Eigentlich gelten Edelmetalle als sichere Geldanlage in Krisenzeiten. Doch trotz der Eskalation im Iran ist der Goldpreis kürzlich deutlich gefallen. Gleich mehrere Faktoren haben dazu geführt, dass sich die beliebte Alternative zu Aktien, Bitcoin und Co. aktuell ungewohnt volatil zeigt.
Am Montagnachmittag lag der Preis für eine Unze Feingold bei 4.420 US-Dollar. Ende Februar zahlte man für eine Unze noch über 5.350 US-Dollar. Es handelt sich also um Einbußen in Höhe von fast 1.000 US-Dollar. Anleger fragen sich deshalb, wie es so weit kommen konnte und ob sich dieser Negativtrend fortsetzen könnte. „Gold ist eher eine Absicherung gegen die breiteren Auswirkungen von Konflikten als gegen direkte Kriegsrisiken“, erklärte Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management.

Zinsen und Iran-Krieg: Wieso der Goldpreis jetzt fällt
Auch die Zinsen, die durch die US-Notenbank festgelegt werden, sowie die Inflation spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Goldpreises. Denn kürzlich wurde von der Federal Reserve (Fed) bekanntgegeben, dass der Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent verbleiben wird. „Die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft sind ungewiss“, hieß es in einem offiziellen Statement.
Mehr dazu: Gaspreise steigen weiter an - Was das für Millionen Verbraucher bedeutet
Gleichzeitig stärkte die durch das Öl getriebene Energieinflation den US-Dollar. Die Krise wird insbesondere durch die Blockade der Straße von Hormus befeuert. „Höhere Realrenditen und ein stärkerer US-Dollar stellen direkte Gegenwinde für eine nicht verzinsliche Anlage wie Gold dar“, erklärte auch Matt Bance, Portfoliomanager bei T. Rowe Price. Hintergrund ist unter anderem der sprunghafte Anstieg des Ölpreises auf beispielsweise über 100 US-Dollar für ein Barrel der Sorte Brent.
Experten äußern ihre Prognosen für das Jahr 2026
Wenn die US-Notenbank die Zinsen hoch hält, werden verzinste Investments, insbesondere für Großinvestoren, wieder attraktiver. Was aktuell paradox erscheint, hat jedoch langfristig eine ganz andere Prognose. Denn es handelt sich eher um eine kurzfristige Reaktion des Marktes als um einen generellen Trend - zumindest bezogen auf Edelmetalle wie Gold. „Akute geopolitische Spannungen kommen zunächst der weltweit führenden Reservewährung zugute, doch langfristig stützen Inflationssorgen die Edelmetalle“, betonte auch Daniel Marburger von StoneX. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Goldpreis wieder erholen wird, ist demnach hoch.
Der Verlauf des Goldpreises 2026:
- Höchststand Januar: 5.414 USD
- Höchststand Februar: 5.433 USD
- 23. März: 4.420 USD
- Expertenprognose Dezember: 6.000 USD
Es kommt allerdings darauf an, wie sich die Situation im Nahen Osten und die Realrenditen entwickeln. Denn langfristig wird der Goldpreis von der Nachfrage der Zentralbanken, den geopolitischen Spannungen, der Inflation sowie der Entdollarisierung angetrieben. Auch eine mögliche Stagflation würde den Goldpreis wieder erhöhen. Experten der UBS prognostizieren noch in diesem Jahr einen Anstieg auf über 6.000 US-Dollar. US-Marktstratege Ed Yardeni hält sogar einen Anstieg auf 10.000 US-Dollar pro Unze bis 2030 für möglich. Wer Edelmetalle in seinem Portfolio hat, sollte diese immer als langfristige Strategie betrachten und nicht als kurzfristiges Investment.

