Nach fast sieben Jahren stellt Nintendo einen Titel ein, der zwar millionenfach gespielt wurde, sich zuletzt aber auf dem absteigenden Ast befand: „Mario Kart Tour“. Dabei handelt es sich um den erfolgreichsten Ableger der bekannten Mario-Reihe abseits der Kernkonsolen; das Spiel ist auf mobile Endgeräte ausgelegt.
Am 30. September soll nun endgültig Schluss sein, wie Nintendo Mitte Juli bekannt gab. „Der Service für 'Mario Kart Tour' für Smart-Geräte endet am 30. September um 08:00 Uhr (MESZ)“, heißt es dazu schlicht in einer Mitteilung des Unternehmens. Nun formiert sich allerdings eine Bewegung der Spielerinnen und Spieler, die eine Rückerstattung fordern.
So geht es für „Mario Kart Tour“ weiter
Das mobile Nintendo-Spiel kam 2019 auf den Markt und startete recht erfolgreich. „Mario Kart Tour“ hatte ein ganz eigenes Tour-System mit – typisch für Online-Spiele – wechselnden Inhalten und diversen Möglichkeiten für Spielerinnen und Spieler, Dinge zu sammeln und individuelle Fortschritte zu erzielen. Zuletzt kamen bereits keine neuen Funktionen mehr für das Spiel, jetzt soll es endgültig eingestampft werden.
Da keine Offline-Version existiert und nach aktuellem Kenntnisstand auch nicht geplant ist, bedeutet dies das endgültige Aus für das Spiel selbst, aber auch für die teilweise käuflich erworbenen Inhalte. Bereits seit dem 8. Juli können keine Rubine innerhalb des Spiels mehr gekauft werden. Bis zum Ende des Service im September können bereits vorhandene Rubine allerdings noch im Highlight-Shop, im Mii-Outfit-Shop und auch beim Münzrausch verwendet werden.

„Mario Kart Tour“-Spieler fordern Rückerstattung
Zum 8. Juli wurde auch der Gold-Pass eingestellt. Dabei handelte es sich um einen Abonnement-Service von Nintendo, der zuletzt 5,49 Euro pro Monat gekostet hatte. Abonnentinnen und Abonnenten winkten Gold-Geschenke, spezielle Abzeichen, Bonus-Rennen und einige weitere Vorteile. Zwar bleiben diese Vorteile bis zur Abschaltung aktiv. Da danach das Spiel nicht mehr zur Verfügung steht, verschwinden entsprechend auch alle Inhalte, für die Spielerinnen und Spieler teils über Jahre bezahlt haben.
Ein extremes Rechenbeispiel: Wer direkt zum Start im September 2019 den Gold-Pass gebucht hat, zahlte am Ende genau sieben Jahre dafür. In 84 Monaten kommt so eine Summe von 461,16 Euro zusammen, allein für das Abonnement. Dazu dürften bei zahlreichen Spielerinnen und Spielern noch die bezahlten Rubine kommen.
Einige machen ihrem Unmut darüber, dass die Inhalte dann einfach verschwinden, online Luft. So schreibt etwa ein verärgerter Reddit-Nutzer: „Ihr habt von mir über die Jahre viel Geld bekommen. Ihr müsst uns etwas zurückgeben, das ist nicht richtig.“ Ein weiterer Spieler merkt in diesem Kontext an, dass Nintendo enorme Umsätze mit „Mario Kart Tour“ erzielt habe. Laut „The Game Business“ kam das Mobile-Game laut Zahlen aus dem Jahr 2025 auf einen Umsatz von 365,6 Millionen Dollar bei fast 300 Millionen Downloads.
Gibt es ein Recht auf Rückerstattung?
Dass Spielerinnen und Spieler von Nintendo tatsächlich Geld oder alternativ Gutscheine zurückbekommen, ist allerdings ausgesprochen unwahrscheinlich. Nach der Abschaltung eines Online-Spiels gibt es kein generelles Recht auf Rückerstattung, weder für den Kaufpreis noch für eventuell in der Zwischenzeit getätigte Mikrotransaktionen. Zwar gibt es auch einige Ausnahmen wie etwa Sonys „Concord“, das 2024 nach so kurzer Zeit eingestellt wurde, dass das Unternehmen tatsächlich den Kaufpreis erstattete; das ist allerdings nicht die Regel.
Das liegt an einem Problem, das zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Wer Online-Spiele erwirbt, sichert sich genau genommen nur die Nutzungsrechte und kauft nicht das tatsächliche Game. Da immer mehr Inhalte nur online zur Verfügung stehen, ist die Spielerschaft entsprechend darauf angewiesen, dass das Spiel dauerhaft zur Verfügung steht. Bei einer Abschaltung verliert sie sämtlichen Zugriff.
Mit Initiativen wie „Stop Killing Games“ gibt es allerdings auch zunehmend Kritik an diesem Vorgehen aus der Community. Zuletzt kochte die Debatte wieder hoch, weil Sony angekündigt hat, ab 2028 neue Spiele nur noch online und nicht mehr als analoge Disc herauszubringen. Bislang ist das Thema der digitalen Besitzrechte in solchen Fällen allerdings keine politische Priorität.

