Am 25. Juli ist ein Attentäter auf dem CSD in Berlin in einem Van in eine Menschenmenge gefahren, bevor er weitere Personen mit einer Waffe attackierte und floh. Eine Frau kam bei dem Angriff ums Leben, zahlreiche weitere wurden – teilweise schwer – verletzt. Um an die Tat, vor allem aber an die Opfer zu erinnern, wurde am Ort des Geschehens eine Bank in Regenbogenfarben aufgestellt und ein Ahornbaum gepflanzt.
Der frisch gepflanzte Baum ersetzte dabei den Baum, gegen den der Täter gefahren war und der anschließend aufgrund der Schäden gefällt werden musste. Jetzt wurde allerdings zuerst die Bank beschädigt und dann auch der Baum herausgerissen.
Polizei berichtet von mutwilliger Beschädigung
Zunächst berichteten Medien Anfang vergangener Woche übereinstimmend von Schäden an der Bank, die laut Polizei durch massive Gewalteinwirkung verursacht wurden. Dabei wurden mehrere Holzlatten gelöst und die Rückenlehne komplett abgebrochen. Die Polizei ermittelt momentan in dieser Angelegenheit, wobei der für politisch motivierte Kriminalität zuständige Staatsschutz des Landeskriminalamtes hauptverantwortlich ist.
Nun wurde bekannt, dass am Wochenende auch der Baum, der gegenüber der Bank gepflanzt wurde, mutwillig beschädigt wurde. Über diese neuen Schäden am Gedenkort für den CSD-Anschlag berichtete die Polizei am Sonntag (6. September). In der Nacht auf Sonntag hätten Einsatzkräfte gegen 01:20 Uhr den beschädigten Baum entdeckt. Die Pflanze wurde dem Bericht zufolge aus dem Erdreich gerissen und stand anschließend schief.
Bei dem Baum handelte es sich um einen französischen Ahorn. Das die Pflanze umgebende, stützende Gitter war mit zahlreichen Gedenknachrichten und Bändern in Regenbogenfarben geschmückt gewesen. Auch das Gitter wurde in diesem Zuge stark beschädigt, genauso wie umliegende Objekte wie Bilder und Kerzen.

Gedenkort für CSD-Anschlag soll wiederaufgebaut werden
Die Tat wurde unter anderem vom Berliner Grünen-Fraktionsvorsitzenden Werner Graf scharf kritisiert. „Ich bin voller Wut und Fassungslosigkeit, aber auch trotzig“, erklärte er. „Ich sage allen queeren Menschen in dieser Stadt: Ihr seid nicht allein.“
Auch die Anteilnahme in den sozialen Medien ist groß, wobei viele vor allem ihr Unverständnis äußern und auch ihre Wut äußern. Zudem wird vielfach gefordert, den Ort beispielsweise durch mobile Kameras besser zu schützen. Es gibt aber auch Stimmen, die solche Gedenkstätten wie in diesem Fall für den CSD-Anschlag als sinnlos empfinden. „Man könnte Gelder deutlich besser ausgeben als für solche Orte, die dann eh nach ein paar Wochen wieder zerstört werden.“ Eine überwiegende Mehrheit spricht sich allerdings für den Erhalt des Ortes aus.
Die Gedenkstelle, die zum Innehalten und zur stillen Anteilnahme errichtet wurde, soll wiederhergestellt werden. So kündigte der Bezirk bereits an, etwa die Bank wieder aufbauen zu wollen und Graf kündigte zudem an, notfalls auch den Baum so oft neu zu pflanzen, „wie es nötig ist“. Stand jetzt ist nicht bekannt, ob dann weitere Schutzmaßnahmen geplant sind, um künftigen Vandalismus zu verhindern.
