Durch eine Betrugsmasche verlor ein 75-jähriger Schweizer aus dem Raum Luzern 10.900 Franken (umgerechnet ca. 11.700 Euro). Der Auslöser war ein harmloses Banner bei TikTok. Anschließend wurde der Rentner mit echten Gewinnen geködert, bevor er überredet wurde, das Geld in eine vermeintliche Kryptobörse zu investieren. Die Polizei warnte in der Vergangenheit bereits vor dem Vorgehen.
Betrug begann mit einem harmlosen TikTok-Banner
Zuerst berichtete das Schweizer Portal „20min“ über den Betrugsfall. Gegenüber dem Medium beschrieb sich das Opfer selbst als misstrauisch und vorsichtig in solchen Dingen. Dennoch sei er auf die perfide Masche hereingefallen. Dabei begann alles mit einem harmlosen Banner auf der Social-Media-Plattform TikTok.
Dabei ging es um die Suche nach Bewertungen für Online-Videos. Für eine Bewertung gab es eine kleine Belohnung von einigen Schweizer Franken. Um die Bewertung zu verifizieren und das Geld zu bekommen, mussten Screenshots gemacht werden. Die Bezahlung hat auch reibungslos funktioniert; deshalb habe er keinen Verdacht geschöpft, schildert der Rentner.
Nach drei Tagen sei ihm dann eine Art Festanstellung vorgeschlagen worden. Dabei war von einem Tagesverdienst von 354 Franken die Rede. Zudem wurde ihm ein sogenannter „Mentor“ an die Seite gestellt, der seine Ansprechperson über den Messenger sein sollte. Dieser Mentor baute anschließend vorsichtig Vertrauen auf und empfahl am Ende eine Investition in Kryptowährungen, um die gewinne zu erhöhen und zudem eine weitere Verdienststufe zu erreichen.

Mehrstufige Masche: „Man fühlt sich wie gefangen“
Auch dabei schien zunächst alles glattzulaufen. Als sich auf seinem Konto ein vermeintlicher Gewinn von etwa 3520 Franken befand, habe sich der 75-Jährige gedacht: „Jetzt reicht's. Das ist genug Geld, ich höre auf.“ Als er sich das Geld auszahlen lassen wollte, wurde die Zahlung allerdings plötzlich blockiert, angeblich aufgrund eines Systemfehlers, den das Opfer selbst verursacht haben soll.
Um an das Guthaben zu gelangen, müsse eine Zahlung hinterlegt werden. Zweimal wurde eine solche gefordert und zweimal überwies der Rentner, erst 6.000, dann 6.300 Franken. In Wirklichkeit hat der Gewinn allerdings nie existiert und das hinterlegte Geld hat der 75-Jährige auch nicht wiederbekommen.
Rückblickend kann der Schweizer, der sich selbst als aufmerksam und misstrauisch beschreibt, selbst nicht ganz erklären, warum er auf die Betrugsmasche hereingefallen ist. „Man wird richtig bearbeitet und ist wie gefangen“, beschreibt er das Ganze gegenüber „20min“.
Betrüger machen sich Psychologie ihrer Opfer zunutze
Hinter dem Betrug stehen geschickte psychologische Prozesse. So wird zu Beginn mit dem sogenannten Reziprozitätsprinzip gearbeitet, das auch als „Regel der Gegenseitigkeit“ bezeichnet wird. Beides beschreibt ein tief verankertes Gefühl beziehungsweise den psychologischen Druck, der entsteht, wenn man ein Geschenk erhält oder einen vermeintlichen Gewinn erzielt. Dadurch entsteht das unbewusste Gefühl, sich erkenntlich zu zeigen und der anderen Person zu vertrauen.
An dieser Stelle kommt dann der „Mentor“ ins Spiel. Dieser verlagert nicht nur die Kommunikation auf den Messenger Telegram, sondern stellt zusätzliches Vertrauen her. Im aktuellen Fall beschreibt der Rentner, dass die Kommunikation seriös und in fehlerfreiem Schweizerdeutsch verlaufen sei; beides habe sein Misstrauen klein gehalten.
Anschließend verlassen sich die Kriminellen auf Effekte wie beispielsweise die „Sunk Cost Fallacy“. Diese besagt, dass Menschen an Projekten oder Beziehungen festhalten, obwohl sie Verlust bedeuten, weil sie bereits viele Ressourcen (Energie, Zeit, Geld etc.) investiert haben. Gleichzeitig wird im Rahmen der Masche mit immer weiteren Gewinnen gelockt. Verschiedene Varianten dieser Masche kursieren seit einigen Jahren auf Messengern und Social Media; die Polizei mahnt zur Wachsamkeit.

