Dem Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache zufolge definiert sich Höflichkeit wie folgt: „liebenswürdiges Benehmen, Zuvorkommenheit, Wohlerzogenheit“. Als höflich gilt also allgemein, wer respekt- und rücksichtsvoll sowie zuvorkommend auftritt – und wer das nicht tut, gilt als unhöflich. Dabei können die Grenzen allerdings mitunter fließend sein, vor allem in Alltagssituationen.
Es gibt bereits Umfragen dazu, dass viele das Gefühl haben, dass die Menschen generell zunehmend unfreundlicher werden. Das zeigt nun auch eine neue Umfrage der Sprachlernplattform Babbel. Ganze 59 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass die Unfreundlichkeit in den vergangenen fünf Jahren zugenommen habe. Dabei scheint es mit Blick auf Deutschland und seine 16 Bundesländer mitunter deutliche Unterschiede zu geben.
Bundesländer im Höflichkeits-Ranking
Für das Ranking wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt, ob sie die Menschen in dem jeweiligen Bundesland als höflich empfinden oder nicht. Daraus ergibt sich eine Reihenfolge, die den einen oder anderen überraschen könnte:
- Hamburg (61 %)
- Niedersachsen (45 %)
- Bayern (44 %)
- Thüringen (44 %)
- Sachsen (43 %)
- Sachsen-Anhalt (43 %)
- Brandenburg (42 %)
- Nordrhein-Westfalen (42 %)
- Saarland (41 %)
- Schleswig-Holstein (40 %)
- Berlin (39 %)
- Mecklenburg-Vorpommern (38 %)
- Hessen (38 %)
- Baden-Württemberg (36 %)
- Rheinland-Pfalz (36 %)
- Bremen (36 %)
Die Umfrageergebnisse widersprechen in jedem Fall einigen landläufigen Meinungen. Etwa von der angenehmen rheinischen Frohnatur ist in der Liste wenig zu spüren. Sowohl Hessen als auch Rheinland-Pfalz belegen eher hintere Plätze, und auch Nordrhein-Westfalen liegt nur im Mittelfeld. Berlin, dem hingegen gerne besondere Unhöflichkeit nachgesagt wird, ist zumindest vom letzten Platz ein gutes Stück entfernt – dort liegt stattdessen Bremen. Dabei haben viele der Befragten zudem das Gefühl, dass es in Deutschland allgemein unfreundlicher zugeht als im Ausland.

Eigen- und Fremdwahrnehmung gehen teilweise deutlich auseinander
Vielen geht es dabei offenbar um kleine Details wie Begrüßungsformen und Augenkontakt. Aber auch im Kontext der Serviceleistungen empfinden viele Deutschland als weniger zugewandt. Grundsätzlich haben Großstädterinnen und Großstädter dabei einen schlechteren Ruf als Personen aus ländlichen Gebieten. Als besonders konfliktbeladen und dementsprechend unhöflich gelten zudem der Straßenverkehr und auch Bahnhöfe. Die Gastronomie schneidet ebenfalls nicht gut ab.
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Die Umfrage hat zudem gezeigt, dass mitunter ein deutlicher Unterschied in der Wahrnehmung der Generationen besteht. So empfinden ältere Jahrgänge den Umgangston schneller als rau (65 Prozent), wohingegen Jüngere damit weniger ein Problem haben (39 Prozent). Ganze 85 Prozent nehmen sich im Übrigen selbst als höflich wahr, im Gegenzug finden das aber nur 42 Prozent von anderen. Ist Höflichkeit also eine Frage der Wahrnehmung?
Höflichkeit liegt bis zu einem gewissen Grad im Auge des Betrachters
Das legen zumindest die Ergebnisse anderer Umfragen nahe. Denn während Deutsche ihr eigenes Land als vergleichsweise unfreundlich empfinden, sieht das im internationalen Vergleich anders aus. Einer aktuellen Umfrage des britischen Finanzdienstleisters „Remitly“ zufolge landet Deutschland sogar auf Platz 5 der höflichsten Nationen.
Zwar besteht ein deutlicher Abstand zu den Plätzen 1 und 2 (Japan und Kanada), allerdings kommt das Land damit insgesamt sehr gut weg. Kurios: Spitzenreiter Japan fällt auch dadurch auf, dass sich die Menschen dort selbst als besonders unhöflich einschätzen. In der Eigenwahrnehmung belegt das Land den vorletzten Platz. Das kann als Beleg gewertet werden, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Freundlichkeit auch aufgrund kultureller Gepflogenheiten sein kann.

