In Canterbury ist eine seltene Form der Meningitis ausgebrochen, an der bereits ein Student und eine Oberstufenschülerin gestorben sind. Behördenangaben zufolge werden zudem mindestens elf weitere Menschen bereits in Krankenhäusern behandelt. Sowohl die Anzahl der Fälle als auch die Geschwindigkeit der Ausbreitung sind ungewöhnlich. Andrew Preston, Professor an der University of Bath und Experte für bakterielle Krankheiten, zufolge könne das daran liegen, dass hinter dem Ausbruch ein neuer Stamm stecke.
Erste Einschätzungen der britischen Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) gehen von einer invasiven Meningokokken-Erkrankung aus. Dabei infizieren die Bakterien Hirn- und Rückenmarkshäute der Betroffenen. Das äußert sich unter anderem durch Fieber, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder einen steifen Nacken. Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Krampfanfälle und Verwirrtheit sind ebenfalls möglich. Bei schweren Fällen kann es zudem zu Hautausschlag und auch zu einer potenziell lebensbedrohlichen Sepsis (Blutvergiftung) kommen.

Behörden versuchen, den Meningitis-Ausbruch an der Universität in Kent einzudämmen
Nach aktuellem Informationsstand könnte eine Party in einem Nachtclub in Canterbury für die Meningitis-Fälle verantwortlich sein. Die Übertragung der Bakterien erfolgt per Tröpfcheninfektion. Dabei gelten vor allem junge Menschen als gefährdet, da diese häufiger in großen Gruppen unterwegs sind und etwa in der Universität und in Schulen zwangsläufig Kontakt mit vielen anderen Menschen haben.
Das zeigt sich auch bei den bisher registrierten Fällen. Der „BBC“ zufolge sollen die Betroffenen meistens zwischen 18 und 21 Jahre alt sein. Mehr als 30.000 Personen werden aktuell von den britischen Behörden über den Ausbruch gezielt informiert. Dabei handelt es sich vor allem um Studierende und Mitarbeiter der Universität von Kent sowie deren Familien. Hierbei gehe es auch um Aufklärung, da die Symptome leicht mit einem grippalen Infekt oder auch einem alkoholbedingten Kater verwechselt werden könnten. Vorsorglich werden Antibiotika bereitgestellt.

Wie ist die Meningitis-Lage in Deutschland?
Ein Meningitis-Ausbruch wie der in Canterbury ist in Industrienationen eher selten. In Deutschland treten mehrere hundert Fälle pro Jahr auf, allerdings in erster Linie vereinzelt, ohne größere Ansteckungswellen auszulösen. Unter anderem aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr und der sich schnell entwickelnden Lebensbedrohlichkeit besteht auch hierzulande eine Meldepflicht für Meningitis-Erkrankungen.
Wichtig sind eine genaue Beobachtung der Symptome und eine schnelle Diagnostik, wie auch das Robert Koch-Institut (RKI) betont. Zudem wird Kindern und Jugendlichen eine Impfung gegen die häufigsten Meningitis-Erreger empfohlen. Darüber hinaus empfiehlt sich, wie auch bei ähnlich übertragbaren Krankheiten, dass Vorsicht besser ist als Nachsicht. Wer also Symptome bei sich beobachtet, sollte Abstand zu anderen halten und engen Kontakt vermeiden. Das Tragen von Masken und das Einhalten wichtiger Hygieneregeln können eine Ausbreitung verhindern.
