmerksam.

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Knossi und die Geschichte mit den Stalking-Witzen

In einem seiner Videos sprach Knossi seine Kollegin HoneyPuu direkt auf ihren Stalker an. Dort sagt sie deutlich, dass sie aufgrund der Umstände – sie nennt das Schlagwort „Polizei“ – nicht darüber sprechen könne. Später machte sich der Streamer über die Situation lustig. Offenbar als Gag nutzte er in einem Stream mit anderen bekannten Content Creatoren wie MontanaBlack die Namen von HoneyPuu und ihrem Stalker bei einer Runde „Make it Meme“; der Stalker wird darin zum wahnsinnig gewordenen Axtmörder Jack Torrance aus „Shining“, die Influencerin zur sich ängstlich vor ihrem Mann versteckenden Wendy Torrance.

Das Meme ist durchaus bekannt und wird viel genutzt, allerdings fand HoneyPuu die Referenz zu ihrer aktuellen Situation ganz offensichtlich nicht lustig. Zudem hat es offenbar auch hinter den Kulissen ordentlich gekracht, weil einige Creator, die sich über den Stalking-Fall lustig gemacht hatten, für den anschließenden Shitstorm HoneyPuu verantwortlich gemacht haben sollen, wie sie in einem Statement-Video erklärt. Sie selbst erläutert dazu, dass viele den Vorfall verharmlost hätten, weil ihr ja nicht „wirklich etwas passiert“ sei.

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Experten betonen, wie gefährlich die öffentliche Anfeuerung bei Stalking sein kann

Dazu kommt, dass sie offenbar wenig Unterstützung aus der Szene erhalten hat, worüber sie sich enttäuscht zeigt. „Viele haben selber solche Erlebnisse, aber fangen dann an, bei mir draufzuhacken“, berichtet sie teilweise verwundert. Positiv hebt sie dabei hinegen Twitch-Star Elias Nerlich und Rapper Ali Bumaye hervor, die sich öffentlich in einem solchen Stream gegen das Verhalten gestellt und es als grenzüberschreitend herausgestellt hatten. Zudem erwähnt sie dankend das vielbeachtete Video der YouTuberin Jasmin Gnu zu dem Thema, in dem unter anderem von Experten erklärt wird, wie gefährlich das Befeuern von Stalking ist.

Andere hätten sich hingegen mehrfach über den Fall öffentlich lustig gemacht. Dazu gehört auch Jens „Knossi“ Knossalla, dem HoneyPuu nun öffentlich Konter gibt. Auslöser dafür war ein weiteres Video des Streamers, in dem er erneut den abgewandelten Namen des Stalkers als Witzvorlage nutzte. Unter dem Beitrag kommentierte Isa dann öffentlich: „Jens, warum entschuldigst du dich bei mir auf WhatsApp und sagst, dass es dir leid tut und du dir dessen nicht bewusst warst, wenn du jetzt trotzdem weitermachst?“

HoneyPuu wirft Knossi PR-Kalkül und Doppelmoral vor

Offenbar hat sich der Streamer bei HoneyPuu für sein bisheriges Verhalten im Privaten entschuldigt. Diesbezüglich unterstellt sie ihm nun PR-Kalkül. „Wenn Knossi mich noch einmal um 2 Uhr morgens anruft, weil er sich entschuldigen will, damit er PR-mäßig gut dasteht, raste ich aus und leake alle seine ekligen Memos“, ergänzt der Twitch-Star in einer Story. Aufgrund dieser Vorkommnisse sieht sich Knossi aktuell auch vonseiten der Fans in der Kritik.

Schon unter dem Livestream, in dem die Memes zu der Stalking-Situation erstellt wurden, gab es mitunter deutliche Gegenworte aus der Community, die von den Streamern jedoch teilweise aktiv heruntergespielt wurden. Seitdem finden sich immer wieder unter Videos von Knossi Kommentare zu dem Thema, die unter anderem ein Statement fordern.

Einige werden in ihrer Kritik auch recht deutlich. So kann man mehrfach Dinge wie „Ekelhaft“ oder „Schäm dich“ lesen. Ein Nutzer führt aus: „Ein Mann, der sich über Stalking lustig macht, ist kein echter Mann.“ Einige unterstellen dem Streamer zudem, besonders kritische Kommentare zu löschen.

Cyberstalking rückt in Deutschland immer mehr in den Fokus

Die Debatte trifft auf eine ohnehin schon aufgeheizte Stimmung. Nicht nur, dass Knossi aufgrund seiner Anteile an dem von ihm mitgegründeten Anbieter Fanblast in der Kritik steht. Dessen Geschäftsmodell besteht darin, Chat-Konversationen zwischen Fans und ihren Idolen herzustellen – gegen Bezahlung. Allerdings wurde Ende 2025 bekannt, dass Nutzerinnen und Nutzer reihenweise getäuscht wurden und nicht mit Prominenten chatteten, sondern mit bezahlten Dritten. Knossi beteuerte öffentlich, nichts von den Vorgängen gewusst zu haben, die Wut vieler Fans ist dennoch groß.

Zum anderen ist das Thema Cyberstalking zurzeit so aktuell wie selten. Seit Collien Fernandes öffentlich äußerte, dass ihr Ex-Mann Christian Ulmen Fake-Profile von ihr erstellt und damit pornografische Inhalte verbreitet haben soll, ist das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Auch wenn der Fall um HoneyPuu gänzlich anders gelagert ist, ist er doch ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Gewalt im Netz äußern kann und wie machtlos die Opfer – auch aufgrund einer lückenhaften Rechtsgrundlage und beschränkter Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden – dem teilweise gegenüberstehen.