Die französische Eisenbahngesellschaft SNCF hat mit einer neuen Regelung für ordentlich Zündstoff gesorgt. So gibt es die neue Option „Optimum“, die aktuell getestet wird. Was nach einer Erweiterung der 1. Klasse klingt, meint vor allem einen Bereich komplett ohne Kinder. Zutritt haben ausschließlich Erwachsene; trotz Vollticket ist Kindern der Zugang verwehrt. Dabei soll es um Ruhe und damit verbunden um zusätzlichen Komfort gehen.
Das Ganze ist aber nicht mit den Ruheabteilen der Deutschen Bahn zu vergleichen, in denen beispielsweise Handytelefonate untersagt sind. Stattdessen richtet sich neue Service mit zugehörigem Tarif an Geschäftskundinnen und -kunden, die an Bord eines Zuges „störungsfrei“ arbeiten wollen, wie „Le Figaro“ berichtet. Die Zeitung zitiert zudem einen französischen Geschäftsmann, der sich vor allem auf schreiende oder spielende Kinder bezieht, deren Eltern das laute Verhalten nicht unterbinden würden.
„Warum sollten wir uns das Schreien von Kindern anhören müssen, wenn wir einfach nur unsere Ruhe wollen?“, merkt der Bahnkunde an. Die Maßnahme hat jedoch eine neue Debatte darüber angestoßen, wie viel Platz Kindern im öffentlichen Raum zugestanden werden sollte. Während die eine Seite den Vorstoß der SNCF begrüßt, zeigt sich die andere Seite empört.

Debatte um kinderfreie Angebote wird in mehreren Ländern hitzig geführt
Dem Eisenbahnunternehmen wird in diesem Kontext Diskriminierung von Familien und Kindern vorgeworfen. Dabei wird unter anderem betont, dass viele Familien auf die Züge der SNCF angewiesen seien. Sarah El Haïry, Hochkommissarin für die Kindheit, findet bereits den Ausschluss von Kindern in einigen Hotel- und Gastronomiebetrieben kritisch. „Hier sprechen wir jedoch über ein börsennotiertes Unternehmen, das den bevorzugten Transport von Familien repräsentiert und sich an der Diskriminierung einer ganzen sozialen Gruppe beteiligt. Als wären alle Erwachsenen ruhig und diskret“, wird die Politikerin von „Focus“ zitiert.
Damit spricht sie ein wichtiges Gegenargument an, das vielfach angebracht wird. Kinder würden mit der Maßnahme grundsätzlich als Störfaktoren abgetan. Dabei gebe es der Argumentation zufolge eben auch viele Erwachsene, die eine ruhige und konzentrierte Bahnfahrt stören würden. Vor allem die Vermarktung der kinderfreien Bereiche unter dem Titel „Optimum“ wird in diesem Zusammenhang kritisiert. Zuspruch gibt es hingegen von der eigentlichen Zielgruppe des Test-Angebots: den Pendlerinnen und Pendlern sowie Geschäftsreisenden.
Schaut man über die Bahndebatte in Frankreich hinaus, dann wächst die Anzahl sogenannter „No Kids“-Angebote, die teilweise auch „Adults Only“ genannt werden, in vielen Ländern. Dabei geht es oft ausgerechnet um Staaten, die ohnehin mit sinkenden Geburtenraten zu tun haben, darunter auch Deutschland. „Man zieht den Komfort der Erwachsenen zum Nachteil der Teilhabe der Jüngsten vor“, kritisierte El Haïry bereits im vergangenen Jahr die entsprechenden Entwicklungen.
