Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass ein Filter verwendet wurde. Aber die Bilder aus Australien, die alles in dunkelrotes Licht getaucht zeigen, sind tatsächlich echt. Der sich schnell ausbreitende Spitzname „Bluthimmel“ scheint durchaus angemessen. Damit einher gingen zudem große Zerstörungen, die ebenfalls zum Teil auf den Bildern zu sehen sind.
Es gibt allerdings keinen echten Zusammenhang mit Blut, stattdessen ist ein zerstörerisches Wetterphänomen dafür verantwortlich. Australiens Westküste wurde vergangene Woche vom Zyklon „Narelle“ getroffen. Dabei handelt es sich um einen enorm heftigen tropischen Wirbelsturm, der über warmem Meerwasser entsteht und per Definition Windgeschwindigkeiten von mindestens 119 km/h erreicht.
„Narelle“ wurde im Verlauf als Sturm der Stärke vier bis fünf eingestuft. In der Spitze wurden bei den Böen Geschwindigkeiten von bis zu 260 km/h gemessen. Die Auswirkungen in Australien sind verheerend und passen zu den gespenstischen Bildern des „Bluthimmels“.

Zyklon richtet enorme Schäden an Australiens Küsten an
Der Sturm traf zunächst das nordöstlich gelegene Queensland, zog dann an der Nordküste des Landes weiter und erreichte schließlich auch die Westküste. Insgesamt soll „Narelle“ dabei mehr als 5000 Kilometer zurückgelegt haben. Die Auswirkungen sind für die Menschen vor Ort deutlich zu spüren. Während es in Queensland offenbar vor allem zu abgedeckten Dächern und Stromausfällen kam, war das Northern Territory von einigen Überschwemmungen betroffen.
Besonders heftig hat es allerdings die Westküste rund um die Region Shark Bay getroffen. Auch noch Tage nach dem Unwetter sind dort Ortschaften aufgrund der Schäden von der Außenwelt abgeschnitten. Auch die Tierwelt vor Ort hat es schwer getroffen. Gegenüber dem Sender ABC schildert etwa Wildtierhelferin Brinkley Davies, dass der Strand am Ningaloo Reef einem Friedhof gleiche. Dort könne man unzählige verletzte Tiere wie Seevögel, Schildkröten, Fische und Krebse finden.
Und auch für das Korallenriff, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, sind die Folgen nicht abzusehen. Teile davon kann man ebenfalls am Strand finden, nachdem sich das Riff gerade erst mühsam von einer Korallenbleiche erholt hatte, wie „T-Online“ berichtet. Dazu kursieren immer mehr Bilder im Netz, die das enorme Ausmaß der Zerstörung dort zeigen. Besonders gespenstisch mutet allerdings die rötliche Einfärbung der Bilder an, die direkt auf den Zyklon zurückzuführen ist.
Wie Zyklon „Narelle“ die Luft blutrot färben konnte
Die Bilder aus Australien erinnern ein wenig an ein ähnliches, wenn auch überhaupt nicht vergleichbares Wetterphänomen in Birmingham Anfang des Jahres. Dort färbte sich der Himmel über der Stadt komplett rosa. Grund war der dichte Schneefall, der wiederum das helle Licht des Stadions zurückwarf. In Australien ist der Hintergrund jedoch ungleich ernster. Hier stammt das blutrote Licht nämlich nicht von Schnee, sondern von dem durch den Sturm aufgewirbelten Staub.
Die Böden des größten Inselstaates der Welt sind nämlich enorm eisenreich. Durch Verwitterung oxidiert das Material im Boden und zerfällt dann zu rötlichem Staub, der von Zyklon „Narelle“ aufgewirbelt wurde. Das Sonnenlicht verstärkt diesen Effekt noch, da vor allem die längeren und somit rötlichen Lichtwellen gestreut werden.
In den sozialen Netzwerken beschreiben viele das Szenario als „apokalyptisch“. Und auch die Menschen vor Ort berichten, dass im roten Licht alles unheimlich gewirkt habe, zumal man dabei den Staub in Mund und Augen habe spüren können.

