Viele dürften das Gefühl kennen: Man holt das Smartphone heraus, um nur einmal kurz zu schauen, was es Neues gibt. Doch aus dem kurzen Blick wird schnell ein längerer und ehe man es bemerkt, ist eine Stunde vorbei, die man damit verbracht hat, zwischen Videos und Beiträgen hin und her zu scrollen. Diese ergeben oft eine bunte Mischung aus lustigen Inhalten und schlechten Nachrichten. Deshalb hat sich für das Vorgehen auch der Begriff „Doomscrolling“ etabliert.
Das Wort setzt sich aus den englischen Begriffen für „Verhängnis“ und „Scrollen“ zusammen, also das Wischen auf einem Bildschirm. Gemeint ist das beinahe zwanghafte dauerhafte Nutzen entsprechender Apps, deren Algorithmus darauf ausgelegt ist, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange in ihrem Feed zu halten. Ironischerweise berichtet eine TikTok-Nutzerin in einem vielbeachteten Video von einem Selbstexperiment. In diesem verzichtete sie für 50 Tage auf Social Media und somit auf Doomscrolling. Die Ergebnisse schildert sie als ausgesprochen bemerkenswert.

Frau berichtet nach Doomscrolling-Experiment: „Ich habe mein Gehirn wieder“
Ursprünglich habe sie lediglich 35 Tage verzichten wollen, erzählt die Frau in dem Video. Allerdings habe sich das Experiment spontan auf 50 Tage ausgeweitet. Dabei fügt sie ergänzend hinzu, dass das Erstellen von Content erlaubt war. Es ging explizit um die passive Nutzung, also Doomscrolling. Das Ergebnis fasst sie in einem prägnanten Satz zusammen: „Ich habe einfach mein Gehirn wieder.“
Sie berichtet davon, plötzlich wieder viel kreativer zu sein und neue Ideen zu haben, ihr Dopamin-Level fühle sich ebenfalls ganz anders an. Insgesamt vergibt sie an diese Erfahrung eine glatte 10er-Wertung und empfiehlt jedem, es zumindest einmal auszuprobieren. Und die Wissenschaft gibt ihr diesbezüglich recht.

Algorithmen und Hormone führen zu einer negativen Spirale
Expertinnen und Experten warnen in diesem Kontext schon länger vor negativen Auswirkungen. So kann Doomscrolling etwa der DAK zufolge starke negative Auswirkungen auf die Psyche haben, bis hin zu Depressionen und Angstzuständen. Dahinter stecken ganz natürliche Prozesse. Denn vor allem auf schlechte Nachrichten reagieren Menschen mit einem Bedürfnis nach Information, um eine eventuelle Gefahr einschätzen zu können. Deshalb funktionieren auch entsprechende News besser: Negative Inhalte bekommen mehr Aufmerksamkeit und eine längere Verweildauer, was wiederum dazu führt, dass die erfolgsorientierten Algorithmen diese Inhalte immer weiter ausspielen.
Zudem schüttet der Körper zum einen bei neuen Informationen eine kleine Menge Dopamin aus, während wiederum schlechte Nachrichten zu einem erhöhten Stresslevel führen, wie die Klinik Friedenweiler erklärt. Das Ergebnis ist, dass sich Betroffene in einen zunehmend stärkeren Sog aus sich gegenseitig bedingenden Effekten bewegen. Dann heißt es schnell „Nur noch fünf Minuten“ oder „Nur noch dieses eine Video“ und man scrollt einfach immer weiter.

Was kann man gegen Doomscrolling tun?
Umso wichtiger ist ein bewusster Umgang mit Medienkonsum, der beinhaltet, dass man um die potenziellen Gefahren weiß. Dabei geht es darum, seinen Konsum bewusst zu steuern, durch Pausen und zeitliche Limits. Dabei können etwa feste Zeiten helfen, genauso wie das Ausschalten von Push-Benachrichtigungen. Zudem sollte man auf verlässliche Quellen achten, um sich nicht in endloser Panikmache zu verlieren. Seriöse Medien bemühen sich um eine Einordnung der Information.
Dabei kann man seinen Algorithmus auf den entsprechenden Plattformen auch gezielt trainieren. Dafür muss man schlechte News gezielt übergehen und bei guten Nachrichten länger verweilen und interagieren. Zudem kann es helfen, gezielt nach Informationen zu suchen, anstatt sich einfach im Algorithmus treiben zu lassen.
Am wichtigsten sind allerdings gezielte Offline-Zeiten. Ein gezielter Digital Detox oder „Social-Media-Fasten“, wie im Fall der eingangs erwähnten TikTok-Nutzerin können hilfreich sein, ein entsprechendes Vorhaben auf den Weg zu bringen.
